Engagiert: Kakao, Machete und Maschinenbau

Ein Keilmesser aus dem 3D-Drucker ist das Herzstück der Kakaoschälmaschine. Alle Fotos: (c) Thorben Persch/GIZ

Kakao ist ein vielseitiges Produkt, und das nicht nur für Schokolade: Die weiße, cremige Kakaobutter ist in der Kosmetikindustrie stark nachgefragt. Kamerunische Bauern könnten mit dem Anbau dieser cash-crop - ein landwirtschaftliches Produkt, das eigens für den Export angebaut wird - viel Geld verdienen. Doch leider wird das Potential nicht ausgeschöpft: Denn um an die kostbaren Inhalt zu gelangen, wird die Schote fast ausschließlich manuell mit Macheten geöffnet. Dies ist nicht nur sehr gefährlich, da es oft zu Schnittverletzungen kommt. Ebenfalls werden häufig die Bohnen in Mitleidenschaft gezogen und lassen sich so nicht mehr fermentieren.

 

"Die Kakaoschälmaschine muss ohne Strom funktionieren. Sie muss außerdem klein sein, um sie leicht transportieren zu können und gleichzeitig darf sie nicht zu teuer werden"

 

©Grewe, Katharina GIZ
Die Maschine entwarfen Studenten im Rahmen einer Seminararbeit.

Ein zehnköpfiges Team aus acht Maschinenbaustudenten und zwei Betreuern der Technischen Universität München stellt sich nun dieser Herausforderung, die Grünen Innovationszentren fördern sie dabei. Im Rahmen einer Seminararbeit entwerfen sie eine Maschine, um die Schoten nicht nur sicherer, sondern auch effizienter zu schälen. Gerade letzteres ist ausschlaggebend, da bei Kakaoschoten nach drei Tagen die Qualität rapide sinkt. Dabei muss den besonderen Rahmenbedingungen in Kamerun Rechnung getragen werden: „Die Kakaoschälmaschine muss ohne Strom funktionieren. Sie muss außerdem klein sein, um sie leicht transportieren zu können und gleichzeitig darf sie nicht zu teuer werden“, erklärt Patrick Lüftenegger von der TU München. Das bedeutet: Breite, Länge, Gewicht, Umfang und Schalendicke der unterschiedlichen Schoten messen, entsprechende Modelle entwickeln und testen.

 

©Grewe, Katharina GIZ
Rollenspiele und Diskussionen im Team sind entscheidend für die Projektarbeit.

Das Herzstück: Keilmesser aus dem 3D-Drucker

Durchgesetzt haben sich zwei mögliche Varianten: Variante eins wird auf dem Erdboden platziert und mit einem Hebel bedient. Sie verfügt über ein Magazin, um mehrere Schoten zu laden und schält eine einzelne Schote in nur 5,6 Sekunden. Variante zwei ist hingegen an einem Baum befestigt. Zwar ist diese Methode mit einer Höchstleistung von 7,7 Sekunden etwas langsamer, benötigt jedoch weniger Kraft und könnte rein theoretisch ebenfalls mit einem Magazin erweitert werden. Herzstück beider Konstruktionen ist das sogenannte Keilmesser. Die Studenten konstruierten dieses eigens in einem 3D-Drucker. Damit öffnet die Maschine Kakaoschoten, ohne diese jedoch komplett zu spalten oder die wertvollen Bohnen zu beschädigen.

 

Die Studenten schauen auch weit über den technischen Horizont hinaus. Neben Fragen der Ergonomie, befassen sie sich besonders mit den gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer Maschine, speziell mit der Frage, ob hierdurch Arbeitsplätze verloren gehen könnten. „Diese Gefahr besteht nicht“, versichert Andrea Wihelmi-Somè, Projektmanagerin der Grünen Innovationszentren, „denn in Kamerun werden für das Kakaoschälen meist Kinder angeheuert, welche ansonsten die Zeit in der Schule verbracht hätten.“ Gleichzeitig ist die Idee, dass durch die Kakaoschälmaschine neue Jobs im Dienstleistungsbereich entstehen. So sollen junge Unternehmer das Kakaoschälen als Service anbieten.

 

Wichtig ist - hier sind sich Studenten und die Mitarbeiter der GIZ einig - die Zusammenarbeit mit den kamerunischen Kakaobäuerinnen und -bauern: So soll in der näheren Zukunft ein Workshop mit ihnen in Kamerun stattfinden, um viele offene Fragen zu klären und neue Ideen zu entwickeln.


Bemerkenswert ist das Engagement der Studenten. Sehr intensiv setzen sie sich in ihrem Projekt mit entwicklungs- und agrarpolitischen Themen oder den kulturellen Bedingungen vor Ort auseinander: „Besonders interessant für das Team waren die Rollenspiele“, erklärt Patrick Lüftenegger: „Wir versetzten uns zum Beispiel in die Lage von älteren Bauern. Wir wollten verstehen, mit welchen Problemen sie beim Kakaoschälen zu kämpfen haben. Wie die Kakaoschälmaschine diese lösen kann und welche Motivation die Bauern haben, diese Innovation anzuwenden.“ Damit beweisen sie, wie wichtig es ist, von anderen Fachbereichen zu lernen und die gewohnten Dinge aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten.

 

Ein Bericht von Thorben Persch

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