Südsudan

Südsudan ist das jüngste Land der Welt - und eines der ärmsten. Seit 2013 treibt ein Bürgerkrieg Millionen von Menschen in die Flucht.

 

Karte von Nigeria

Hauptstadt

Juba

Amtssprache

Englisch, Arabisch

Fläche

ca. 640.000 km²

Einwohnerzahl

ca. 12,5 Mio.

Bevölkerungswachstum

3,9 %

Ländliche Bevölkerung

81,2 %

Bruttoinlandsprodukt

10,6 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf-Jahreseinkommen

790 US-Dollar

 

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

Unzureichende Daten, Anlass zur erheblichen Besorgnis

 

Human Development Index

0,467 / Rang 181 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,25 pro Tag lebt

50,6 % (letzte Berechnung: 2009)

Jung und arm

Am 9. Juli 2011 stimmten 99 Prozent der südsudanesischen Bevölkerung für ein vom (Nord-)Sudan unabhängiges Land – und beendeten damit einen der längsten Bürgerkriege Afrikas. Doch die Ruhe war von kurzer Dauer: bereits 2013 brach erneut Krieg aus, diesmal streiten sich Angehörige des Präsidenten Salva Kiir und die Milizen seines ehemaligen Vize-Präsidenten Riek Machar um Macht und Ölvorkommen. Seither herrscht im Land eine der schlimmsten Hungersnöte seit Jahren.

Beinahe monatlich werden die Zahlen erschreckender: Fast fünf Millionen Menschen sind abhängig von Nahrungsmittelhilfen. Allein im nördlichen Bundesstaat Unity, unter dessen Boden die Erdölvorkommen schlummern,  standen im April 2017 laut UNO-Organisationen 100.000 Menschen unmittelbar vor dem Hungertod. 3,4 Millionen sind auf der Flucht, davon suchen 1,7 Millionen Schutz in den Nachbarländer, darunter Uganda, Sudan und Äthiopien.

 

Die gesamte Region Ostafrikas hat unter der anhaltenden Dürreperiode, mitverursacht durch das Wetterphänomen El Niño, gelitten. Sie sorgte in weiten Teilen der Bevölkerung für Ernteausfälle, allerdings mit sehr unterschiedlichen Folgen. Dort wo Krieg geführt wird und wo Staatlichkeit zusammengebrochen ist, führt die Dürre zu extremen Hungersnöten. UNO-Nothilfekoordinator Stephen O´Brien sprach unlängst von der „schlimmsten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“.

 

Öl, nicht nur als Öl

Südsudan ist das Land mit der weltweit größten Abhängigkeit von Erdöl. Ölförderung macht nahezu die Gesamtheit der Exporte und zurzeit mindestens 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Jenseits des Ölsektors ist die Existenzgrundlage der meisten Menschen kleinbäuerliche Subsistenzwirtschaft und Viehhaltung, etwa 95 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, 85 Prozent nur für ihren Eigenbedarf, also mit keinem oder sehr geringem Geldeinkommen.

 

80 Prozent der Einkommen werden für Essen ausgegeben. 

 

Der niedrige Erdölpreis, der Bürgerkrieg und die anhaltende Dürre treiben das Land immer tiefer in den wirtschaftlichen Ruin. Die Verschuldung der südsudanesischen Regierung soll bei ca. 4-5 Milliarden US-Dollar liegen. Die Inflation stieg letztes Jahr auf 300 Prozent an, laut Angaben der Welthungerhilfe mussten die Einwohner im Schnitt 80 Prozent ihres Geldes für Essen ausgeben.

 

Fruchtbares, gefährliches Land 

Es müsste der landwirtschaftliche Sektor ausgebaut werden – denn das Entwicklungspotenzial ist hoch: nur 4,5 Prozent des verfügbaren Bodens werden aktuell bewirtschaftet und das Land ist weiterhin abhängig von teuren Nahrungsmittelimporten. Dabei wäre der Südsudan reich an natürlichen Ressourcen. Neben Vorkommen von Öl, Gold, Silber, Zink, Diamanten oder Kupfer, hält es auch überwiegend fruchtbares Land bereit: Im Norden und Zentrum finden sich hauptsächlich Savanne sowie Trockenwälder. Die Ostsudanische Savanne und das Nord-Kongolesische Wald-Savanne-Mosaik gehören zu den vom WWF definierten 200 wichtigsten Ökoregionen der Welt. Unter normalen Bedingungen gedeihen auf den Feldern Produkte wie Maniok, Erdnüsse, Süßkartoffeln, Sorghum, Sesam, Mais, Reis, Hirse und Bohnen. Doch für viele ist es derzeit kaum mehr möglich, ihr Land zu bestellen. Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf Kleinbauern durch Rebellen oder Regierungstruppen, sodass die meisten aus Angst ihren Feldern fern bleiben.

 

Humanitäre Hilfe bleibt riskant

Aktuelle Daten zur Gesundheitsversorgung im Südsudan gibt es kaum, aber bereits vor Ausbruch des Bürgerkrieges war die Situation katastrophal. Damals kamen lediglich 1,5 ÄrztInnen und PflegerInnen auf 100.000 Personen. Der Minimalstandard laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sollte bei mindestens 250 liegen. Weiter hatten weniger als 50 Prozent der Bevölkerung Zugang zur medizinischen Versorgung. Und die Müttersterblichkeit galt als die höchste des ganzen Kontinents. Internationale Organisationen gehen davon aus, dass sich durch den erneuten Bürgerkrieg diese Werte weiter verschlechtert haben.

Vor der weiteren kriegerischen Zuspitzung gab es innovative Ansätze, um bäuerliche Wertschöpfung von Lebensmitteln in Nicht-Kriegsgebieten des Landes wieder anzukurbeln und die Überschüsse in die bedürftigen Regionen zu transferieren („Produced in South Sudan“, 2014). Für HelferInnen wird es allerdings immer schwieriger, die leidende Bevölkerung zu erreichen. Gemäss Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef werden Lieferungen durch die prekäre Sicherheitslage erschwert und zudem versperrt die Armee den Helfern oft den Zugang zu Betroffenen. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges Ende 2013 sind im Südsudan mindestens 80 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ums Leben gekommen. Zuletzt drei Mitarbeiter des World Food Programm (WFP) am 10. April 2017.

 

DIE KOSTBARE KUH Eine zentrale Rolle für viele Gesellschaften im Sudan spielen Kühe. So verstehen sich sowohl Dinka als auch Nuer, die beiden größten ethnischen Gemeinschaften, traditionell als Hirten, obwohl sie saisonal auch Ackerbau betreiben. Sowohl Männer als auch Frauen nehmen die Namen ihrer Lieblingskühe an und Kindern werden Namen gegeben, die auf besondere Eigenschaften von Kühen verweisen.

Politischer Wille fehlt

Angesichts der zerrütteten Lage sehen die Prognosen für die nahe Zukunft Südsudans düster aus. Dringend gebraucht werden langfristige Strategien zum Öl, doch dafür fehlt der politische Wille. Mitte Oktober 2016 stellte die südsudanesische Regierung ihren Haushaltsplan für die Jahre 2016/17 vor. Die Hälfte der 22,3 Milliarden Pfund werden für Sicherheitskräfte und das Militär ausgegeben, trotz des unterschriebenen Friedensabkommens und der katastrophalen wirtschaftlichen Situation. Derweil versuchen internationale Organisationen und NGOs das Schlimmste zu verhindern. Die Vereinten Nationen sind mit einer Vielzahl von Unterorganisationen im Land vertreten, die in den Bereichen humanitäre Hilfe, Grundversorgung, Sicherheit und Schutz der Zivilbevölkerung arbeiten. Die Europäische Union hat jüngst angekündigt, 78 Millionen Euro zur Bewältigung der Krise bereit zu stellen. Doch der Kreislauf von Hunger, Gewalt und Not wird ohne strukturelle Veränderungen kaum zu durchbrechen sein.

 

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