Lesotho

Wenig nutzbare Landflächen, geringe eigene Wirtschaftsleistung, hohe HIV-Rate. Das kleine Lesotho hat mit großen Herausforderungen zu kämpfen.

 

Karte von Nigeria

Hauptstadt

Maseru

Amtssprache

Sesotho und Englisch

Fläche

30.344 km²

Einwohnerzahl

2,1 Mio

Bevölkerungswachstum

0,3 %

Ländliche Bevölkerung

80%

Bruttoinlandsprodukt

1,9 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

1.264 US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

5,7 % 

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

ernst (Wert: 22,7, Trend -5,3)

Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung

11,3 %

Human Development Index

0,514 / Rang 160 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag lebt

61,9%

Man könnte es auf der Landkarte glatt übersehen, Lesotho, ein kleines Land inmitten Südafrikas. Mit einer Fläche von 30.344 Quadratkilometern ist es nur wenig größer als das Bundesland Brandenburg und zählte zuletzt 2,1 Millionen Einwohner. Durch seine bergige Landschaft erreicht es eine Durchschnittshöhe von 2.000 Metern über dem Meeresspiegel. Daher rührt auch das für den Kontinent Afrika seltene alpine Klima mit vier Jahreszeiten und extremen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter.

 

Seit der Unabhängigkeit 1966 ist die demokratische Monarchie von politischen Spannungen geprägt , die 2014 in einen versuchten Militärputsch mündeten und für eine immer wiederkehrende instabile Lage sorgen. Das Wirtschaftssystem ist eingebunden in das der Südafrikanischen Republik und importiert rund 70 Prozent seiner Nahrungsmittel von dem großen Nachbarn. Denn aufgrund seiner bergigen Lage sind nur rund 10 Prozent der Flächen landwirtschaftlich nutzbar. Gleichzeitig leben jedoch 80 Prozent der Bevölkerung auf dem Land, die meisten davon betreiben Subsistenzwirtschaft. Erst kürzlich hat das Wetterphänomen El Niño das Land wieder in eine der schlimmsten Dürren der Geschichte gestürzt. 2016 hat die Regierung den Notstand ausgerufen, eine halbe Million Menschen war von Nahrungsmittelknappheit betroffen. So bleibt das „Königreich im Himmel“, wie Lesotho wegen seiner hohen Lage auch genannt wird, eines der ärmsten Länder der Welt.

 

Kleines, abhängiges Lesotho

Landwirtschaft in Lesotho ist ein pickelhartes Geschäft. Drei Viertel des Landes bestehen aus Gebirgsregionen, in denen zum großen Teil nur Weidewirtschaft betrieben werden kann. Eine nicht angepasste Wirtschaftsweise führt auf den knappen Nutzflächen zu Überweidung und Überackerung, eine Folge davon ist Bodenerosion. Nach Schätzungen eines Länderberichts der Bertelsmann Stiftung gehen jährlich 40 Millionen Tonnen fruchtbarer Boden verloren.

Das Wetterphänomen El Niño hat die Lage in Lesotho, wie auch in den anderen Ländern in Sub-Sahara-Afrika, zusätzlich verschärft. Nachdem die Regierung letztes Jahr den Notstand ausgerufen hatte, konnte es sich mittlerweile durch humanitäre Hilfe etwas erholen. Noch immer sind mehr als eine halbe Million Menschen auf fremde Hilfe angewiesen, vor allem im Bereich der Nahrungsmittelversorgung. Linderung verspricht die normalerweise im März beginnende Regenzeit.

 

HIV-Hotspot

Die ohnehin ungenügende gesundheitliche Situation hat sich durch diese Katastrophe noch verschlechtert. Die Zahl der Unterernährten hat sich vor allem bei den Schwangeren und Stillenden erhöht und die Säuglingssterblichkeit stieg markant an. Eines der größten Probleme des Landes stellt HIV dar. Lesotho weist weltweit die zweithöchste Infektions-Rate auf, fast jeder vierte ist betroffen. Doch das Land hat weder die Finanzmittel noch die notwendige Infrastruktur, um ein funktionierendes Gesundheitssystem für die Mehrheit der Bewohner bereitzustellen. Etwa 25 Prozent der Gesundheitsausgaben werden durch Geberorganisationen getragen.

 

90 Prozent aller Warten importiert das Land aus Südafrika. 

 

Durch die geografische Lage und die geringe eigene Wirtschaftsleistung ist Lesotho ein sehr abhängiges Land. Mindestens 90 Prozent aller Waren importiert es von Südafrika und noch immer beziehen viele Einwohner ihr Einkommen durch Arbeitsmigration in südafrikanischen Minen oder Haushalten, wenn auch weniger als noch unter dem Apartheid-Regime. Ein großer Teil der Bevölkerung ist außerdem in der Textilbranche tätig, neben dem Staat Lesothos größter Arbeitgeber.

 

Die wertvollste Ressource von Lesotho, Wasser, exportiert das Land größtenteils nach Südafrika. Bereits seit Mitte der 80er Jahre ist das sogenannte Highland Water Project in Betrieb, das den Bau von fünf Talsperren umfasst, von denen bereits zwei fertig gestellt wurden. Dort werden die Wassermassen von den schmelzenden Gletschern gesammelt und nach Südafrika exportiert. Ein nicht unumstrittenes Projekt. Durch den Bau wurden tausende Einwohner vertrieben und sind nur unzureichend entschädigt wurden. Selbst die Weltbank, die das Projekt finanzierte, äußerte Kritik: Das Gelde sei nicht wie geplant in Armutsbekämpfung investiert worden. Gerade in den „Lowlands“, wo zwei Drittel der Bevölkerung lebt, haben viele keinen Zugang zu verbesserter Wasserversorgung.

 

DER (BIER)FAHNE NACH In Lesotho zeigen bunte Fahnen in den Dörfern an, dass hier selbst gebrautes Bier oder selbst zubereitetes Essen verkauft wird: Weiß steht für Sorghumbier, gelb für Ingwersorghumbier, grün für Gemüse und rot für Fleisch. Dabei ist Mealie pap (Maisbrei) das am häufigste gegessene Gericht. Es wird meist mit Erdnusssaucen oder Bohnen serviert.

Lesothos Herausforderungen

Laut Alexander Erich, Programmleiter der GIZ in Lesotho, hat das Land vor allem mit drei großen Herausforderungen zu kämpfen: Hunger, HIV/Aids und Arbeitslosigkeit. Letztere liegt laut einem Bericht der Internationalen Arbeiterorganisation ILO bei etwa 25 Prozent. Nachdem die Erreichung der Millenium-Entwicklungsziele eher nüchtern ausfiel, will die Regierung diese Herausforderung nun mit dem National Strategic Development Plan (NSDP) von 2012 angehen. Darin strebt sie unter anderem ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum von fünf Prozent an, das 47.000 neue Arbeitsplätze schaffen soll. Verschiedene Initiativen sollen außerdem die nachhaltige Ressourcennutzung vorantreiben, vor allem was Wasser und Boden betrifft. Sie hat gerade im Anbetracht der aktuellen Katastrophen oberste Priorität.

 

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