Grüne Geschäftsideen auf dem Land

Fehlende Möglichkeiten treiben vor allem viele junge Inder in die Stadt. Dabei werden sie auf dem Land dringend gebraucht. Ein Ausbildungsprogramm schafft neue Möglichkeiten.

Ich bin ein Alternativtext
Installation von Sonnenkollektoren. Alle Fotos: (c) Christina Felschen / Welthungerhilfe

Projektname

Green-Colleges-Initiative

Region

Indien, in den Bundesstaaten Westbengalen, Jharkhand und Orissa

Laufzeit

Januar 2016 bis Dezember 2017

Zielgruppe

30.000 Kleinbauern, Produzenten und ländlichen Unternehmer. 80 Prozent gehören der Stammesbevölkerung, den unteren Kasten und anderen marginalisierten Gruppen an

Ausbildung

Theoretischer Unterricht und praktische Ausbildung in Kurzzeitkursen (1-2 Monate) und längeren Kursen (3-6 Monate).

Zertifizierung durch die Green Colleges, langfristige Follow-ups und weiteres Engagement in Kooperativen

 

Die indische Wirtschaft wächst seit zwei Jahrzehnten in beachtlichem Tempo, doch nur die wenigsten Bewohner profitieren vom Boom: Nur jeder Zehnte hat eine Berufsausbildung und wenn, dann handelt es sich fast ausschließlich um Stadtbewohner. Während die industrielle Entwicklung und der Exportsektor vom Staat gefördert werden, bleibt sich die Landwirtschaft selbst überlassen. Vor allem Landbewohner halten sich mit Hilfsarbeiten oder wenig effizienter Landwirtschaft mühsam über Wasser – oder sind arbeitslos.

In ländlichen Gebieten hat diese Vernachlässigung fatale Konsequenzen. Geringe Erträge, mangelnde Bildungsangebote und hohe Arbeitslosigkeit treiben vor allem junge Menschen aus ihren Dörfern und in die Slums der Großstädte. Gleichzeitig fehlen sie auf dem Land, um wichtige Veränderungen voranzubringen. Agrar- und Forstprodukte sind sehr gefragt und die Marktpreise steigen – vor allem für verarbeitete Produkte.

 

Junge Menschen auf dem Land fördern

Ich bin ein Alternativtext
Sakuntala Sores (32 Jahre) züchtet seit 2011 Nutztiere.

Genau dort setzt das Ausbildungsprogramm der Welthungerhilfe an. Zusammen mit vier langjährigen Partnerorganisationen bildet sie seit 2010 junge Leute zwischen 15 und 35 Jahren in Berufen mit Zukunft aus: von der Seidenraupenzüchterin bis zum Solartechniker. Die Hälfte der Auszubildenden sind Frauen. Von dem Programm profitieren vor allem Angehörige der Stammesbevölkerung (Adivasi) und der unteren Kasten (Dalits) aus den ärmsten Gegenden der Bundesstaaten Westbengalen, Jharkhand und Orissa.

In diesen Gebieten leben 90 Prozent aller Menschen unter der nationalen Armutsgrenze (49 Cent pro Tag). In der Sundarbans-Region Westbengalens ist beispielsweise nur jeder fünfte Haushalt in der Lage, den täglichen Energiebedarf zu decken. Deshalb ist das Ausbildungsprojekt so wichtig. In 13 „Green Colleges” erhalten rund 30.000 Studenten eine intensive sechsmonatige Ausbildung. Der Abschluss ist staatlich zertifiziert, was die Berufschancen zusätzlich erhöht.

 

Alles im grünen Bereich für Berufsanfänger

Sechs Fachrichtungen in „grünen Berufen“ werden angeboten: nachhaltige Landwirtschaft, Viehzucht, Tiermedizin und -pflege, Weiterverarbeitung von Lebensmitteln und Waldprodukten sowie Solartechnologie. Neben der praktischen Ausbildung stehen auch Geschäftsplanung und –führung auf dem Programm. Außerdem unterstützen die Dozenten ihre Absolventen beim Berufseinstieg oder beraten sie bei der Unternehmensgründung. Mit ihren Jobs überwinden die jungen Leute nicht nur die Armut, sondern verschaffen sich auch Respekt in ihrem Dorf. Besonders für Frauen ist die Selbstständigkeit ein wichtiger Schritt, weil sie traditionell zu den Eltern des Ehemanns ziehen und damit den Rückhalt ihres eigenen Dorfes verlieren.

 

"Zum Glück haben wir es gewagt!"

 

So wie die 32-jährige Sakuntala Sores. Als sie sich zusammen mit ihren beiden Freundinnen zur Tierzüchterin fortbilden lassen wollte, reagierten ihre Schwiegereltern skeptisch. „Sie wollten uns für den Kurs nur ungern nach Kalkutta reisen lassen”, erzählt Sores, die ihr Dorf sonst selten verlässt. „Zum Glück haben wir es gewagt!” Heute können sich die drei Freundinnen nicht nur selbst versorgen, sondern ihre Familien gleich noch mit.

Alle Kurse fördern den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen. Sie verringern die Jugendarbeitslosigkeit und stärken die Dorfgemeinschaften. Letztlich wird damit Landflucht vermieden. Denn junge Menschen, die ihre Fähigkeiten zu Hause entwickeln und einsetzen können, müssen nicht abwandern.

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