Südafrika

Südafrika hat enormes Potenzial: eine gute Infrastruktur, viele Bodenschätze, eine stabile Regierung. Doch das Land kämpft auch mehr als 20 Jahre später noch mit den Folgen der Apartheid.

 

Hauptstadt

Pretoria

Amtssprache

isiZuluisiXhosaAfrikaansEnglisch, sePedi, seTswana, seSothoxiTsongasiSwati, tshiVenda, isiNdebele

Fläche

1.219.090 km²

Einwohnerzahl

ca. 55 Mio.

Bevölkerungswachstum

1,59 %

Ländliche Bevölkerung

ca. 19,3 Mio. (35,2 % der Gesamtbevölkerung)

Bruttoinlandsprodukt

5,95 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

334,2 Mrd. US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

2,37%

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

mäßig (Wert: 11,8 / Trend: -4,5)

Anteil der Unterernährten in der Gesamtbevölkerung

5%

Human Development Index

Rang: 119 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,9 am Tag lebt

16,56%

Jahrzehntelang hat die Apartheidspolitik Südafrika geprägt. Erst 1994 setzte ein Wandel ein. Nelson Mandela wurde zum ersten schwarzen Präsidenten gewählt. Heute gilt das Land als Wirtschaftslokomotive Afrikas und ist nach Nigeria die zweitgrößte Volkswirtschaft des Kontinents. Es profitiert von einer starken Industrie sowie einer vergleichsweisen guten Infrastruktur. Zudem verfügt es über ein großes Vorkommen an Bodenschätzen wie Gold und Diamanten. Doch die Folgen der systematischen Rassentrennung sind noch immer zu spüren. Die sozialen Unterschiede sind groß. Vor allem die früher benachteiligte schwarze Bevölkerung leidet weiterhin unter Armut. Viele haben während des Apartheidregimes nur eine mangelhafte Bildung erhalten und sind besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Besonders seit der globalen Wirtschaftskrise 2008/2009. Das vormals starke Wirtschaftswachstum von teilweise über fünf Prozent ist eingebrochen und liegt inzwischen nur noch bei 1,2 Prozent. Etwa 25 Prozent der Südafrikaner in den Ballungszentren haben keinen Job, in ländlichen Gebieten sind es sogar 35 bis 40 Prozent.

 

Der Zugang zu Lebensmitteln hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, Doch noch immer sind fünf Prozent der Menschen unterernährt. Auch die extreme Kriminalität und eine hohe Zahl an HIV-Infektionen wirken entwicklungshemmend. Jeder fünfte Südafrikaner zwischen 15 und 49 Jahren ist infiziert.

 

Dürre bedroht Existenz der Kleinbauern

Die Landwirtschaft macht nur einen kleinen Teil am Bruttoinlandsprodukt aus, der Wert liegt bei unter drei Prozent. Etwa 4,5 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind im Agrarbereich tätig, dazu kommen schätzungsweise 1,3 Mio. Kleinbauern. Auf der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche werden hauptsächlich Mais, Soja, Weizen, Gerste, Kartoffeln, Früchte sowie Tabak angebaut. Als erstes Land auf dem Kontinent hat Südafrika den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen erlaubt. Vor allem Mais und damit eines der Grundnahrungsmittel ist davon betroffen. Das wird immer wieder von Nichtregierungsorganisationen kritisiert.

 

Südafrika ist der drittgrößte Exporteur von Zitrusfrüchten weltweit.

 

Ins Ausland gehen vor allem Obst und Gemüse. Südafrika ist der drittgrößte Exporteur von Zitrusfrüchten weltweit. Zunehmend an Bedeutung gewinnt außerdem südafrikanischer Wein. Im Jahr 2015 wurden mehr als 410 Mio. Liter exportiert, 19 Prozent davon nach Deutschland. Das Land liegt an siebter Stelle der weltweiten Weinproduktion.

 

Der Großteil des Landes lässt sich wegen der geringen Niederschläge und schlechter Bodenqualität nicht bewirtschaften, was insbesondere für die Versorgung der eigenen Bevölkerung problematisch ist. In den Jahren 2015 und 2016 kam es zu einer durch den Klimawandel und El Niño bedingten Dürre. Zehntausende Farmarbeiter verloren ihre Jobs, mehr als zwei Millionen Rinder verendeten. Um eine Hungerkatastrophe zu vermeiden, mussten mehrere Millionen Tonnen Mais importiert werden. Mit dem Ausfall der Ernte wurden vielen Kleinbauern ihre Lebensgrundlage entzogen. Verschärft wurden die Auswirkungen der Dürre auch dadurch, dass vielerorts Wasser verschwendet wird. Ein Großteil der Landwirtschaft ist auf Bewässerung angewiesen. Gleichzeitig versickern jedoch Millionen Liter der knappen Ressource aus undichten Leitungen.

 

Landreform geht kaum voran

Auch in der Landwirtschaft zeigen sich noch heute die Auswirkungen der Apartheid. Die begehrten, raren fruchtbaren Flächen befanden sich während dieser Jahre in den Händen der Weißen. Als Nelson Mandela 1994 antrat, besaßen 60.000 weiße Farmer mehr als 87 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Seine Regierungspartei African National Congress (ANC) versprach, den damals enteigneten, schwarzen Südafrikanern ihr Land zurückzugeben. Doch die Landreform kommt nur schleppend voran, die Verfahren sind oft kompliziert. Bis 2014 sollten eigentlich mindestens 25 Prozent der Agrarfläche zurückgegeben werden, 24,5 Mio. Hektar. Ein Ziel, von dem man bis heute weit entfernt ist. Bis Anfang 2016 wurden lediglich 8 Millionen Hektar übertragen. Hinzu kommt, dass Landflächen laut Regierung nach der Umverteilung oft nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden.

 

Lange galt das Prinzip „willing buyer – willing seller“. Das bedeutet: Wenn die Besitzer einverstanden waren, kaufte die Regierung ihnen das Land ab und verteilte es neu. Eine neue Regelung könnte in Zukunft dazu führen, dass der Staat weiße Farmbesitzer dazu zwingen kann, ihr Land zu verkaufen, was die Umverteilung beschleunigen würde.

 

BARBECUE AUF SÜDAFRIKANISCH Zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten gehört braai, die südafrikanische Variante des Barbecues. Es gehört zu den wenigen Wörtern, die in allen elf offiziellen Landessprachen verstanden werden. Auf dem Holzkohlegrill landen alle Sorten von Fleisch, meist Rind oder Lamm, aber auch mal Strauß oder Gnu. Jährlich am 24. September wird der „Braai Day“ – offiziell eigentlich der „Heritage Day“ – gefeiert.

Neue Häuser für die Armen

Eines der vorrangigen Ziele der Regierung ist die Bekämpfung der Armut, der sozialen Ungleichheit und hohen Arbeitslosigkeit. Noch immer haben viele Menschen keinen Zugang zu Wasser, sanitären Anlagen oder Strom. Ein umfangreiches Hausbauprogramm soll zur Armutsüberwindung beitragen, stößt aber auch immer wieder auf Kritik. Der Regierung wird unter anderem vorgeworfen staatliche Gelder für minderwertige Bausubstanz auszugeben und an den Bedürfnissen der späteren Bewohner vorbei zu planen. Weiteres Ziel ist es, die Stromerzeugung mit Wind- und Sonnenergie voranzutreiben. Momentan wird der Energiebedarf noch zu 93 Prozent mit heimischer Kohle gedeckt. Günstige Darlehen sollen Unternehmen fördern, die in erneuerbare Energien investieren.

 

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