Malawi

Mais ist das wichtigste Lebensmittel – aber die Menschen brauchen mehr als Kohlenhydrate.

 

Karte von Togo

Hauptstadt

Lilongwe

Amtssprachen

Englisch und Chichewa

Fläche

118.480 qkm

Einwohnerzahl

ca. 17 Mio.

Bevölkerungswachstum

3,1 % (533.675 mehr Einwohner pro Jahr)

Ländliche Bevölkerung

14,4 Mio. (83,7 % der Gesamtbevölkerung)

Bruttoinlandprodukt

6,6 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf-Jahreseinkommen

381 US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

29,3 %

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

ernst (Wert: 26,9 / Trend: -4,9)

Anteil der Unterernährten in der Gesamtbevölkerung

20,7 %

Human Development Index

Index: 0,445 / Rang: 173 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag lebt

72,2 %

Armes Agrarland

Malawi trägt den Ehrentitel „warmes Herz Afrikas“: Obwohl schwere ethnische Konflikte oder Bürgerkriege bisher ausblieben, zählt Malawi traditionell zu den ärmsten Ländern der Welt. Auf dem Human Development Index der Vereinten Nationen rangiert das Land auf Platz 173 von 188 untersuchten Staaten. Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 6,6 Milliarden US-Dollar verfügt ein Malawier im Durchschnitt nur über 380 US-Dollar im Jahr. 

 

Mehr als 90 Prozent der circa 17 Millionen Einwohner Malawis sind direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig, die etwa 29 Prozent des BIP ausmacht. 84 Prozent der Bevölkerung lebt in ländlichen und kleinbäuerlichen Strukturen. Einer Bauernfamilie steht meist nicht mehr als ein Hektar Land zu Verfügung, das sie im Regenfeldbau und mit Wassereimer und Hacke für den Eigenverbrauch bewirtschaftet. Bewässerungspumpen oder ochsenbespannte Pflüge sind noch wenig verbreitet. Häufig kommt es durch magere Ernten zu Nahrungsmittelengpässen, die die Regierung und Entwicklungsorganisationen mit Nothilfe einzugrenzen versuchen. Ein Fünftel der Bevölkerung ist unterernährt und insbesondere Kinder unter fünf Jahren sind von Mangelernährung betroffen. Das hohe Bevölkerungswachstum, der niedrige Bildungstand sowie die hohe Infektionsrate mit HIV/Aids machen die Ernährungssicherheit Malawis zunehmend zu einer Herausforderung.

 

Anbau- und Essgewohnheiten

Die wichtigsten Anbauprodukte in Malawi sind Mais, Tabak, Tee und Zucker. Mais wird vor allem für den Eigenverbrauch kultiviert. Nur bei größerem Überschuss wird das Grundnahrungsmittel auf dem Markt verkauft oder gar in Nachbarländer wie Simbabwe exportiert. Aus dem Mais stellen die Malawier traditionell einen Brei namens nsima her, der zwar sättigt und Energie liefert, aber nicht besonders nahrhaft ist. Sehr vielen Menschen mangelt es an einer Vielfalt an Lebensmitteln, um auch Mikronährstoffe und Vitamine aufzunehmen, die im Mais nicht enthalten sind. Allerdings werden auch Maniok, Erdnüsse, Soja, Kartoffeln und vereinzelt Reis angebaut. Im Gemüseanbau überwiegen Kürbis, Okra, Moringa, Weißkohl, Chinakohl, Tomaten, Zwiebeln und verschiedene Bohnensorten. Ein Teil des geernteten Gemüses dient dem eigenen Verzehr, ein Teil wird auf dem Markt verkauft. Fleisch und Fisch können sich nur wenige leisten. Viele Kleinbauern halten zwar Ziegen und anderes Vieh, dieses dient aber vor allem als Kapitalanlage für harte Zeiten. Der Malawi-See, der das Land vom Norden bis zur Zentralregion durchzieht, gilt als überfischt.

 

Malawis Monokulturen

Hauptexportprodukt des Landes ist Tabak, der über die Hälfte der Exporterlöse ausmacht. Weitere „cash crops“ sind Baumwolle, Tee, Kaffee, Gewürze und Zucker. Zwar bringen diese Exportgüter den Kleinbauern ein Einkommen, sie machen sie jedoch abhängig von den Schwankungen der Weltmarktpreise. In den letzten Jahren ging die Nachfrage nach Tabak auf dem Weltmarkt zurück und viele Kleinbauern blieben auf ihrer Ware sitzen.

 

Wo Tabak und Mais das Feld dominieren, bleibt kaum Platz für andere Kulturen

 

Dort wo Tabak und Mais das Feld dominieren, bleibt kaum Platz für andere Kulturen. Die Mangelernährung beginnt auf dem Feld. Auch sind die Böden durch einseitige Bewirtschaftung ausgelaugt. Um mehr Ackerfläche und Brennholz zu gewinnen, wurden große Teile des Waldes abgeholzt. So schwemmen die Böden bei starkem Regen leicht aus. Zunehmend unfruchtbar, haben sie den Dürren nichts entgegen zu setzen. Viele heimische Wurzeln, Früchte und Heilpflanzen gingen inzwischen verloren.

 

MAIS ALS WÄHRUNG Es ist für die malawischen Bauern üblich, ein paar Säcke Mais als Notgroschen einzulagern. Wenn Ernten knapp ausfallen, sichern sie die Ernährung der Familie. Tagelöhner werden mit Mais ausbezahlt und Mais gegen andere Güter gehandelt. Für Anschaffungen wie Saatgut und Dünger, eine Maismühle, Salz, Öl, Kleidung und Haushaltswaren wie Seife benötigen die Bauern jedoch bares Geld. Auch Schulgebühren, medizinische Versorgung, Transportkosten, Hausbau- und Hausreparaturen strapazieren die mehrheitlich einkommensschwachen Haushalte. In Zukunft wird es darauf ankommen, eine allzu Mais-zentrierte Agrar-Wirtschaft zu diversifizieren – und höhere Einkommen zu ermöglichen.

Malawis Ziel: Ernährungssicherheit

Die malawische Regierung macht sich für eine diversifizierte Landwirtschaft und eine weiterverarbeitende Industrie stark. Beispielweise können Ölsaaten wie Sonnenblumen im Land zu Speiseöl verarbeitet werden. Daneben spielt eine zentrale Rolle, die Ernährungsvielfalt zu erhöhen, also neben dem Energielieferanten Mais die Verfügbarkeit und Zugang zu anderen Lebensmittelgruppen wie Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Fleisch zu erhöhen und Ernährungsgewohnheiten zu ändern.  Ein Mischanbau mit verschiedenen Ölsaaten und Gemüsesorten ist daher wichtig, damit sich die Böden erholen, aber auch, damit die Menschen sich ausgewogener ernähren können.

 

 

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