Somalia

Die Landwirtschaft ist Somalias wichtigster Wirtschaftssektor. Dennoch ist das Land am Horn von Afrika der größte Empfänger von Nahrungsmittelhilfe weltweit. 

 

Karte von Nigeria

Hauptstadt

Mogadishu

Amtssprache

Somali, Arabisch

Fläche

637.657 km²

Einwohnerzahl

10,8 Mio.

Bevölkerungswachstum

1.92 %

Ländliche Bevölkerung

ca. 70 %

Bruttoinlandsprodukt

5,95 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

555,90 US-Dollar

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

unzureichende Daten, Anlass zur erheblichen Besorgnis

Human Development Index

0,514 / Rang 160 von 188

 

Somalia - ein gescheiterter Staat?

Somalia, bekannt als das Horn Afrikas, ragt am äußersten Ostzipfel des Kontinents keilförmig in den indischen Ozean und wird an seiner Nordseite vom Golf von Aden eingeschloßen. Flächenmäßig ist es etwa 1,8 Mal so groß wie Deutschland. Das Land galt lange als Inbegriff des gescheiterten Staates. Als nach dem Sturz des Diktators Siad Barreim im Jahr 1991 ein Bürgerkrieg ausbrach, gab es in Somalia mehr als zwanzig Jahre lang keine funktionierende Zentralregierung mehr. Erst 2012 wurde mit Hassan Sheikh Mohamud erstmals wieder ein Präsident gewählt, dessen Amtszeit im Februar 2017 vom früheren Regierungschef Mohamed Abdullahi Mohamed abgelöst wurde. Faktisch kontrolliert die Regierung jedoch nur einen kleinen Teil des Landes: Die Region Somaliland hat sich von Somalia losgesagt, Puntland und Jbaland im Norden funktionieren teilautonom, während der Süden von der radikal islamistischen al-Shabaab-Miliz kontrolliert wird.

 

Eines der gravierendsten Probleme neben der teilweise prekären Sicherheitslage war die Dürreperiode, in deren Verlauf ganz Ostafrika mit einer Hungersnot zu kämpfen hatte. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in Somalia 6,2 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen (Stand April 2017). Im Februar 2017 hat die Regierung den Notstand ausgerufen.

 

Existenz durch Viehsterben bedroht

Die Landwirtschaft ist Somalias wichtigster Wirtschaftssektor. Rund 70 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, die Mehrheit in der nomadischen Viehzucht, die vornehmlich aus Kamelen, Schafen und Ziegen besteht. Saisonal betreiben einige auch Ackerbau. Vor allem an den Ufern der Flüsse Djuba und Webi Shebeli sind die Böden für den Anbau von ertragreichen Kulturpflanzen wie Zucker, Mais oder Bananen geeignet. Wichtigste Stütze des Landes ist jedoch die Viehwirtschaft, die etwa 40 Prozent des Bruttoinlandproduktes und 65 Prozent der Exporteinnahmen einbringt. Andere Exportgüter sind Bananen, Datteln und Weihrauch. Doch für eine stabile Wirtschaft reicht das nicht, Somalia ist seit Jahrzehnten auf Nothilfe aus dem Ausland angewiesen und gilt als der größte Empfänger von Nahrungsmittelhilfe weltweit.

 

Somalia ist der größte Empfänger von Nahrungsmittelhilfe weltweit.

 

Mit der Dürre spitzte sich die Situation zu, viele Landstriche trockneten aus, und laut der Organisation Save the Children sind drei Viertel aller Nutztiere gestorben. Die jüngste Ernte hat sich um 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr reduziert. Durch steigende Wasser- und Lebensmittelkosten und gleichzeitig fallende Preise für Vieh verschärfte sich die Lage weiter. Krankheiten wie Lungenentzündung, Hautkrankheiten, Diarrhöe oder Typhus brechen aus, erst Anfang März 2017 sind fast 70 Menschen an Cholera gestorben. Vor allem Kinder und alte Menschen sind betroffen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mindestens 360.000 Kinder sind in Somalia akut mangelernährt, rund 70.000 davon schweben in Lebensgefahr. UN-Generalsekretär António Guterres warnte jüngst vor einer Situation wie 2011, als 250.000 Somalier als Folge einer Dürre verhungerten.

 

Das korrupteste Land der Welt

Die katastrophale Lage führt zu einer hohen Fluchtbewegung. Bei den häufigsten Herkunftsländern von Flüchtlingen belegt Somalia den dritten Platz, direkt hinter Syrien und Afghanistan. Im Jahr 2016 suchten etwa 1,1 Millionen Menschen Zuflucht in umliegenden Ländern wie Kenia, Äthiopien, Uganda oder dem Jemen, mindestens genauso viele gelten als intern Vertriebene. Die meisten davon leben in der Hauptstadt Mogadischu unter unwürdigen Bedingungen. Eine direkte Folge ist eine hohe Arbeitslosenquote, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 67 Prozent. Die Jugendlichen werden daher besonders häufig Opfer der Rekrutierung extremistischer Gruppierungen.

Die Gesellschaft der Somali ist in Clans gegliedert, denen jeder Somali über seine väterliche Abstammungslinie angehört. Diese Clan-Struktur führte besonders in den Zeiten ohne Zentralstaat zu gewaltsamen Machtkämpfen und ist laut Experten mitverantwortlich für die politische Instabilität und die hohe Korruption im Land. So belegte Somalia beim Korruptionswahrnehmungsindex im letzten Jahr den letzten Platz.

 

AM MITTAG SOLLST DU SATT SEIN Das Mittagessen,Qado genannt, ist die wichtigste Mahlzeit in Somalia. Wo es die ärmlichen Verhältnisse zulassen wird hier aufgetischt, was die Küche hergibt. Reisgerichte, Baaris genannt, gewürzt mit Kreuzkümmel, Kardamom, Gewürznelken, Zimt und Salbei sind sehr beliebt bei den Somalis. Im Süden ist Iskudhexkaris (Gemischter Reis mit Gemüse) ein beliebtes Mittagessen. Außerdem gibt es zahlreiche Eintopfgerichte mit dem Namen Maraq.

Hilfe kommt nur zögerlich

An Herausforderungen mangelt es dem neuen Präsidenten Mohamed Abdullahi Mohamed nicht. Die Staatskasse ist leer, das Land hoch verschuldet und Korruption weit verbreitet. Die Kernaufgaben der Regierung bleiben die gleichen wie seit Jahrzehnten: vorantreiben der Sicherheitsreform, Versöhnung, Institutionenaufbau, Verfassungsreform und Demokratisierung. In der aktuellen Notsituation ist es jedoch schwierig, diese Aufgaben angemessen anzugehen. Somalia ist dringend auf internationale Hilfe angewiesen, die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen kalkulieren den Bedarf auf 800 Millionen Euro. Doch das Geld fliesst nur zögerlich, bislang sind erst zwei Fünftel zugesagt.

 

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