Namibia

Mit gerechter verteiltem Agrarland, gezielterer Bewässerung und mehr Wertschöpfung bei der Fisch- und Fleischproduktion könnte Namibia sein begrenztes landwirtschaftliches Potenzial besser nutzen.

 

 

Karte von Namibia

Hauptstadt

Windhoek

Amtssprache

Englisch

Fläche

824.290 km²

Einwohnerzahl

2,5 Millionen

Bevölkerungswachstum

2,2 %

Ländliche Bevölkerung

45,3 % der Gesamtbevölkerung

Bruttoinlandsprodukt

10,3 Milliarden US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

Ca. 4.140,5 US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

6,7 % (Stand: 2015)

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

ernst (Wert: 25,7) 31,4, Trend: - 5,7

Human Development Index

Index: 0,586 / Rang: 125 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag lebt

22,6 %

 

Eine der jüngsten Nationen der Welt

Mit gerade mal 2,5 Millionen Einwohnern ist Namibia nach der Mongolei das am dünnsten besiedelte Land der Welt. Zwei Drittel Namibias werden von den Wüsten Kalahari und Namib geprägt. Von der Namib-Wüste leitet sich der Name der jungen Republik ab. Erst deutsche Kolonie, dann unter südafrikanischer Verwaltung erlangt das Land nach über 100-jähriger Fremdbestimmung erst am 21. März 1990 seine Unabhängigkeit. Seit der Unabhängigkeit regiert die ehemalige Befreiungsbewegung SWAPO mit hoher Mehrheit und das Land ist politisch stabil. Wirtschaftlich stand Namibia schon Mitte der 90er Jahre besser da als andere afrikanische Länder: praktisch schuldenfrei und mit einem vierfach höheren Pro-Kopf-Einkommen als der Durchschnitt in Subsahara-Afrika. Obwohl es inzwischen zu den Ländern mittleren Einkommens zählt, stellt Armut und Mangelernährung als Folge von extrem ungleich verteiltem Land, Einkommen und Wohlstand immer noch ein Problem dar. Rund 23 Prozent der Namibier leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Arbeitslosenquote liegt bei circa 28 Prozent.

 

Landwirtschaft trotz Wüstenklima

Aufgrund des trockenen Klimas ist Regenfeldbau nur im niederschlagsreicherem Norden möglich, vor allem im „Mais-Dreieck" zwischen den Städten Tsumeb, Grootfontein und Otavi. Bewässerungslandwirtschaft findet nur an wenigen Grenzflüssen und Dämmen statt. Wo ausreichend Wasser vorhanden ist bauen Kleinbauern Hirse, Weizen, sowie Gemüse und Obst für den Eigenbedarf an. Den nationalen Bedarf an Grundnahrungsmitteln wie Mais oder Gemüse kann Namibia bei dürrebedingten Ernteausfällen aber nur zum Teil decken – 2016 etwa zur Hälfte. Hundertausende von Tonnen Lebensmitteln muss es jährlich teuer importieren. Viele einkommensschwache Namibier haben keinen Zugang zu Land. Nahezu 30 Prozent der Bevölkerung ist von der Nahrungsmittelunsicherheit betroffen.

 

„Wir produzieren, was wir nicht konsumieren und wir konsumieren, was wir nicht produzieren!"

 

Die bisher einzige nennenswerte Ausnahme für marktorientierte Bewässerungslandwirtschaft ist der Anbau von Tafeltrauben entlang des Oranjes, dem Grenzfluss zu Südafrika. Die Trauben sind von hoher Qualität und dann reif, wenn woanders keine Prämiumtrauben-Ernte stattfindet. Daher lässt sich das Exportprodukt international gut vermarkten.

 

Um die Erträge zu steigern und den Importbedarf an wichtigen Nahrungsmitteln zu senken, versucht der Staat sein Bewässerungspotenzial auszubauen. Ein wichtiges Vorhaben ist der Bau des Neckartal-Damms im Süden des Landes. Rund 5.000 Hektar bewässerter Anbaufläche sollen durch die Aufstauung des Fish-Rivers in den kommenden Jahren entstehen. Auch mit Vertragslandbau – so genannten „Green Schemes" –, bei dem Kleinbauern auf Großfarmen angesiedelt werden, will die Regierung die Ernährungssouveränität und -sicherheit des Landes verbessern.

 

Wenig Wertschöpfung in Viehzucht und Fischfang

Besser als für den Ackerbau eignet sich das Land zur extensiven Weidewirtschaft. Daher bildet die Viehzucht in Zentralnamibia das Rückgrat der namibischen Landwirtschaft. Die Viehzuchtbetriebe züchten hauptsächlich Rinder, Schafe und Ziegen. Einige haben sich auf die Straußenzucht spezialisiert. Die Viehzucht dient sowohl der Eigenversorgung – Überschüsse werden lokal und regional vermarktet –, als auch dem Export. Kommerziell ausgerichtete Ranches produzieren sehr hochwertiges Rind- und Schafsfleisch für den Weltmarkt. Abnehmer sind Südafrika und Norwegen, neuerdings auch China, Hongkong und die USA. Aufgrund mangelnder Mastanlagen und Futtermittel werden die Tiere teils lebend exportiert, insbesondere zu südafrikanischen Mastbetrieben und Schlachthäusern.

 

Auch der Fischfang ist ein wichtiges Standbein der namibischen Nahrungsmittelindustrie: das Land verfügt mit dem Benguela Meeresstrom über reichhaltige Fanggründe und gehört zu den Top Ten-Fischfangnationen weltweit. Es exportiert etwa 90 Prozent des gefangenen Fischs, in EU-Länder wie Spanien. Jedoch erfolgt wie bei der Fleischproduktion ein großer Teil der Wertschöpfung nicht im Lande. Auch vergibt Namibia Fanglizenzen an ausländische Firmen, die den Fisch an Bord oder in der Heimat weiterverarbeiten.

 

Zukünftig will Namibia die Wertschöpfung in der Fisch- und Fleischindustrie stärken. So können die modernen Metzgerei- und Fischereibetriebe ihre Produktpaletten erweitern und Fleischkonserven oder Fertiggerichte mit passende Soßen produzieren. Dadurch können dringend benötigte Arbeitsplätze für Geringqualifizierte entstehen.

 

NICHT BARBECUE, SONDERN BRAAI! Die namibische Küche ähnelt stark der südafrikanischen. So ist auch beiden Ländern eine Vorliebe für gegrilltes Fleisch gemein. Beim „Bring & Braai" wird zum Grillabend in geselliger Runde eingeladen. Der Gastgeber stellt Beilagen und Getränke und die Gäste bringen ihr eigenes Grillgut mit. Fleisch ist in Namibia relativ günstig und von hoher Qualität.

 

Namibias Null Hunger-Ziel

In ihrer „Zero Hunger-Road Map" sieht die Regierung eine Reihe von Maßnahmen vor, die zur Ernährungssicherung beitragen sollen: so möchte die Regierung mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen schaffen. Sie will Strategien entwerfen, die zur Umverteilung von Einkommen führen. Wie bereits erwähnt, hat die Regierung vor, Bewässerungsvorhaben auszubauen. Auch gilt es, laut Plan, die Widerstandfähigkeit von Kleinbauern gegen klimabedingte Ernteausfälle zu erhöhen und Absatzmärkte für ihre Erzeugnisse zu schaffen. Durch fachliche Berufsbildung soll der Grad der Qualifizierung verbessert werden. Auch sieht die Regierung stärkere soziale Sicherheitsnetze vor. Insbesondere Frauen möchte sie mehr Zugang zu Land verschaffen.

 

Zurück zur Übersicht