Burundi

Burundi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Durch die dichte Besiedelung kann sich der kleine ostafrikanische Staat trotz landwirtschaftlich guter Voraussetzungen kaum entwickeln.

 

Karte von Burundi

Hauptstadt

Bjumbura

Amtssprachen

Französisch, Kirundi

Fläche

27.830 qkm

Einwohnerzahl

ca. 10,5 Mio.

Bevölkerungswachstum

3,1 %

Ländliche Bevölkerung

88 % der Gesamtbevölkerung

Bruttoinlandsprodukt (GDP)

3 Milliarden US-Dollar

Pro-Kopf-Jahreseinkommen

286 US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

39,8 %

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

Keine aktuellen Angaben möglich

(Stand 2014: gravierend 35,6)

Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung

Keine Angaben möglich

Human Development Index

Index: 0,404 / Rang: 184 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von unter 1,90 US-Dollar am Tag lebt

77,7 %

 

Kleiner Binnenstaat im Herzen Afrikas

Im Osten Afrikas, südlich von Ruanda, in der Region der Großen Seen liegt Burundi. Das tropische Klima und die günstige geografische Lage bieten dem Land, von der Größe ihrer ehemaligen Kolonialmacht Belgien, beste Bedingungen für eine vielfältige Landwirtschaft. Auf dem burundischen Teil des Tanganjikasees im Südwesten wird zudem gefischt. Ganze 90 Prozent der Bevölkerung leben vom Ackerbau, doch durch das anhaltende Bevölkerungswachstum wird die verfügbare Fläche pro Kopf immer kleiner. Der Platz reicht schlicht nicht aus, um alle ausreichend zu ernähren.

 

2014 stand das Land auf dem letzten Platz des Welthungerindex und die Lage hat sich seitdem kaum gebessert. Vor allem während der langen Trockenzeit, von April bis Oktober, droht den Menschen Hunger – oft leisten sie sich dann nur eine Mahlzeit am Tag. Die Abholzung der Wälder und eine einseitige Bewirtschaftung führen dazu, dass die Böden degradieren. Rund acht der zehn Millionen Burundier leben unterhalb der Armutsgrenze.

 

Vielfalt im Anbau, Monotonie auf dem Teller

Burundi hat eine junge Bevölkerung. Fast die Hälfte der 10 Millionen Bewohner ist nach 2002 geboren. Mit rund 350 Personen pro Quadratkilometer hat das Land nach Ruanda zudem die zweithöchste Bevölkerungsdichte Afrikas. Anders als in den Nachbarländern Tansania und Demokratische Republik Kongo, leben die meisten Menschen nicht in Dörfern und Städten, sondern siedeln verstreut direkt an ihren Feldern und Parzellen. Auf den Hängen des Hochplateaus bauen sie Hirse, Maniok und Mais für den Eigenbedarf an. In der Regel verarbeiten die Frauen das Getreide zu Brei, dazu gibt es Bohnen und Gemüse. Ein wichtiger Wirtschaftszweig ist der Export von Kaffee und Tee – rund die Hälfte der Bewohner betreibt kleinbäuerliche Kaffeeplantagen.

 

In den fruchtbaren Gebieten wachsen Avocados, Jackfrucht und Bananen, wobei letztere einen elementaren Bestandteil der burundischen Küche ausmachen. Bananenbier gehört zu den lokalen Spezialitäten. Kochbananen sind eine allgegenwärtige Zutat. Insgesamt essen die Burundier mit vielen kohlenhydrathaltigen Speisen sehr einseitig, so dass es häufig zu Mangelerscheinungen kommt. Viele Kinder wachsen zu langsam für ihr Alter. Dass sich die Menschen trotz der möglichen Vielfalt schlecht ernähren, hängt auch mit Gewohnheiten und fehlendem Wissen über eine ausgewogene Ernährung zusammen.

 

Insgesamt produzierte Burundis Landwirtschaft in den vergangenen Jahren zwar mehr als zuvor, aber nicht genug, um alle zu ernähren.

 

Tiere können sich in Burundi die wenigsten halten, dennoch kennen alle die „Brochette". In der Hauptstadt ist der gebratene Spieß aus Ziegenfleisch mit Pommes fast an jeder Ecke erhältlich. Die schmackhaften Fische aus dem Tanganjikasee landen etwas öfter auf dem Teller.

 

Kleinteilige Bewirtschaftung auf Kosten der Umwelt

Insgesamt produzierte Burundis Landwirtschaft in den vergangenen Jahren zwar mehr als zuvor, aber nicht genug, um alle zu ernähren. Vielfach sind die Böden von Dünger und Pestiziden ausgelaugt und durch den Klimawandel verlängern sich die Dürreperioden. Zudem führen unregelmäßige Niederschläge zu Missernten, die die Bauern nur schwer verkraften. Da der Großteil der Familien mit Holz oder Holzkohle kocht, wurde ein großer Teil der heimischen Wälder gerodet. Heute stehen dort vielfach ausländische Hölzer wie Eukalyptus, die zwar schnell wachsen, aber nicht den gleichen Schutz vor Erosion bieten.

 

Doch es gibt auch noch andere Gründe für die geringe Produktivität der Landwirtschaft. Durch das Erbrecht werden die ohnehin schon kleinen Felder unter immer mehr Kindern aufgeteilt, was zu einem ineffizienten Mikromanagement führt. Häufig haben die Bauern nur Zugang zu minderwertigem Saatgut, unter anderem weil Sämereien nicht entsprechend sortiert und verwaltet werden. Nicht zuletzt fehlt es häufig an Wissen über nachhaltige Anbaumethoden und an Maschinen und Technologien.

 

Die wenigen wohlhabenden Burundier wohnen in der Hauptstadt Bujumbura. Sie können sich einen gewissen Wohlstand leisten, profitieren von der Vielfalt auf den Märkten und durch die Lage am See auch vom Fischfang. Doch auch diese wichtige Proteinquelle könnte versiegen: Durch die Verschmutzung mit industriellen Abwässern, Überfischung und die Erwärmung des Sees, nehmen die Fischbestände nach und nach ab.

DREI KÜHE IM TAUSCH GEGEN DIE BRAUT Ebenso wie in Indien werden Kühe in Burundi verehrt. Sie heißen Inka und wer eine Kuh besitzt, gilt als reich und genießt großes Ansehen. Traditionell sind die Langhorn-Rinder ein geschätztes Tauschgut, Brautpreis oder Geschenk. Anknüpfend daran spenden einige Hilfsorganisationen Kühe als Milchlieferanten an die Familien.

 

Burundis Ziel: Ressourcen schützen und ganzheitlich managen

Bisher tragen internationale Geber über die Hälfte des Staatshaushaltes. Ihr Geld fließt in zahlreiche Projekte, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Die Kleinbauern und -bäuerinnen, darunter vor allem die Frauen, lernen nachhaltige Anbauweisen kennen und erfahren, wie sie sich vollwertig ernähren. Insbesondere Frauen sind eine wichtige Zielgruppe für Schulungen in diesen Bereichen, weil sie am stärksten von den Folgen schlechter Ernährung betroffen sind und für die Ernährung ihrer Familien sorgen. Langfristig können die landwirtschaftlichen Erträge aber nur gesteigert werden, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Regierung Burundis hat für 2025 eine Vision entwickelt, in der sie sich unter anderem für die Vereinbarkeit von Landmanagement und Naturschutz einsetzt. Mit dem wachsenden Umweltbewusstsein entstehen nach und nach auch Initiativen zum Schutz der natürlichen Ressourcen: Die Wälder werden wieder aufgeforstet, Tierbestände im Wasser und an Land gezielt geschützt. Denn eine natürliche Vielfalt ist eine wichtige Grundlage, um sich aus der Armut zu befreien.

 

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