Jordanien

In mitten von Konflikten bleibt Jordanien stabil. Doch konstante Wasserknappheit und hohe Arbeitslosigkeit verschärfen die Lage.

 

Afghanistan

Hauptstadt

Amman

Amtssprache

Arabisch

Fläche

88.780 km²

Einwohnerzahl

ca. 7,6 Mio. 

Bevölkerungswachstum

ca. 2,3 %

Ländliche Bevölkerung

ca. 18 %

Bruttoinlandsprodukt

ca. 36,4 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

11.300 Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

3,8 %

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

niedrig (Wert: 5,7, Trend: 0,2)

Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung

1,8 %

Human Development Index

0,748 - Rang: 86 von 188

 

Jordanien - Insel des Friedens?

Jordanien ist umringt von Krisen- und Konfliktherden. Die Nachbarländer Syrien und Irak kommen nicht zur Ruhe und auch die Situation im angrenzenden Gaza-Streifen bleibt angespannt. Im Vergleich dazu hat Jordanien es irgendwie geschafft, den Frieden zu wahren. Dabei steht der Wüstenstaat selbst vor großen Problemen, allen voran einer konstanten Wasserknappheit. Die Situation wurde durch die Aufnahme von zahlreichen Flüchtlingen in den letzten Jahren noch verschärft. Nach neuesten Angaben sind 680 000 Flüchtlinge aus Syrien offiziell in Jordanien registriert, Experten gehen von einer weitaus höheren tatsächlichen Zahl der Flüchtlinge in Jordanien aus. Zählt die Bevölkerung offiziell rund 7,6 Millionen, geht die Regierung durch den Zuwachs der Flüchtlinge mittlerweile von etwa 9,5 Millionen Bewohnern aus.Gemessen an der Einwohnerzahl hat nur der Libanon mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen. So viele Menschen zusätzlich zu versorgen stellt Jordanien vor große Herausforderungen, vor allem im Arbeitsmarkt. Der ohnehin sehr jungen Bevölkerung Jordaniens mangelt es seit langem an Einkommensmöglichkeiten, die Arbeitslosenquote liegt bei mindestens 14,6 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei 38 Prozent.

 

Wenig Ressourcen zwingen zur Landflucht

Etwa 80 Prozent der Landesfläche Jordaniens ist von Wüste bedeckt, gerade einmal vier Prozent des Staatsgebietes ist landwirtschaftlich nutzbar. Daher ist auch die Palette an landwirtschaftlichen Produkten begrenzt, und die angebauten Zitrusfrüchte, Tomaten, Gurken, Oliven und Erdbeeren, sowie Geflügel und Milchprodukte, werden größtenteils im Land selbst verbraucht. Weizen und Kichererbsen, die für die Nationalgerichte Hummus und Falafel wichtigste Zutaten, muss das Land vollständig importieren. Vor diesem Hintergrund ist es wenig erstaunlich, dass vier von fünf Jordaniern heute in Städten leben.

 

Jordanien fehlt es vor allem an Wasser.

 

Jordanien ist nicht nur arm an fruchtbarem Land, sondern auch an anderen natürlichen Ressourcen. Nennenswert sind eigentlich nur Phosphate, sowie Pottasche und Mineralien aus dem Toten Meer, die teils zu Düngemitteln, Arzneien, Kosmetika und Zement verarbeitet und exportiert werden. An was es dem Land jedoch vor allem fehlt, ist Wasser. Mit nur 140 Kubikmetern Wasser pro Kopf und Jahr an erneuerbaren Wasserressourcen liegt Jordanien weit unter der allgemein akzeptierten Definition für extremen Wassermangel von 500 Kubikmetern. Obwohl die Landwirtschaft nur knapp vier Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht, ist sie der größte Wasserverbraucher. Die Landwirte beanspruchen fast zwei Drittel des Wasseraufkommens. Hier kann ein Konflikt zwischen der eigenen Nahrungsmittelsicherung, der kommunalen Wasserversorgung und der industriellen Nutzung des Wassers entstehen.

 

So ist der Mangel des kostbaren Guts auch in den Städten sichtbar, wo auch der Großteil der syrischen Flüchtlinge untergebracht ist. Im Durchschnitt werden auch die Ballungszentren nur einmal in der Woche über die Leitungen versorgt. Die Bewohner behelfen sich mit Wassertanks auf den Hausdächern. Der akute Wassermangel ist auf die in der jüngsten Zeit ausbleibenden Niederschläge zurückzuführen. Das relativ starke Bevölkerungswachstum und die noch zu wenig effiziente Bewirtschaftung der Wasserressourcen tun ihr Übriges, um die Krise zu verschärfen.

 

Gemessen am Bruttonationaleinkommen pro Kopf, zählt Jordanien zwar zu den sogenannten „upper middle income“ (oberes Mittel) Ländern. Der Reichtum im Land ist jedoch ungleich verteilt. Weltbank-Angaben zufolge lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung für mindestens ein Quartal im Jahr in Armut. Das Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent 2014 fiel auf etwa 2,2 Prozent im Jahr 2016. Anhaltende Kämpfe in Syrien und dem Irak zwangen 2015 zur Schließung der wichtigsten jordanischen Überlandverbindungen und schadeten Tourismus und Baugewerbe. Die Unterbringung der zahlreichen Flüchtlinge hat die ohnehin bereits hohe Arbeitslosenquote noch in die Höhe getrieben, wobei vor allem die 15-24-Jährigen betroffen sind.

 

SCHAU MIR IN DIE AUGEN... Das typisch jordanische Nationalgericht heisst Mansaf – und mag etwas gewöhnungsbedürftig anmuten. Es entstammt der Küche der Beduinen und beinhaltet einen Berg Reis, auf dem verstreut die verschiedenen Teile eines Hammels liegen. Obenauf thront gewöhnlich der Schädel des Tieres, die leeren Augenhöhlen auf die Esser gerichtet. Getränkt ist der Reis mit einer Sauce aus Ziegenmilch, die dem Gericht seinen besonderen Geschmack verleiht.

Sonne und Wasser vor!

Der Wassersektor ist aufgrund der extremen Knappheit ein Schlüsselfeld für die jordanische Regierung, einer konstitutionellen Monarchie. Bislang versuchte sie das Problem mit der Ausbeutung nicht-erneuerbarer fossiler Wasservorkommen zu beheben, unter anderem aus dem Disi-Aquifer an der Grenze zu Saudi-Arabien.

 

Die nationale Wasser-Strategie 2016-2030 sieht nun vor, die Wasserentsalzung des roten Meeres in den kommenden Jahren zur Hauptquelle der Trinkwasserversorgung auszubauen. Gleichzeitig würde dies dem sinkenden Wasserstand im Toten Meer entgegenwirken, das unter Überbenutzung leidet. Künftig will Jordanien auch dem Ausbau erneuerbaren Energien mehr Aufmerksamkeit schenken. Setzte das Land bisher fast ausschliesslich auf fossile Energieträger, sollen bis 2020 mindestens 30 Prozent der privaten Haushalte ihr heisses Wasser durch Sonnenenergie erzeugen.

 

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