Botswana

Botswana wird häufig als afrikanisches Musterland bezeichnet. Doch gerade die schwierigen geografischen Bedingungen des Landes, stellen die Ernährungssicherung vor große Herausforderungen.

 

Afghanistan

Hauptstadt

Gaborone

Amtssprache

Englisch, Setswana

Fläche

582.000 km²

Einwohnerzahl

ca. 2,2 Mio

Bevölkerungswachstum

ca. 1,2 %

Ländliche Bevölkerung

42,6%

Bruttoinlandsprodukt

10,95 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

6150 US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

2%

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

ernst (Wert: 23 / Trend: -7,9)

Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung

24,1%

Human Development Index

Rang: 108 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,9 US-Dollar am Tag lebt

18,2%

Musterland mit Problemen

Botswana ist in vielerlei Hinsicht ein afrikanisches Musterland. Das Land im südlichen Afrika ist flächenmäßig so groß wie Frankreich, hat aber mit 2,2 Millionen gerade so viele Einwohner wie Slowenien. Rund 84 Prozent der Landesfläche liegen in der Kalahari-Wüste. Botswana hat als Binnenland außerdem keinen Zugang zum Meer und keine eigenen wasserführenden Flüsse. Es herrscht ein semi-arides Halbwüsten- bis Savannenklima vor. Politisch und wirtschaftlich ist Botswana stabil. Das liegt vor allem an der Diamantenförderung, die dem Land seit den 1960er Jahren einen gewissen Wohlstand sichert. Der Bergbau trägt aktuell 22 Prozent zum BIP bei. Laut „Transparency International“ gibt es nirgendwo in Afrika so wenig Korruption wie in Botswana, der Korruptionsindex ist geringer als in Italien. Wasser hingegen Mangelware. Das spiegelt sich auch in der Bezeichnung für die Währung Botswanas wieder. „Pula“ bedeutet übersetzt so viel wie Regen.

 

Doch obwohl das Land relativ stabil ist und im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern ein hohes Pro-Kopf-Jahreseinkommen aufweist, hungern immer noch viele Einwohner. Die Schere zwischen Arm und Reich ist groß. Die reichsten 20 Prozent der Bevölkerung besitzen 60 Prozent der Kaufkraft. Der Welthunger-Index zeigt einen negativen Trend, seit 1992 ist er um 9,4 Punkte gefallen. Knapp 6 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt. Hinzu kommt eine der höchsten HIV-Raten Afrikas. Wie in Lesotho ist fast jeder vierte Einwohner mit dem Virus infiziert. Jedes fünfte Kind wächst als Aids-Waise auf.

 

Knappe Wasserressourcen

Die Trockenzeit ist im ganzen Land mit sechs bis neun Monaten sehr lang. Die Oberflächenwasser-Ressourcen Botswanas sind stark begrenzt, daher wird auf fossile Grundwasservorräte zurückgegriffen. Im Land gibt es gibt Tausende sogenannter „cattle posts“, an denen mithilfe einer Pumpe fossiles Wasser aus bis zu 200m Tiefe gefördert wird. Schätzungen zufolge sind 75 Prozent der Menschen und des Viehbestands von dieser Wasserversorgung abhängig. Durch die niedrigen Wasserstände in den Dämmen ist die Wasserversorgung Botswanas momentan akut gefährdet.  Periodisch ist Botswana alle fünf Jahre von Dürren betroffen. Die Regierung hat für diese Fälle ein Dürren-Programm eingerichtet bei dem Tanklaster alle Regionen des Landes anfahren. Bei der Dürreperiode 2006/07 konnten so weitestgehend Schäden vermieden werden. Doch das Programm ist sehr kostspielig und hemmt die Entwicklung anderer Projekte.

 

Viehwirtschaft - Lösung und Problem

Aufgrund der geringen Niederschläge ist das landwirtschaftliche Potential auf die Viehzucht beschränkt. Ackerbau kann lediglich auf 0,4 Prozent der Landfläche betrieben werden, überwiegend im Osten und Nordosten des Landes und meist für den Eigenanbau. Zu den meist angebauten Feldfrüchten gehören Sorghum, Mais, Hirse und Hülsenfrüchte. Der stärkste Zweig in der Landwirtschaft ist die Viehwirtschaft. 45,2 Prozent der Landfläche Botswanas eignen sich für eine extensive Viehhaltung. Es werden hauptsächlich Rinder, Ziegen und Schafe gezüchtet, wobei die Rinderzucht den größten Teil ausmacht. Heute gibt es in Botswana gut zwei Millionen Rinder. Überweidung und Desertifikation sind große ökologische Probleme. 

 

15,6 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Diese trägt aber nur zu 2 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. 

 

Laut Statistiken arbeiten 15,6 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Die trägt nur zu 2 % zum BIP bei, was ein Hinweis ist auf die extrem niedrige Produktivität der Landwirtschaft im Vergleich zu anderen Sektoren. Doch stellt sie weiten Teilen der Bevölkerung die notwendigen Lebensmittel zur Verfügung. Da Botswanas landwirtschaftliche Produktion die Nachfrage im eigenen Land nur zur Hälfte decken kann, ist das Land auf Nahrungsmittelimporte angewiesen.

 

NATIONALGERICHT SESWAA Das Nationalgericht Botswanas ist „Seswaa“, Rindfleisch mit dickem Maisbrei. Dazu wird häufig „Morogo“, eine Art Spinat, gegessen. Beliebt sind auch Ziegen- und Hühnerfleisch. Als Delikatesse gelten auch Mopane-Würmer, die getrocknet oder geräuchert werden. Sie enthalten zu 60 Prozent Proteine und viel Calcium. 

Neue Strategien für die Landwirtschaft

Der Zenit der Diamantenförderung wird für 2050 erwartet. Die botswanische Regierung arbeitet daran, die Wirtschaft zu diversifizieren, insbesondere in der Nahrungsmittelindustrie und der Ansiedlung von verarbeitendem Gewerbe. Seit 2008 unterstützt die Regierung die Bauern im Rahmen eines Förderprogramms für Landwirtschaftliche Entwicklung, was zu einer Verdoppelung ihrer Zahl führte. Die Anzahl der Bauern, die Sorghum anbauen, stieg in den letzten Jahren um knapp 80 Prozent, die Anbaufläche hat sich mehr als verdoppelt. Auch gibt es heute wesentlich mehr Bauern, die Mais und Hülsenfrüchte anbauen. Insgesamt hat sich die Gesamtproduktion an Hirse mehr als verdreifacht. Das „Agricultural Hub“ - Projekt soll eine  Kommerzialisierung und Diversifikation der botswanischen Landwirtschaft erreichen. Durch die Schaffung von Rahmenbedingungen, die eine langfristige, nachhaltige Landwirtschaft ermöglichen, könnte Botswanas Landwirtschaft bis 2020 erheblich verändert werden.

 

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