Pakistan

Pakistan erzeugt genügend Lebensmittel für den Eigenbedarf. Wegen Ernteausfällen durch Überschwemmungen und Dürren sowie steigenden Lebensmittelpreisen sind Hunger und Unterernährung dennoch weiterhin verbreitet.

 

 

Karte von Pakistan

Hauptstadt

Islamabad

Amtssprache

Urdu, Englisch

Fläche

796.095 qkm

Einwohnerzahl

ca. 193,2 Mio. (ohne Kaschmir)

Bevölkerungswachstum

2,0 %

Ländliche Bevölkerung

60 % der Gesamtbevölkerung

Bruttoinlandsprodukt

283,66 Milliarden US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

1.510 US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

25,2 %

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

32,6 (ernst), Trend: + 0,8

Human Development Index

Index: 0,550 / Rang: 147 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag lebt

6,1 %

 

Vom Himalaya zum Arabischen Meer

Pakistan liegt zwischen Afghanistan und Indien. Im gebirgigen Norden grenzt das südasiatische Land an China und im Südwesten an den Iran und das Arabische Meer. Nach Indonesien ist Pakistan der mit fast 200 Millionen Einwohnern der zweitgrößte islamische Staat der Welt. Die Geografie, die Kultur und die Gesellschaft sind vielfältig – Einflüsse aus der indischen, der persischen und aus verschiedenen Stammeskulturen prägen den Alltag des Landes.

 

Die Landwirtschaft hat in Pakistan eine lange Tradition: Weizen und Baumwolle, zwei der wichtigsten Anbauprodukte, schmücken das Wappen. Auch Reis, Zuckerrohr, Hülsenfrüchte und verschiedene Obstsorten wachsen vor allem auf den Ebenen des Flusses Indus, der sich als Lebensader durch die Mitte des sonst kargen Landes zieht. Das durch Gletscher gespeiste Flussnetz ist die Grundlage für das größte, zusammenhängende Bewässerungssystem der Welt. Es versorgt den Großteil der Anbaugebiete mit Wasser und damit rund 60 Prozent der Bevölkerung, deren Leben direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängt.

 

Obwohl sich Pakistan selbstständig mit Nahrungsmitteln versorgen kann, sind Familien und vor allem Frauen und Kleinkinder in den ländlichen Gegenden vielfach unterernährt.

 

Hoffnung und Zerstörung an den Ufern des Indus

Pakistan teilt sich in vier Provinzen, die sehr unterschiedlich fruchtbar und daher verschieden dicht besiedelt sind. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt im nordöstlichen Punjab, ein weiteres Viertel im südöstlichen Sindh und der Rest verteilt sich im Norden und in den westlichen Wüstenregionen. Das wichtigste landwirtschaftliche Exportprodukt ist Baumwolle, gefolgt von Basmati-Reis, der vor allem in Europa sehr beliebt ist. Obwohl sich Pakistan selbstständig mit Nahrungsmitteln versorgen kann, sind Familien und vor allem Frauen und Kleinkinder in den ländlichen Gegenden vielfach unterernährt. Ursache dafür sind steigende Lebensmittelpreise und Wetterkatastrophen wie landesweite Überschwemmungen und regionale Dürren.

 

In den 60er Jahren galt Pakistan als „Asian Tiger" und wurde in einem Atemzug mit Malaysia und Thailand genannt. Eine solide wirtschaftliche Entwicklung wird jedoch durch verschiedene politische Konflikte verhindert: unter anderem den Kaschmir-Konflikt mit Indien, Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten und den Unabhängigkeitsbestrebungen der Provinzen Belutschistan und Waziristan. Trotz seines Reichtums an Rohstoffen wie Mineralien, Erdöl und Erdgas, geriet das Land vor einem Jahrzehnt aufgrund von Misswirtschaft und Korruption in eine Energiekrise, die bis heute anhält. Auch wenn sich die Anbaufläche vergrößert hat, ist die Produktivität auf vielen Äckern gesunken. Durch unkontrollierte Bewässerung versalzen und versumpfen die Böden. Viele Bauern müssen ihr Land zudem von Feudalherren pachten und dafür einen Teil ihrer Ernte abgeben. Wenn extreme Wetterereignisse ihre Ernte vernichten, müssen sie sich verschulden. Dies führt zu einer starken Landflucht, so dass derzeit ein Drittel der Pakistaner in zunehmend überfüllten Städten lebt.

 

Große Vielfalt, große Unterschiede

Auch kulinarisch gesehen ist Pakistan vielfältig. Zahlreiche Gerichte erinnern an die indische Küche, wobei generell mehr Fleisch auf den Tisch kommt. Hammel, Huhn und Lamm werden zu Curry zubereitet oder als Kebab am Spieß gegrillt. Ein vegetarischer Klassiker sind als Dal zubereitete Linsen. Dazu gibt es Reis oder Brot wie beispielsweise die typischen Fladenbrote Naan und Chapati. Alle Grundnahrungsmittel werden im Land selbst angebaut und das Fleisch stammt aus der eigenen Weidewirtschaft. Auch die Milchproduktion und -verarbeitung ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. In der Regel liefern kleinere Familienbetriebe die Milch an Sammelstellen und Fabriken.

 

Obwohl das Kastensystem in Pakistan abgeschafft wurde, gibt es große soziale Unterschiede in der Bevölkerung – nicht nur zwischen Land und Stadt, sondern auch zwischen den Geschlechtern. Als Bäuerinnen genießen Frauen einen etwas besseren Stand: Sie arbeiten auf dem Feld und tragen zum Einkommen bei. Wo die Männer in die Städte ziehen, bleiben sie oft zurück und versorgen die Kinder. Im Kampf gegen den Hunger könnte ihnen künftig eine tragende Rolle zukommen: Laut des globalen Klima-Risiko-Index steht Pakistan auf Platz 7 der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder. Wenn die Bäuerinnen aktiv am Umweltschutz teilnehmen und lernen, wie sie sich wirtschaftlich gegen abschmelzende Gletscher, Dürreperioden und außergewöhnlich starken Monsunregen wappnen, profitieren sie ebenso wie das ganze Land.

 

DIE KRAFT DER APRIKOSE Was ist die Zutat für ein langes Leben? Die Mitglieder des in Pakistan lebenden Stamms der Hunza scheinen es herausgefunden zu haben, denn sie werden bis zu 120 Jahre alt. Sie bauen alles selbst an und nehmen täglich zwei Mahlzeiten aus rohen Früchten, Gemüse, Nüssen und Milchprodukten zu sich. Besonders beliebt sind Aprikosen: Jeden Tag stehen entweder die Früchte, die Kerne oder der Saft auf dem Speiseplan.

 

Schäden beseitigen und Katastrophen vorbeugen

Die Regierung Pakistans bemüht sich um mehr Stabilität, um sich auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes konzentrieren zu können. Mithilfe eines Abkommens mit der Europäischen Union exportieren pakistanische Unternehmen ihre Waren leichter in die EU; im Gegenzug verpflichtet sie sich, Arbeitsnormen, Umweltschutzvorgaben und Menschenrechte einzuhalten. Pakistan ist noch immer damit beschäftigt, die Schäden der größten Überschwemmung von 2010 zu beseitigen. Diese betrafen ein Zehntel der Bevölkerung und warfen das Land in seiner Entwicklung weit zurück. Zu den 2,5 Millionen afghanischen Flüchtlingen kamen zehntausende Binnenflüchtlinge hinzu, die versorgt werden müssen. Parallel gilt es, die knappen natürlichen Rohstoffe zu schützen und weiteren Katastrophen vorzubeugen. Dazu gehört es, eine nationale Strategie für den Umgang mit dem Klimawandel zu entwickeln und die vorhandenen Ressourcen effizienter zu nutzen.

 

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