Afghanistan

Der größte Teil der Bevölkerung Afghanistans lebt auf dem Land. Doch Kriegsfolgen, eine fehlende Infrastruktur und das unbeständige kontinentale Klima erschweren eine produktive Nutzung der Agrarflächen.

 

Afghanistan

Hauptstadt

Kabul

Amtssprache

Dari, Patschu

Fläche

652.255 km²

Einwohnerzahl

ca. 33,3 Mio

Bevölkerungswachstum

ca. 2,34 %

Ländliche Bevölkerung

26,64 Mio. (80% der Gesamtbevölkerung)

Bruttoinlandsprodukt

19,33 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

611 US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

22,1%

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

ernst (Wert: 34,8 / Trend: -4,4)

Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung

26,8 %

Human Development Index

Rang: 169 von 188

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag lebt

35,8 %

Afghanistan ist ein Land der Extreme. Seit der sowjetischen Besetzung des Landes 1979 und der daraus resultierenden Herrschaft der Taliban, die von 1989 bis 2001 einen Bürgerkrieg einleitete, dauern die Kämpfe im Land bis heute an. Ein Frieden ist seit über 40 Jahren nicht in Sicht.

 

Afghanistan liegt an der Schnittstelle zwischen Zentral- und Südasien. Den Norden des Landes durchzieht das Hindukuschgebirge, im Süden herrscht teilweise subtropisches Klima vor. Doch die meisten Regionen sind geprägt von einem stark kontinentalen Klima, dessen Temperaturen tagsüber über vierzig Grad steigen und nachts bis zu minus zwanzig Grad fallen kann. Nur wenige Länder weltweit sind so reich an Wildarten, alten Kulturpflanzen und Ökosystemen wie das „Land am Hindukusch“. Trotzdem gehört Afghanistan zu den zehn ärmsten Ländern der Welt.

 

Ungefähr 70 Prozent der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, was besonders für Kinder ein enormes gesundheitliches Risiko darstellt. Eine Million afghanischer Kinder unter fünf Jahren sind nach Angaben der Vereinten Nationen unterernährt. Mehr als ein Drittel der Neugeborenen sind bereits bei der Geburt untergewichtig. Hauptursache dafür ist eine einseitige Ernährung: Viele Familien können sich täglich nicht viel mehr als Brot leisten.

 

Wenig Anbaufläche für die Landwirtschaft

Konnte Afghanistan sich vor der sowjetischen Besetzung noch weitestgehend selbst versorgen, so wurden im Krieg viele Bewässerungssysteme zerstört und landwirtschaftliche Flächen vermint. Viele Felder können seitdem nicht mehr bestellt werden. Nur 12 Prozent der Landesfläche ist für den landwirtschaftlichen Anbau nutzbar. Zudem leiden Afghanistans Wälder unter illegaler Abholzung. In den größten zusammenhängenden Waldgebieten in den östlichen Provinzen ist der Waldbestand zwischen 1978 und 2002 um 50 Prozent zurückgegangen. Die Folge des Pflanzenschwunds ist Bodenerosion, die Wüstenbildung begünstigt.

 

Reich an Nüssen und Obst

Generell ist in Afghanistan eine Überbeanspruchung der Wasseressourcen festzustellen. Aus diesem Grund überwiegt der Regenfeldbau, bei dem Wasser aus Niederschlägen zur Bewässerung eingesetzt wird. Weizen, Gerste, Reis und Mais zählen zu den wichtigsten angebauten Grundnahrungsmitteln. Afghanistan ist außerdem bekannt für seine alten Pistazienwälder. Seit Jahren fallen diese illegalem Holzeinschlag zum Opfer oder werden von den Taliban, noch bevor die Nüsse reif sind, geplündert und für ein Fünftel des Preises auf dem Markt angeboten. Neben Pistazien wachsen in Afghanistan auch andere Nusssorten wie Mandeln und Walnüsse.

 

Fleisch gilt bei vielen Afghanen noch als Luxus.

 

Es gedeihen auch Äpfel, Weintrauben, Aprikosen, Pfirsiche und Granatäpfel von außergewöhnlicher Qualität, die auch zu Trockenobst verarbeitet werden. Aufgrund einer fehlenden Infrastruktur wird Obst aber nur im Inland zum Verkauf angeboten. In der afghanischen Küche werden Nüsse und Trockenfrüchte für Süßspeisen, aber auch in Fleisch- und Reisgerichten verwendet. Fleisch gilt bei vielen Afghanen noch als Luxus.

Eine große Rolle in der Landwirtschaft spielt der Baumwollanbau, der in Afghanistan seit rund tausend Jahren betrieben wird. Gegenwärtig erlebt er nach jahrzehntelangem Rückgang einen Aufschwung.

 

Landwirtschaftlicher Fortschritt lahmt

Da vornehmlich landwirtschaftliche Erzeugnisse exportiert werden, ist der Export in hohem Maß von der Leistungsfähigkeit des Agrarsektors abhängig. Mehr als 55 Prozent der Bevölkerung bewirtschaftet landwirtschaftliche Flächen, die meisten in kleinbäuerlichen Betrieben. Durch das Erbrecht, das eine Teilung der Anbauflächen in kleinste Parzellen zersplittert, wird eine Mechanisierung der Landwirtschaft erschwert.

 

Neben dem Ackerbau werden in Afghanistan extensiv Schafe gezüchtet, die mit Nomaden zwischen den Sommerweiden des zentralen Hochlandes und den wintermilden Steppen des Südwestens umherwandern. Die Rinderhaltung spielt dagegen eine kleinere Rolle. Kleinviehhaltung von Hühnern und Ziegen ist im ganzen Land bis in städtischen Milieus hinein verbreitet. 

 

EXPORTSCHLAGER OPIUM Afghanistan ist der größte Lieferant von Rohopium weltweit. Rund 80 Prozent des weltweiten Opiums, aus dem Heroin hergestellt wird, wird dort angebaut. Weil Schlafmohn weniger Wasser benötigt und mehr Gewinn einbringt als Weizen, Gerste oder Reis, sind hochwertige Kulturen als Alternative erforderlich.

Unabhängigkeit durch Safran?

Das afghanische Landwirtschaftsministerium bemüht sich, Beschäftigungsfelder für Frauen im Agrarsektor zu schaffen.

Eine Möglichkeit des Verdiensts wäre der Safrananbau. Die Krokus-Art wird als Gewürz, Färbemittel oder für medizinische Zwecke eingesetzt. Er könnte zur Stärkung der Rolle der Frau und zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Frauen beitragen. In den Provinzen Herat, Ghazni, Farah und Helmand wird Safran bereits angebaut. Das afghanische Landwirtschaftsministerium plant, den Safran-Anbau landesweit auszuweiten, indem es Safranknollen an Landwirte aller 34 Provinzen verteilen will. Der Grund: Der Anbau von Safran ist nachhaltiger, da weniger bewässerungsintensiv.

 

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