Kongo

Fruchtbare Böden, wertvolle Bodenschätze, artenreiche Wälder – die Demokratische Republik Kongo hat viel zu bieten. Nur die Bevölkerung spürt nichts von diesem Reichtum.

 

Afghanistan

Hauptstadt

Kinshasa

Amtssprache

Französisch

Fläche

2.345.000 km²

Einwohnerzahl

ca. 77,8 Mio. 

Bevölkerungswachstum

2,58%

Ländliche Bevölkerung

ca. 60%

Bruttoinlandsprodukt

39,8 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

ca. 473 Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

ca. 30%

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

unzureichende Daten, Anlass zu erheblichen Besorgnis

Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung

1,8 %

Human Development Index

0,435 - Rang 176 von 188

Anteil der Bevölkerung, die von weniger als 2 Dollar pro Tag lebt

87,7 %

Der Kongo kämpft noch immer

Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo), „im Herzen Afrikas“ gelegen, ist der zweitgrößte Staat des Kontinents und verfügt über zahlreiche Naturreichtümer. Dennoch gilt er als einer der ärmsten der Welt, bis heute kommt das kriegsgeplagte Land nicht zur Ruhe. Seit 1885 war das Gebiet kolonialer Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II. (1835–1909). Er errichtete ein völkermordendes Regime, das als eine der korruptesten Diktaturen Afrikas in die Geschichte einging. Ende der 1950er Jahre wurde der Widerstand gegen das Kolonialsystem immer stärker. Belgien entließ das Land schließlich 1960 völlig unvorbereitet in die Unabhängigkeit. Seither befindet sich der Staat faktisch in einem permanenten Krieg um Macht und Ressourcen, die in den sogenannten afrikanischen Weltkriegen mündeten (Kongokriege I-III).

 

Bis heute sind die staatlichen Strukturen geschwächt. In den Städten fehlt es an Arbeitsplätzen, Nahrungsmitteln, Wasser und der elementarsten sanitären Versorgung. Auf dem Land fehlt es an Infrastruktur zur Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte. Landesweit behindern innenpolitische Konflikte Wohlstandsentwicklung und Armutsbekämpfung. Seit Mai 2013 sind im Ostkongo wieder Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen entbrannt, tausende Menschen sind erneut auf der Flucht.

 

Fehlende Infrastruktur blockiert Handel

Mit seinen fruchtbaren Ackerflächen und klimatisch günstigen Bedingungen könnte das Land theoretisch ganz Zentralafrika mit Nahrungsmitteln versorgen. Am Kongobecken liegt – nach dem Amazonas – das zweitgrößte zusammenhängende Tropengebiet der Welt, am östlichen Rand erstrecken sich artenreiche Bergwälder, in denen etwa Gorillas leben. Besonders fruchtbare Böden und reiche Bodenschätze finden sich rund um die Region der „Großen Seen“. Die DR Kongo gehört zu den wasserreichsten Ländern Afrikas.

 

Zwei Drittel der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, die meisten davon in der Subsistenzwirtschaft. 

 

Zwei Drittel der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, die meisten davon in der Subsistenzwirtschaft. Haupterzeugnisse sind Maniok, Mais, Reis, Bohnen, Kartoffeln, Süßkartoffeln, verschiedene Spinatsorten und Kochbananen. Ergänzt werden sie etwa durch Zuckerrohr, Erdnüsse, Ölpalmen, Bananen, Obst und Wildfrüchte. Doch die landwirtschaftliche Produktion könnte deutlich höher sein, die schlechten Verkehrsverbindungen blockieren den Handel. Es fehlen Straßen und Brücken. Die Transportkosten sind an vielen Orten so hoch, dass die Vermarktung der Ernte sich nicht mehr lohnt. Internationale Organisationen und Experten sehen den Ausbau der Infrastruktur als Schlüssel für die Entwicklung des Landes.

 

Rohstoffe machen das Land arm statt reich

Große Hoffnungen setzt die DR Kongo immer wieder auf den Bergbau. Das Land verfügt unter anderem über Vorkommen von Kupfer, Zinn, Kobalt, Gold, Diamanten, Erdöl sowie Coltan, das für die Herstellung von Mobiltelefonen und Laptops benötigt wird. Im Osten, in der Provinz Kivu, befinden sich schätzungsweise 80 Prozent der weltweiten Coltan-Vorkommen. Außerdem ist die DR Kongo der drittgrößte Diamantenproduzent der Welt. Durch den brutalen Umgang mit den Arbeitern und die blutigen Kämpfe im Zusammenhang mit dem Diamantenhandel wurde der Begriff "Blut-Diamanten" geprägt. So führen die Rohstoffe bis heute zu großen Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen, Rebellenführern, Staat, Militär, westlichen Unternehmen und den angrenzenden Staaten. Und machen das Land arm anstatt reich.

 

Die kriegerischen Auseinandersetzungen führten vielerorts auch zum Zusammenbruch des Gesundheitssystems und machen es oft unmöglich, Krankheiten zu behandeln. So bleibt Malaria die Haupttodesursache für Kinder unter fünf Jahren. Auch die Trinkwasserversorgung verharrt trotz des enormen Wasserreichtums in einem desolaten Zustand. Nur jeder vierte Kongolese hat Zugang zu hygienisch einwandfreiem Wasser, und höchstens jeder Fünfte verfügt über eine angemessene Gesundheitsversorgung. Das liegt deutlich unter dem regionalen Durchschnitt für Afrika südlich der Sahara.

 

KUNSTZENTRUM AFRIKAS Die DR Kongo beheimatet eine lebhafte Künstlerszene und gilt als das Kunstzentrum Afrikas. In der Hauptstadt Kinshasa wurde eine eigene Kunstakademie errichtet, die sich mittlerweile auf internationalem Niveau bewegt. Anerkannte und berühmte Künstler des ganzen Landes unterrichten dort Schüler und Schülerinnen in Kunst und Malerei. Außerdem sind zahlreiche Galerien im Land zu finden.

Unsichere politische Entwicklung

Trotz der unsicheren Lage konnte die DR Kongo in den letzten Jahren Erfolge bei der Armutsbekämpfung vorweisen. Noch vor fünf Jahren galt das Land laut dem Human Development Index als das ärmste der Welt, jetzt liegt es immerhin auf Rang 176 (von 188). Doch weiterhin bleibt die Armutsbekämpfung die größte Herausforderung der Regierung. Um sie angemessen anzugehen, müssten sich erst die politischen Verhältnisse stabilisieren. Das Mandat von Präsident Joseph Kabila sollte eigentlich im Dezember 2016 enden. Ein Gericht hat Kabila jedoch im Amt bestätigt bis ein neuer Präsident gewählt wird. Landesweit gab es gewaltsame Proteste und Oppositionsführer werfen ihm vor Wahlen zu verzögern, um an der Macht zu bleiben.

 

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