Zentralafrikanische Republik

Durch einen andauernden Bürgerkrieg liegt die Landwirtschaft in der Zentralafrikanischen Republik brach. Über die Hälfte der Bevölkerung leidet an Hunger.

 

 

Karte Zentralafrikanische Republik

Hauptstadt

Bangui

Amtssprache

Sango, Französisch

Fläche

622.980 km²

Einwohnerzahl

4,6 Millionen

Bevölkerungswachstum

1,1 %

Ländliche Bevölkerung

59,7 % der Gesamtbevölkerung

Bruttoinlandsprodukt

1,8 Milliarden US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

Ca. 382,20 US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

42,9 % (Stand: 2016)

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

gravierend (Wert: 50,9%), Trend: + 4,8

Human Development Index

Index: 0,352 / Rang: 188 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag lebt

66,3%

 

Reiche Böden, arme Bevölkerung

Die Zentralafrikanische Republik bildet in internationalen Rankings das Schlusslicht als ärmstes Land der Welt: so belegt sie Platz 188 von 188 des Human Development Index. Laut des Berichts der Welthungerhilfe zum Welthunger-Index 2017 gab es in der Zentralafrikanischen Republik in den vergangenen 17 Jahren hinsichtlich der Ernährungssituation keinerlei Verbesserungen. Mit rund 51 Prozent ist der Anteil an Hungernden in der Bevölkerung so groß wie nirgendwo sonst in den untersuchten Staaten.
Dabei ist das Land reich an Bodenschätzen und Rohstoffen wie Diamanten, Gold, Uran und Erdöl. Auch seine Flora und Fauna sind üppig und vielfältig: Der dichte tropische Regenwald im Süden des Landes mit dem Dzanga-Sangha-Schutzgebiet ist eine der letzten Zufluchtsstätten für Flachlandgorillas und Waldelefanten. Die schlechte Regierungsführung und Kriege verhindern, dass das instabile Land sein wirtschaftliches Potenzial nutzt. Für die Bevölkerung ist der Ressourcenreichtum ein Fluch.

 

Fruchtbares Land in Hungersnot

Obwohl fast doppelt so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, ist die Zentralafrikanische Republik mit weniger als fünf Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt. Etwa 60 Prozent der Zentralafrikaner leben auf dem Land. Doch nur etwa drei Prozent des Staatsgebietes werden landwirtschaftlich genutzt. Dennoch trägt der Agrarsektor zu mehr als der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts bei. Damit ist die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig. Die Menschen bauen Yams, Maniok, Hirse, Süßkartoffeln, Hülsenfrüchte und Mais für den Eigenbedarf an. Baumwolle, Kaffee und Tabak werden ausgeführt. Mit zwei Dritteln Anteil am Export, sind Holz und Diamanten die wichtigsten Exportgüter – wobei der Handel mit ihnen oft mit illegalem Holzeinschlag und Schmuggel verbunden ist.

Das im Norden und Zentrum des Landes wechselfeuchte und im Süden immerfeuchte tropische Klima bietet eigentlich günstige Voraussetzungen für den Anbau von Feldfrüchten. Seit 2012 befindet sich die Zentralafrikanische Republik aber in einem Strudel von Gewalt: Zwei Drittel des Landes sind in der Hand von etwa 20 verschiedenen bewaffneten und verfeindeten Gruppen. Insbesondere die heftigen Konflikte zwischen der hauptsächlich christlichen Gruppe der Anti-Balaka und den muslimischen Séléka-Rebellen führen zu völkermordähnlichen Zuständen, Vertreibung und gravierender Mangelernährung. Die Zentralafrikanische Republik ist auf Nahrungsmittelimporte und humanitäre Hilfe angewiesen.

 

Wenig Hoffnung in Zeiten von Krieg

Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs ist die landwirtschaftliche Produktion drastisch zurückgegangen und die Preise für Nahrungsmittel sind entsprechend explodiert. Das einstige Rückgrat des wirtschaftlichen Lebens – die Landwirtschaft – liegt brach: Die meisten jungen Männer kämpfen, anstatt die Felder zu bestellen; Frauen und Kinder fliehen, um zu überleben. Circa 600.000 Binnenflüchtlinge mussten sich andernorts in der Zentralafrikanischen Republik niederlassen. Weitere 500.000 Zentralafrikaner sind in die Nachbarländer geflohen. In den Flüchtlingsunterkünften müssen die Überlebenden zusehen, wie sie an Essbares und sauberes Trinkwasser gelangen. Aufgrund der schlechten Infrastruktur und Belagerung ganzer Landesteile durch Rebellen kam der Handel zum Erliegen. Viele Lebensmittelmärkte wurden nicht mehr beliefert und mussten schließen.

WENN NAHRUNG DA IST... Jeder zweite Zentralafrikaner ist auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Wenn diese ausbleiben, ernähren sich die Menschen tagelang nur von Bananen oder anderem Auffindbarem. Die für die Region typischen Grundnahrungsmittel sind Reis, Hirse und Maniok. Eine aus Hirse bereitete Polenta oder ein Brei aus Maniokmehl und dazu ein Eintopf oder eine Soße stellt in der aktuellen Lage ein regelrechtes Festmahl dar.

Den Kleinbauern fehlen die Produktionsmittel, Saatgut und die Zuversicht, dass sie später auch ernten können, was sie säen. Die Arbeitslosigkeit hat drastisch zugenommen. Selbst Notrationen von Hilfsorganisationen kommen häufig nicht zu den Bedürftigen durch. Den humanitären Organisationen fehlt es an Geldern und an Sicherheit, um dem Ausmaß an Leid zu begegnen – laut dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen sind gerade einmal neun Prozent der benötigten Mittel verfügbar.

Ende 2016 beruhigte sich die Lage geringfügig in der Zentralafrikanischen Republik, so dass Flüchtlinge begannen zurückzukehren. Seit Mai 2017 herrscht jedoch wieder Unsicherheit. Die andauernde Gewalt macht die bisherigen Fortschritte zunichte. Selbst wenn sich die Lage stabilisiert, wird sich die Wirtschaft des Landes nur sehr langsam regenerieren können.

  

Das Ziel der Zentralafrikanische Republik: Ein Weg aus der Krise

Im März 2014 wurde der vorige Präsident François Bozizé gestürzt. Seitdem hat sich der Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik religiös aufgeheizt und das Land kommt trotz mehrerer Friedensabkommen nicht zur Ruhe. Der aktuellen Regierung unter dem 2016 gewählten Faustin Archange Touadéra ist es bisher nicht gelungen, die Kriegsparteien auszusöhnen und einen Dialog zwischen den Rebellengruppen erfolgreich herzustellen. Mit Hilfe der UN-Blauhelmmission und der internationalen Gemeinschaft hofft die Regierung, auf Aussöhnung, sodass neben humanitärer Hilfe auch der Wiederaufbau und mittelfristige Entwicklungsprojekte angegangen werden können. Dafür müssten die verfeindeten Gruppen bereit sein, Frieden zu schließen

 

 

Zurück zur Übersicht