Fruchtbare Böden zur Sicherung der Ernährung

Ein Einwurf von Gunther Beger (Abteilungsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)

 

Falsche Anbaumethoden zerstören Böden weltweit. Investitionen in Bodenschutz und nachhaltige Nutzung ist überlebenswichtig: für die Sicherung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung, für die Umwelt und das Klima und für lebenswerte ländliche Räume vor allem in Afrika.

 

 

Gunther Beger, Abteilungsleiter im BMZ. (c) BMZ

Wir schenken ihm meist wenig Beachtung, aber er ist im wahrsten Sinne des Wortes Lebensgrundlage für uns alle: der Boden, auf dem wir stehen und der unsere Nahrung produziert. Denn 95 % unserer Lebensmittel stammen letztendlich von Böden. Doch um ihre Fruchtbarkeit ist es schlecht bestellt. Weltweit gehen jährlich 24 Milliarden Tonnen Boden durch Erosion verloren. Das sind drei Tonnen pro Mensch und Jahr. Gleichzeitig sind viele Böden durch falsche Anbaumethoden so ausgelaugt, dass sie nur mit viel Dünger künstlich fruchtbar bleiben. Das ist nicht nur teuer, sondern kann auch schädlich für die Umwelt sein. Hinzu kommt der Klimawandel, der mal in Form zunehmender Dürren, mal durch Sturzfluten den Boden zusätzlich schädigt und zu Ernteverlusten führt.

 

Die Auswirkungen unfruchtbar gewordener Böden bekommen wir hierzulande nur selten direkt zu spüren. Anders in Entwicklungsländern, wo die meisten Menschen im ländlichen Raum noch von der Landwirtschaft leben und somit unmittelbar auf natürliche Ressourcen wie Böden und Wasser angewiesen sind. Weltweit gibt es 500 Millionen kleinbäuerliche Familienbetriebe, die in vielen Ländern den Großteil der Nahrungsmittel produzieren. Werden ihre Felder unfruchtbar, sinken die Erträge, verschlechtern sich Einkommen und Ernährungssituation. Mangelnde Lebensperspektiven und fehlender Arbeitsplätze auf dem Land zwingen viele vor allem junge Menschen ihre Dörfer zu verlassen und sich auf den Weg zu machen, in die nächste Stadt, ins Nachbarland und manche – bisher sind es vergleichsweise wenige - bis nach Europa. Besonders kritisch ist die Situation in vielen afrikanischen Ländern, wo Millionen junger Menschen vergeblich nach einer Lebensperspektive im ländlichen Raum suchen. Vielerorts ist der Zugang zu fruchtbarem Boden versperrt und fehlt das Wissen und die Mittel zu dessen produktiver Bewirtschaftung.

 

Tohomé Hadonou baut nun Niebé an, eine westafrikanische Bohne, die Stickstoff im Boden bindet und ihn damit wieder fruchtbarer macht. Auch lässt sie die Reste der abgeernteten Pflanzen auf den Feldern, damit sie sich allmählich zersetzen, anstatt sie zu verbrennen. So kann sich die so wichtige Humusschicht wieder aufbauen und die Erträge nehmen um rund 30 % zu.

An dieser Stelle setzt die Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ von Bundesminister Dr. Gerd Müller an. Mit dieser Initiative werden die Lebensbedingungen von 7 Millionen Menschen konkret verbessert, wird Einkommen gesteigert und die Ernährungssituation von über 8 Millionen Menschen verbessert. Der Zugang zu Land als Voraussetzung für eine produktive und nachhaltige Bodennutzung wird durch Politikberatung und konkrete Landrechtssicherung von 450.000 Menschen gefördert. Insgesamt unterstützt das BMZ Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in 20 afrikanischen Ländern dabei, ihre Felder produktiver und nachhaltiger zu bewirtschaften und ihre Erzeugnisse besser zu vermarkten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Schutz und der Wiederherstellung fruchtbarer Böden. Dabei geht es vor allem um die Verbreitung standortangepasster Anbaumethoden, die es Kleinbauern ermöglichen ihre Erträge zu steigern und gleichzeitig den Boden zu schützen.

 

Durch Bodenschutzprojekte der BMZ Sonderinitiative werden degradierte Böden auf einer Fläche von insgesamt 340.000 Hektar wiederhergestellt. Damit wird die Existenzgrundlage von über 800.000 Menschen gesichert.

 

Was das konkret bedeutet, zeigt das Beispiel von Tohomé Hadonou aus Benin. Die Landwirtin bewirtschaftet 5,5 Hektar, genug um ihre Familie zu ernähren und einen Teil der Ernte auf dem Markt zu verkaufen. Doch die Ernte fiel in den letzten Jahren immer geringer aus. Ihre Felder waren ausgelaugt. Was sie dagegen tun kann, lernte sie in einer Schulung zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, durchgeführt von einer lokalen Partnerorganisation des BMZ. Tohomé Hadonou baut nun Niebé an, eine westafrikanische Bohne, die Stickstoff im Boden bindet und ihn damit wieder fruchtbarer macht. Auch lässt sie die Reste der abgeernteten Pflanzen auf den Feldern, damit sie sich allmählich zersetzen, anstatt sie zu verbrennen. So kann sich die so wichtige Humusschicht wieder aufbauen und die Erträge nehmen um rund 30 % zu.

 

Das Beispiel aus Benin zeigt zweierlei. Zum einen die zentrale Bedeutung landwirtschaftlicher Beratungsdienste, die Landwirte bei der Auswahl von Sorten und guten Anbaumethoden unterstützen. Vielerorts sind solche Dienste jedoch technisch schlecht ausgestattet und unzureichend ausgebildet, um das notwendige Wissen effektiv zu verbreiten. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hilft dabei, die Qualität der Beratungsdienste zu verbessern, sodass sie auch den Herausforderungen von Klein- und Kleinstbetrieben gerecht werden. Zum anderen zeigt das Beispiel, dass es vergleichsweise einfache Maßnahmen sein können, mit denen schon viel erreicht werden kann. Insbesondere agrarökologische Ansätze erlauben es, die Fruchtbarkeit von Böden zu steigern und Erträge nachhaltig zu erhöhen. Es ist sinnvoll, zunächst das volle Potenzial natürlicher Nährstoffkreisläufe auszuschöpfen, bevor mit synthetischem Dünger nachgeholfen wird.

Entscheidend ist jedoch, dass die richtigen Anbaumethoden auch Nachahmer finden und in die Breite getragen werden. Dafür müssen auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen. Es ist daher wichtig, mit politischen Entscheidungsträgern zusammenzuarbeiten und Evidenz gestützte Beratung und Fortbildung anzubieten. Auch unsere Partnerländer im Süden wissen, dass Investitionen in den ländlichen Raum unerlässlich sind, um die Ernährung zu sichern und den Menschen eine lebenswerte Zukunft vor Ort zu geben.

 

Die Herausforderung eines schonenden Umgangs mit Böden beschränkt sich allerdings keineswegs auf Entwicklungsländer. Bevölkerungswachstum und der zunehmende Konsum ressourcenintensiver Lebensmittel lassen die Nachfrage nach Agrarprodukten weltweit steigen und setzen die Ressource Boden immer stärker unter Druck. Dass auch wir in Deutschland deutlichen Anteil daran haben, zeigt unser „Land-Fußabdruck“, also die Fläche, die zur Produktion der von uns konsumierten Lebensmittel und Waren benötigt wird. Dieser Fußabdruck liegt nicht nur um ein Mehrfaches über dem globalen Durchschnitt, sondern befindet sich auch größtenteils außerhalb unserer Landesgrenzen. So liegen 60 % der für den europäischen Verbrauch genutzten Flächen außerhalb der EU. Dort sind die Folge dann vielerorts Übernutzung und Ausdehnung von Anbauflächen, was zu Lasten der Umwelt geht und beispielsweise das Grundwasser belastet. Denn gesunde Böden erfüllen zahlreiche essentielle Funktionen, die häufig wenig bekannt sind. Sie filtern und speichern Wasser und bauen Schadstoffe ab. Vollkommen unterschätzt ist die Bedeutung der Böden für den Klimaschutz: Böden speichern mehr CO2 als alle Wälder zusammen!

 

Aus diesen Gründen ist der Schutz von Böden fest in den globalen Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 verankert, zu deren Erreichung sich die Weltgemeinschaft verpflichtet hat. In Europa müssen wir daran arbeiten unsere Landwirtschaft umweltverträglicher zu gestalten, um negative Auswirkungen wie die Verschmutzung unseres Grundwassers durch Überdüngung oder das Insektensterben zu vermeiden. In Afrika geht es darum, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, ohne die langfristige Ertragsfähigkeit der Böden und ihre wichtigen Umweltfunktionen zu beschädigen. Beides ist möglich und wir können einen direkten Beitrag dazu leisten: durch nachhaltigen Konsum und durch die Unterstützung afrikanischer Kleinbauern.

Eines ist klar: Investitionen in Bodenschutz und nachhaltige Nutzung der Böden ist überlebenswichtig: für die Sicherung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung, für die Umwelt und das Klima und für lebenswerte ländliche Räume vor allem in Afrika.

 

 

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