Ebay gegen den Hunger

Eine App hilft Kleinbauern in Sambia, ihre Ernten zu verkaufen

Weltweit sind Kleinbauern gezwungen, ihre Ernten aufgrund fehlender Marktinformationen unter Preis zu verkaufen. Eine neue App von UN World Food Programme (WFP) will das ändern.

Maano – The Virtual Farmers‘ Market App vom UN World Food Programme (WFP) hilft Kleinbauern beim Verkauf ihrer Ernten. (c) WFP/Archiv

Projektname

Maano – Virtual Farmers‘ Market

Zielgruppe

Ländliche Kleinbauern

Laufzeit

Seit August 2016

Träger

UN World Food Programme (WFP) Sambia

Budget

USD 330.000 (Stand: November 2017)

Mangel an Informationen

(c) WFP/Archiv
60 Prozent weniger Einnahmen als in der Hauptstadt: Kleinbauern in ländlichen Regionen Sambias wie hier in Mumbwa haben kaum Zugang zu Marktinformationen. (c) WFP/Archiv

Die Bohnen liegen sauber verpackt, gestapelt und abholbereit am Ortseingang eines Dorfes bei Mumbwa, 200 km entfernt von Lusaka, der Hauptstadt Sambias. Doch die Familien, die sie säen, ernten und an die Händler aus Lusaka verkaufen, erhalten dafür weniger als die Hälfte des üblichen Marktpreises. Der Grund: Sie wissen nicht, wie viel ihre Bohnen wert sind und wer die besten Preise zahlt. 500.000 Kleinbauern in Sambia geht es so. Weltweit müssen sogar fast 500 Millionen Menschen ihre Ernten unter Wert verkaufen, weil sie keinen Zugang zu verlässlichen Informationen über Preisentwicklungen und potenzielle Käufer haben. Unterm Strich verdienen die Familien quasi nichts, was gerade in Dürrezeiten schwer ist, um über die Runden zu kommen.

 

Drei WFP-Mitarbeiter und ein Sozialunternehmer aus Tansania wollen das ändern. 2016 kamen sie für ein zehntägiges Bootcamp in den WFP Innovation Accelerator nach München, wo neue Lösungen gegen den Hunger entwickelt werden. Mit im Gepäck ihre Idee einer App, über die Kleinbauern faire Preise für ihre Ernten erzielen und unabhängiger agieren können. „Digitale Technologien und Plattformen haben das Wirtschaftssystem in den Industrienationen revolutioniert. Warum nicht auch in Afrika?", sagt Evin Joyce, WFP-Mitarbeiter und Co-Entwickler der App. „Die Fragen, denen wir uns stellen müssen lauten nur, wie lange dauert es und wer wird am Ende davon profitieren? Wenn wir den weltweiten Hunger bis ins Jahr 2030 beenden wollen, sind die Antworten eindeutig: So schnell wie möglich. Gewinnen müssen die Ärmsten der Armen."

 

 

Den Ärmsten helfen – eine Prämisse von Maano

 

Maano ist nur erfolgreich, wenn alle Gemeindemitglieder profitieren. Mit dieser Prämisse haben die Maano-Entwickler den „Leave no one behind"-Ansatz (LN1B) entworfen, um auch die ärmsten Familien zu erreichen und um zu verhindern, dass nur gut vernetzte Bauern Gewinne erwirtschaften können. Maano-Botschafter haben sich dafür bereiterklärt, Saatgut an arme Haushalte zu verteilen, mit denen diese Pflanzen züchten und die Ernte anschließend verkaufen können. 2.200 kg Nahrungsmittel sind so im ersten Jahr zusammengekommen – ein Schritt hin zu weniger Hunger und einem gestärkten Gemeinschaftsgefühl.

 

 

Maano

Ich bin ein Alternativtext
Gemeinsam mit IT-Experten und der Unterstützung des WFP Innovation Accelerator in München haben WFP-Mitarbeiter die App entwickelt. (c) WFP/Archiv

Am Ende des Bootcamps war ‘Maano’ geboren – The Virtual Farmers Market App. Das Prinzip von Maano fußt der Logik von Tausch- und Angebotsbörsen wie Ebay oder AirBnB. Kleinbauern können Echtzeit-Informationen über Preise abrufen, die WFP zur Verfügung stellt und auf deren Basis einen Verkaufspreis festlegen. Händler sehen die Angebote ein, bestätigen den Kauf und kontaktieren die Bauern, um die Abholung zu vereinbaren. Bezahlt wird über ein mobiles Transaktionssystem von WFP, das Bauern und Händlern Sicherheit gewährleistet. Beide Seiten profitieren von Maano. Die Bauern erzielen höhere Einkommen, die wieder in die Produktion zurückfließen können, die Käufer erhalten eine größere Auswahl und bessere Planbarkeit. Zeit und Kosten für Verpackung, Lagerung und Transport haben sich für alle enorm reduziert.

 

Unsere größte Erwartung hat sich bewahrheitet, dass nämlich Kleinbauern, die nie zuvor ein Smartphone in der Hand hielten, binnen kürzester Zeit lernten, wie sie schnell und einfach ihre Erzeugnisse verkaufen und neue Handelswege erschließen

 

Seit April 2017 ist Maano im Google Play Store erhältlich. Mit Zeitungsanzeigen und Radiobeiträgen hat WFP die neue App beworben. Zeitgleich wurden 50 Kleinbauern aus verschiedenen Gemeinden zu Botschaftern ausgebildet, die anderen Bauern die Nutzung von Maano erklären und den Verkauf innerhalb ihrer Gemeinden koordinieren. 3.400 Bauern konnten die Botschafter auf diesem Weg bislang erreichen, 1.200 haben Maano bereits verwendet. Und das mit großem Erfolg. Bis Oktober wurden 148 Tonnen Sojabohnen, Erbsen und andere Nahrungsmittel per App verkauft – vergleichbar mit fünf LKW-Ladungen. Mit über 100 Transaktionen lag der Umsatz bei 48.000 US-Dollar. „Wir sind mehr als zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen", so Joyce, der die App von Sambia aus betreut. „Unsere größte Erwartung hat sich bewahrheitet, dass nämlich Kleinbauern, die nie zuvor ein Smartphone in der Hand hielten, binnen kürzester Zeit lernten, wie sie schnell und einfach ihre Erzeugnisse verkaufen und neue Handelswege erschließen."

 

Große Pläne

Ich bin ein Alternativtext
1.200 Kleinbauern haben bereits Nahrungsmittel über Maano verkaufen können. Koordiniert werden die Transaktionen bisher über 50 Botschafter. (c) WFP/Archiv

Auch viele Nutzer sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Alle Botschafter wollen weiter mit Maano arbeiten. „Ich liebe dieses Programm und bin ein guter Verkäufer für meine Gemeinde geworden. Ich würde ihnen gerne weiter helfen", berichtet einer von ihnen. Und die Pläne der Entwickler sind ambitioniert. Im kommenden Jahr sollen sich sowohl die Botschafter als auch der Umsatz verzehnfachen. In zwei weiteren Ländern ist die Markteinführung von Maano geplant. „Wir haben uns hohe Ziele gesteckt aber ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Partnerschaften mit Botschaftern und Händlern ausbauen können. Beide Seiten wollen eine Plattform wie Maano", sagt Joyce. „Schließlich haben wir alle ein noch viel wichtigeres Ziel: Eine Welt ohne Hunger bis 2030."

 

Maano – the Virtual Farmers‘ Market wurde im WFP Innovation Accelerator mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung konzipiert und entwickelt. Mehr Infos zum Innovation Accelerator: innovationen.wfp.org

 

1 Jahr Maano: Jahresbericht zum Pilotprojekt unter: http://www.wfp.org/content/2017-wfp-zambia

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