Tansania

Tansanias Wirtschaft kann trotz großer Fortschritte noch nicht mit der schnell wachsenden Bevölkerung Schritt halten. Armut und Unterernährung bleiben ein Problem.

 

Karte von Togo

Hauptstadt

Dodoma, Regierungssitz: Dar es Salam

Amtssprache

Swahili, Englisch

Fläche

947.300 qkm

Einwohnerzahl

ca. 53,5 Mio.

Bevölkerungswachstum

ca. 3,1 %

Ländliche Bevölkerung

36,6 Mio. (68,4 % der Gesamtbevölkerung)

Bruttoinlandsprodukt

45,6 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

879 US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

31,1 %

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

ernst (Wert: 28,4 / Trend: -4,5)

Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung

32,1 %

Human Development Index

Index: 0,521 / Rang: 151 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag lebt

43,5 %

Vom afrikanischen Sozialismus zur freien Marktwirtschaft

Nach Tansanias Unabhängigkeit 1961 regierte zwei Jahrzehnte lang eine sozialistische Einheitspartei unter dem Präsidenten Julius Nyerere. Seine Ujamaa-Politik (Swahili: „wie eine Familie leben“) förderte bis Mitte der 1980er Jahre die nationale Einheit von über 120 Ethnien und wahrte den inneren Frieden. Dörfliche Gemeinden sollten nach einem afrikanischen Modell landwirtschaftlicher Großbetriebe nach sowjetischem Vorbild sogenannte Kolchosen bilden und Tansania zur eigenständigen Entwicklung verhelfen. Die Planwirtschaft führte aber zum wirtschaftlichen Niedergang des Landes. Der Staat war verschuldet, die Bevölkerung verarmt, und die Wirtschaftssektoren entwickelten sich kaum. 

 

In den 1990er Jahren ging mit einem politischen Pluralismus auch die wirtschaftliche Liberalisierung des Landes einher. Die reformorientierte Regierung erzielt seit mehr als zehn Jahren ein konstantes Wirtschaftswachstum von 6 bis 7 Prozent pro Jahr. Doch noch immer müssen 46 Prozent der rund 53 Millionen Einwohner mit weniger als 1,90 US-Dollar am Tag auskommen, ein Drittel aller Tansanier und schätzungsweise jedes zweite Kind ist unterernährt. Etwa 250.000 Flüchtlinge aus Nachbarländern sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. 

 

Kein Aufschwung ohne starke Landwirtschaft

Vier von fünf Tansaniern leben von der Landwirtschaft. Sie macht aber nur rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Das Land hat grundsätzlich gute Voraussetzungen, den Agrarsektor als wirtschaftliches Rückgrat zu nutzen: viel fruchtbares Land, ergiebige Wasserressourcen und verschiedene, günstige Klimazonen. Doch die Agrarwirtschaft verzeichnet in den letzten Jahren nur ein verhältnismäßig schwaches Wachstum von circa 3,4 und zuletzt 2,3 Prozent. Nicht genug, um die jährlich um 3 Prozent wachsende Bevölkerung zu ernähren. 

Mais ist eines der wichtigsten Anbauprodukte in Tansania. Für den Eigenbedarf werden weiterhin Hirse, Reis, Weizen und Hülsenfrüchte produziert, sowie Maniok, Kartoffeln, Koch- und Obstbananen. Bei ausbleibendem oder unvorhersehbar starkem Niederschlag werden ganze Ernten vernichtet. Dann kämpfen vor allem die Kleinbauern um ihre Existenz, und regionalen Hungersnöte sind möglich. Auch die Abhängigkeit von Regen und die langsame technische Entwicklung der Landwirtschaft machen dem Sektor zu schaffen. Der Großteil der Anbauflächen wird von Familien zur Selbstversorgung bewirtschaftet, zumeist ohne moderne Gerätschaften. So können die Ackerbauern nur geringe Erträge einbringen. Für den Export werden vor allem Kaffee, Baumwolle, Tee, Tabak, Sisal, Gewürznelken und Cashewnüsse angebaut. 

 

Zu wenig für zu viele

Nachdem in den Jahren nach 1990 die staatlichen Landwirtschaftsunternehmen zusammenbrachen, siedelten sich zahlreiche Bauern auf den Arealen an. Nach zwei Jahrzehnten betrachten sie diese Flächen als ihren Besitz. Der tansanische Staat wiederum sieht sich als rechtmäßigen Eigentümer. Er bemüht sich um private Investoren aus dem In- und Ausland, die helfen sollen, die landwirtschaftliche Produktion zu modernisieren. So stehen sich die Parteien wegen unklarer Besitzverhältnisse als Landräuber und Landbesetzer gegenüber. Auch zwischen Bauern und Viehhaltern bestehen nicht enden wollende Landkonflikte. Die zum Teil sehr großen Herden ziehen von Ort zu Ort auf der Suche nach Weidemöglichkeiten. Werden diese in Trockenzeiten knapp, drängen sie auf der Suche nach Futter auch auf das bestellte Land der Ackerbauern. 

 

Tansania ist zwar verhältnismäßig dünn besiedelt, große Teile des Landes sind aber nicht für den Nahrungsmittelanbau geeignet: zu trocken, überschwemmt oder durch die Tsetsefliege verseucht. 40 Prozent der tansanischen Landfläche ist zudem als Schutzgebiet ausgewiesen. In den 16 Nationalparks dürfen die Tansanier nur sehr eingeschränkt jagen und anbauen. Laut Angaben der Regierung steht noch reichlich ungenutztes Land zur Verfügung. Doch die bereits bestehende Konkurrenz um Land hat zu Überweidung und Abholzung geführt. Die ausgelaugten Böden müssen sich dringend erholen. Wo ganze Ökosysteme zerstört werden, ist die Ernährungsgrundlage der Menschen und Tiere gefährdet. 

 

NAHRUNGSQUELLE VIKTORIASEE Wie in anderen afrikanischen Ländern auch, gehört ein Brei aus Maisstärkemehl (Ugali) zu den Grundnahrungsmitteln Tansanias. Reis ist ebenfalls sehr verbreitet. Dazu gibt es häufig Bohnen und Blattgemüse. Zu besonderen Anlässen wird Fleisch verzehrt. Fischerei spielt sowohl an der Küste als auch an den vielen Seen, insbesondere am Viktoriasee, eine große Rolle.

Tansanias Ziel: Semi-industrielle Landwirtschaft

Trotz der Probleme gibt es auch viele Fortschritte in Tansania. So stieg die Lebenserwartung seit dem Jahr 2000 um 8 Jahre und das Pro-Kopf-Einkommen um fast 60 Prozent. In ihrer „Vision 2025“ setzt sich die tansanische Regierung ehrgeizige nationale Entwicklungsziele. In den kommenden Jahren will sie die Lebensqualität der Bevölkerung deutlich verbessern. Die Tansanier sollen sich in einer wettbewerbsstarken Wirtschaft mit nachhaltigem Wachstum wiederfinden. Um die Ernährungssicherheit und bessere Einkommen zu gewährleisten, bemüht sich der Staat um einen modernisierten Agrarsektor. Durch Marktorientierung und Zugang zu modernen Anbaumethoden sowie durch eine professionelle Agrarberatung soll die Produktivität der Landwirtschaft erhöht werden. Gleichzeitig räumt die Regierung dem Umweltschutz eine hohe Bedeutung zu.

 

 

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