Äthiopien

Wiederkehrende Dürren machen Millionen Äthiopier abhängig von Nahrungsmittelhilfen. Aber das Land hat das Potenzial und den Willen, sich selbst zu versorgen

 

Karte von Togo

Amtssprache

Amharisch

Hauptstadt

Addis Abeba

Fläche

1.104.300 qkm

Einwohnerzahl

ca. 99 Mio.

Bevölkerungswachstum

2,5 % (über 2 Mio. Einwohner mehr pro Jahr)

Ländliche Bevölkerung

ca. 80 Mio. (80,5 % der Gesamtbevölkerung)

Bruttoinlandsprodukt

6,6 Mrd. US-Dollar

Pro-Kopf- Jahreseinkommen

619 US-Dollar

Anteil der Landwirtschaft am BIP

41 %

Schweregrad des Hungers laut Welthunger-Index

ernst (Wert: 33,4 / Trend: -9,6)

Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung

32 %

Human Development Index

0,445 / Rang: 174 von 188 Ländern

Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag lebt

36,8 %

Reiches armes Äthiopien

Wiege der Menschheit, Herkunft des Kaffees, die Äthiopier sind stolz auf ihr Land und ihre Jahrtausende alte Kultur. Mit fast 100 Millionen Einwohner ist Äthiopien nach Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Einerseits ist Äthiopien mit einem Wirtschaftswachstum von rund 10 Prozent einer der weltweit am schnellsten wachsenden Märkte, in den ausländische Investoren und Entwicklungsorganisationen gerne investieren. Die Erfolge in der Bekämpfung des Hungers waren insbesondere in den letzten zehn Jahren beeindruckend. Die Hauptstadt Addis Abeba boomt mit Bau- und Infrastrukturprojekten und ist außerdem seit 2002 Sitz der Afrikanischen Union. Die Regierung unternimmt große Anstrengungen, Äthiopiens politische und wirtschaftliche Bedeutung weiter auszubauen. Auf der anderen Seite ist Äthiopien immer noch eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Human Development Index der Vereinten Nationen nimmt es Rang 174 von 188 ein. Ein Drittel aller Äthiopier leidet unter extremer Armut und Unterernährung. In einem Land, in dem die Landwirtschaft 85 Prozent der Bevölkerung beschäftigt und rund 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, sind 4 bis 5 Millionen Äthiopier dauerhaft von Nahrungsknappheit bedroht. 

 

Noch abhängig von Nahrungsmittelhilfen 

Mitte der 1980er Jahre ließ die damalige Militärregierung zu, dass während einer verheerenden Dürre im Norden des Landes zehntausende Menschen verhungerten. Seitdem hat Äthiopien das einseitige Image des „Hungerlands“. Die schockierenden Bilder der damaligen Katastrophenberichterstattung brannten sich ein: ausgezehrte Kinderkörper mit übergroß wirkenden Köpfen, apathisch blickende junge Mütter mit abgemagerten Babys auf den Armen, verendetes Vieh. Die Nahrungsmittelhilfe internationaler Organisationen begann in großem Maßstab - und erstreckte sich über lange Jahre.

 

Äthiopien verfügt über die größten Wasservorkommen Ostafrikas

 

Noch immer suchen Dürreperioden Äthiopien heim und dies in kürzer werdenden Abständen. Wenn der Regen dann doch kommt, dann oft so massiv, dass er Felder überflutet. Aktuell sind in Äthiopien rund 18 Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Die jahrzehntelangen Nahrungsmittellieferungen lösen alleine aber nicht das Problem. Wegen mangelnden Saatguts und unzureichenden Investitionen auf dem Land schaffen nicht alle betroffenen Bauern, sich selbst zu versorgen. Dabei ist das landwirtschaftliche Potenzial in vielen Regionen enorm – neben kargen Gegenden gibt es saftig grüne Landschaften. Zudem verfügt Äthiopien über die größten Wasservorkommen Ostafrikas. 

 

Kaffee, Khat und Körnerfrüchte 

Äthiopien ist traditionell ein Land der kleinbäuerlichen und für den Eigenkonsum betriebenen Landwirtschaft und Viehzucht. Laut Verfassung gehört das Land „dem Staat und der Bevölkerung von Äthiopien“. Privates Landeigentum ist nicht erlaubt. Auf staatlichem Besitz lebende Bauern genießen ein Nutzungsrecht. Daher wird privat nur wenig in Bewässerungssysteme oder landwirtschaftliche Geräte investiert. Mangelnde Infrastruktur erschwert zudem den Zugang zu Märkten. Die Bauern bestellen die Äcker größtenteils noch mit Holzpflügen. So sind die Erträge niedrig und von Regenfällen abhängig. Sesshafte und nomadische Viehzüchter halten Schafs- und Ziegenherden, Kamele, Esel und Kleinvieh. 

 

Dennoch bilden die durchschnittlich nur einen Hektar Land umfassenden Subsistenz- und Kleinfarmen die Hauptquelle für die lokal gehandelten und ins Ausland exportierten Agrarerzeugnisse. Hierzu zählen Kaffee, Mais, Blumen, Hülsenfrüchte, Teff, Weizen, Sorghum und andere Getreidearten sowie verschiedene Ölsaaten. Äthiopien hat den größten Viehbestand Afrikas und exportiert lebende Tiere sowie Lederwaren. Auf dem Weltmarkt bewegt sich Äthiopien teils unter den Top Ten: sechstgrößter Kaffeeproduzent, zehntgrößter Produzent von Nutztieren und neben Kenia der größte Produzent und Exporteur der Kaudroge Khat. Bei der Getreidesorte Teff ist Äthiopien weltweit führend.

 

FLUFFIGE FLADEN Die äthiopische Küche unterscheidet sich stark von denen anderer afrikanischer Länder. Charakteristisch ist der Sauerteigfladen injera aus Teff, einem aus dem Horn von Afrika stammenden Getreide. Äthiopier und Eritreer essen das weiche Fladenbrot täglich und zu jedem Gericht. Dabei ist der Fladen Teller und Besteck zugleich: verschiedene Soßen und Pürees aus Linsen, Bohnen und Kichererbsen werden darauf serviert. Man reißt mit den Fingern ein Stück ab und greift damit die Füllung. Dazu gibt es starken äthiopischen Kaffee.

Äthiopiens Ziel:  Erträge steigern, Lebensmittel verarbeiten 

Die äthiopische Regierung hat ehrgeizige Pläne, die bislang noch vorherrschende Subsistenzwirtschaft zu einer modernen Agrar- und Ernährungswirtschaft umzuwandeln. Leistungsfähige Betriebe sollen die Erzeugnisse weiterverarbeiten, um den Mehrwert zu erhöhen. Die hohen Nach-Ernte-Verluste sollen drastisch verringert werden. Mit einer deutlich ausgeweiteten landwirtschaftlichen Erzeugung und Weiterverarbeitung soll die Versorgung der Bevölkerung verbessert und die dringend benötigten Arbeitsplätze geschaffen werden. Überschüsse will Äthiopien exportieren. Weitere Schritte zur Ernährungssicherheit und zum Wirtschaftswachstum sind aus Sicht der äthiopischen Regierung die Urbarmachung zusätzlicher Anbauflächen, der verstärkte Einsatz von Düngemitteln und leistungsfähigem Saatgut sowie die Gewinnung ausländischer Investoren.

 

 

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