Sonnenblumen statt Tabak

Die Bauern in Malawi haben lange am Tabakanbau festgehalten – das führte zu einer gefährlichen Abhängigkeit. Dabei gibt es zahlreiche Alternativen.

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In Malawi sind etwa 8,5 Millionen Einwohner von Ernteausfällen betroffen. (c) Sofia Shabafrouz

Projektname

Grüne Innovationszentren in der Agrar- und Ernährungswissenschaft

Ziel

Kleinbauern neue landwirtschaftliche Ansätze vorstellen, etwa bessere Kühlketten oder effektiveren Dünger.

Gründung von Erzeugergemeinschaften und Interessensvertretungen

Laufzeit

2015 bis 2019

Politischer Träger

Malawisches Ministerium für Industrie, Handel und Tourismus

Auftraggeber

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

In einem dunklen Raum sortieren junge Männer und Frauen Tabakblätter nach Güteklassen. Sie tragen Atemmasken und Gummihandschuhe. Barnet Magombo findet die Schutzkleidung lästig, weiß aber, dass die Arbeit ohne sie gefährlich wäre. Die Ausrüstung schützt vor giftigem Nikotin, Pestiziden und Staub. Sie ist keineswegs Standard in Malawi, doch hier am Mwimba College of Agriculture, einer Einrichtung des privatwirtschaftlichen Forschungs- und Beratungsverbandes der kleinbäuerlichen Tabakproduzenten, ist das Tragen Pflicht.

 

Magombo macht an der landwirtschaftlichen Fachschule im zentral gelegenen Distrikt Kasungu eine Ausbildung. Weltweit werden aus malawischem Tabak Zigaretten hergestellt. Doch seit einigen Jahren sinkt die Nachfrage und damit der Wert des Hauptexportprodukts von Magombos Heimat. Auch 2016 startete die Verkaufssaison mit Tiefpreisen. Ein Großteil des angebotenen Tabaks fand trotz guter Qualität keine Käufer.

 

Millionen von Malawier vom Hunger bedroht

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Mit dem Anbau von anderen Nahrungsmitteln sollen die Malawier unabhängiger vom Tabak werden. (c) Sofia Shabafrouz

Magombo, dessen ältere Schwester Tabak anbaut, verfolgt die Entwicklung mit Sorge: „Die Kleinbauern bleiben immer öfter auf ihrer Ware sitzen.“ Dabei konnten sie mit Tabak bisher mehr einnehmen als mit jedem anderen Produkt.“

Hinzu kommt, dass das Land gegen eine Nahrungsmittelkrise kämpft. Schuld daran ist neben dem Klimaphänomen El Niño eine einseitig geförderte Landwirtschaft. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind etwa 8,5 Millionen Malawier wegen Ernteausfällen von Hunger bedroht – das ist etwa die Hälfte der Bevölkerung. Die malawische Regierung ist angesichts der Krise alarmiert. Sie hat sich vorgenommen, das Land weniger abhängig vom Tabak zu machen und die Lebensmittelversorgung im Land zu verbessern. Die GIZ berät die sie dabei, ihre Strategie umzusetzen und Produktion sowie Ertrag im Land zu stärken.

Magombo sieht eine Lösung in einer besseren Ausbildung der Bauern. „Die meisten Bauern wissen nicht über die Risiken einer Monokultur Bescheid“, sagt der angehende Landwirt. Er würde ihnen raten, neben Tabak auch verschiedene andere Pflanzen anzubauen, zum Beispiel Erdnüsse. „Das macht sie unabhängiger und notfalls auch satt.“

 

Fokus auf Ölsaaten

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Aus Sonnenblumen wird Speiseöl. (c) Sofia Shabafrouz

Denn wo kein Tabak wächst, ist Platz für Essbares. Durch einen regelmäßigen Wechsel der angebauten Pflanzen bleiben zudem die Böden fruchtbarer. „Ein Netzwerk aus landwirtschaftlichen Beratern, Kleinproduzenten und lokalen Nahrungsmittelherstellern wird dies möglich machen“, sagt Projektleiter der GIZ Florian Bernhardt über den Ansatz der „Grünen Innovationszentren“. Sie sind Teil der Sonderinitiative „EINEWELT ohne Hunger“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Zwei landwirtschaftliche Fachschulen in Malawi, mit denen die deutschen Experten zusammenarbeiten, bilden junge, motivierte Landwirte wie Barnet Magombo zu Multiplikatoren aus. An Magombos Schule haben schon 200 Studenten ihren Abschluss als landwirtschaftliche Berater gemacht. Als solche begleiten sie Kleinbauern im ganzen Land dabei, neben Tabak und Mais auch Sonnenblumen, Erdnüsse, Soja und Maniok anzubauen. Der Fokus liegt auf Ölsaaten, denn die lassen sich im Land gut weiterverarbeiten, zum Beispiel zu Speiseöl, einem Produkt, das weltweit gebraucht wird.

 

Viele wissen nicht über die Risiken der Monokultur Bescheid

Wenn der Agrarökonom John W. Jiyani über den Campus der Fachschule geht, sieht er sehr zufrieden aus. Vieles ist im ersten Jahr der Zusammenarbeit mit den deutschen Experten schon in Gang gekommen. „Die Bibliothek wurde mit Fachbüchern ausgestattet und ein Gebäude konnte saniert werden“, so Jiyani. „Ein Labor und zwei Ölpressen stehen nun zur Verfügung und eine solarbetriebene Bewässerungsanlage versorgt den Campus.“ Vor allem aber hat die Schule die einseitig auf Tabak ausgerichteten Lehrpläne angepasst und um Ölsaaten und Maniok ergänzt. Auf Trainingsfeldern können sich die Studenten umfassend mit jeder Pflanzenart beschäftigen. Pro Jahr absolvieren hier von nun an 120 Fachschüler die erweiterte Ausbildung. 

Magombo möchte nach der einjährigen Grundausbildung weiterstudieren. In drei Jahren wäre er dann landwirtschaftlicher Berater. Als solcher will er den Tabakbauern sein Wissen über alternative Nutzpflanzen und gute Anbaupraktiken weitergeben. Sein Traum ist es, später ein eigenes Stück Land zu kaufen, Arbeitskräfte einzustellen und einen nachhaltigen Landwirtschaftsbetrieb zu führen.

 

GIZ: Sonnenblumen statt Tabak

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