Wie der Krieg gegen die Ukraine die globalen Getreidemärkte destabilisiert

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine seit Februar 2022 hat nicht nur Zerstörung, Leid und die größte Fluchtbewegung in Europa seit dem zweiten Weltkrieg ausgelöst, sondern auch bereits spürbare Auswirkungen auf die globalen Agrarmärkte. Ein Überblick, welche Länder besonders von den destabilisierten Getreidemärkten betroffen sind, und, was jetzt zu tun ist.

Vor dem Krieg deckte die MENA-Region rund die Hälfte ihres gesamten Getreidebedarfs über Importe aus Russland und der Ukraine. © GIZ/weltohnehunger 2022

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

GIZ

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist ein weltweit tätiger Dienstleister der internationalen Kooperation für nachhaltige Entwicklung. Sie hat mehr als 50 Jahre Erfahrung in unterschiedlichsten Feldern.  

Seit Anfang Februar 2022 befinden sich zwei der größten Getreide- und Ölsaatenexporteure im Krieg: Beide Länder liefern zusammen etwa 20 Prozent der weltweiten Mais- und 30 Prozent der Weizenexporte. Die weltweiten Exportanteile für Sonnenblumenöl aus beiden Ländern liegen bei über 70 Prozent. Der Löwenanteil, je nach Jahr zwischen 40 und 50 Prozent des weltweit gehandelten Sonnenblumenöls, kommt dabei aus der Ukraine. Beide Länder haben ihre Agrarprodukte in die ganze Welt exportiert, auch nach Europa.  

 

Der Weizen wird knapp

Große Mengen an Weizen aus der Ukraine und Russland werden von bevölkerungsreichen Ländern wie Ägypten, Türkei, Bangladesch oder Indonesien gekauft. Besonders problematisch ist jedoch die Abhängigkeit vieler Entwicklungsländer von den Getreidelieferungen aus Russland oder der Ukraine: Sie haben teilweise hohe Anteile ihrer Weizenimporte aus diesen Ländern bestritten und wenige andere Handelspartner, auf die sie schnell ausweichen können.

 

In einigen Nationen stellt Weizen ein Grundnahrungsmittel dar, welches nicht kurzfristig durch andere Nahrungsmittel ersetzt werden kann.

 

Daher sind viele Entwicklungsländer im Nahen Osten wie der Irak, Libanon und Jemen, sowie die Maghrebstaaten Ägypten, Tunesien und Marokko besonders vom Wegbrechen der Lieferungen betroffen. Unter ihnen finden sich auch Länder, die bereits unter Dürren, Konflikten oder Hungersnöten leiden. Im Libanon beispielsweise brannte 2020 der einzige Getreidespeicher des Landes bei der Explosion im Beiruter Hafen ab. Daher kann das Land derzeit nur Reserven für rund einen Monat speichern.

 

Die befragten Menschen möchten sich aktiver an Food-Governance-Prozessen beteiligen. (c) SLE
Ein ukrainisches Weizenfeld. Vor allem die östlichen und südlichen Regionen des Landes haben große Anteile an der nationalen Weizenproduktion. © Unsplash/Polina Rytova 2022

Auch der Weiterverarbeitungssektor in einigen Schwellenländern ist auf Weizenimporte aus der Ukraine und Russland angewiesen. Die Türkei beispielsweise verarbeitet importierten Weizen aus beiden Ländern und exportiert es in Form von Weizenmehl und anderen Weizenprodukten weiter in den Irak, Syrien oder Jemen. Indirekt sind jedoch alle Weizenimporteure weltweit von einer Verknappung des globalen Angebots betroffen, auch, wenn sie bisher keine Lieferungen aus der Ukraine oder Russland bezogen haben.

 

Die globalen Getreidemärkte haben auf den drohenden Ausfall ukrainischer Exporte und die Unzuverlässigkeit möglicher russischer Exporte mit sprunghaften Preisanstiegen für Weizen reagiert. Auf den lokalen Märkten kommt dies in Form von Preissteigerungen an und führt im schlimmsten Fall zu einer rapiden Lebensmittelpreisinflation. Länder wie Ägypten, der Libanon oder Irak melden bereits Verteuerungen von Mehl und Brot. Für die Bevölkerung vor Ort bedeutet dies, dass sie immer größere Teile ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen. Besonders ärmere Gesellschaftsschichten müssen dadurch auf günstigere, möglicherweise weniger nahrhafte Produkte ausweichen oder Mahlzeiten reduzieren.

 

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass der Krieg in der Ukraine die Hungerzahlen um zusätzliche 7-13 Millionen Menschen ansteigen lassen könnte.

 

Je nach Dauer des Krieges könnte diese Zahl sogar auf bis zu 47 Millionen Menschen mehr in Hunger und Armut anwachsen, so das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP). Der Großteil dieser Menschen lebt in Asien, Afrika und dem Nahen Osten.

 

Was jetzt zu tun ist

In der Vergangenheit führten Lebensmittel-Preisanstiege zu vermehrten Unruhen und politischer Instabilität. Bislang versuchen die Regierungen in betroffenen Ländern, Ruhe zu bewahren und Strategien zu finden, um kurz- und mittelfristige Engpässe zu überwinden. Dazu werden alternative Handelspartner etwa in Nord- und Südamerika gesucht, und Lebensmittelreserven freigegeben. Bestimmte Lebensmittel wie Mehl und Brot sind rationiert und deren Preise festgeschrieben.

 

In dieser Situation ist es wichtig, dass die Exportländer weltweit ihre Lebensmittel- und Agrarmärkte offenhalten und die Exportbeschränkungen nicht zu einer weiteren Verknappung verbunden mit einer rapiden Lebensmittelpreisinflation führen. Dies fordern auch die Agrarminister:innen von Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, England und der USA bei ihrem Treffen Anfang März. Des Weiteren verpflichteten sie sich zu einer engen Zusammenarbeit und konkreten Maßnahmen zum Schutze der globalen Ernährungssicherheit.

 

Ein Beitrag des Sektorvorhabens Landwirtschaft (GIZ).

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(c) GIZ

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Indonesien / Borneo, März 2000: Nördlich von Palangkaraya liegen inmitten der verwüsteten Landschaft die Basislager illegaler Holzfäller.(c) Christoph Püschner/Zeitenspiegel

Müssen wir ein neues Ernährungssystem wagen?

Ein Beitrag von Dr. Felix zu Löwenstein (BÖLW)

Ausbleibende Saisonarbeitskräfte und Virenexplosion in Schlachthöfen, steigende Gemüsepreise, Klimakrise - all das macht deutlich, was eigentlich schon seit Jahrzehnten klar ist: unser Ernährungssystem ist zwar hoch produktiv. Es ist aber nicht resilient.

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(c) Welthungerhilfe

5 Fragen an Shenggen Fan: Wo sind die neuen Wege?

Interview mit Shenggen Fan

Kurz vor dem Ausscheiden aus seinem Amt als Generaldirektor des IFPR spricht Shenggen Fan über nötige Reformen und Vorgehensweisen, um die globale Ernährungssicherheit im kommenden Jahrzehnt zu erreichen. Für SEWOH zieht der Agrarexperte Bilanz - was ist nun zu tun?

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(c) Welthungerhilfe

5 Fragen an F. Patterson: Warum mehr Hungernde?

Interview mit Fraser Patterson

Jeden Oktober veröffentlicht die Organisation „Welthungerhilfe“ den Welthunger-Index, mit dem die Hungersituation erfasst wird. Was sind die Trends – und was muss unternommen werden? Fraser Patterson ist Referent für Welternährung und beschäftigt sich mit dem Index.

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(c) Klara Palatova/WFP

Ein Wegweiser: Wo geht es denn hier zum Markt?

Ein Beitrag des World Food Programme

Bis 2050 müssen neun Milliarden Menschen genügend zu essen haben. Als Weltbevölkerung müssen wir mehr Nahrungsmittel produzieren und weniger verschwenden. Das ist auch die oberste Priorität des UN World Food Programme (WFP).

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Der Umbau des Ernährungssystems beginnt und endet mit Vielfalt

Ein Beitrag von Emile Frison und Nick Jacobs (IPES-Food)

Die industrielle Landwirtschaft hat es bisher nicht geschafft, Probleme wie Hunger oder Mangelernährung zu lösen. Sie scheint vielmehr weitere Probleme zu verursachen. Emile Frison und Nick Jacobs fordern einen Umbau des Ernährungssystems und betonen die Schlüsselrolle der Vielfalt.

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(c) GIZ

Landrechte für eine sichere Lebensgrundlage: Mein Land ist mein Leben

Drei Viertel der Weltbevölkerung besitzt keine juristisch abgesicherten Landrechten, was fehlende Investition und mangelnde Innovation begünstigt. Das Projekt "Improvement of Livelihood and Food Security" unterstützt Kleinbauern und Kleinbäuerinnen Land zu erwerben.

Ein Projekt der GIZ

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Ohne Klimaschutz keine Ernährungssicherheit

Ein Beitrag von Michael Kühn (WHH)

Der Klimawandel ist für die Menschen im Globalen Süden längst im Alltag angekommen. Mit welchen Auswirkungen kämpfen die Betroffenen und welche Forderungen ergeben sich daraus für die Klimakonferenz?

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Ein Klima des Hungers: Wie die Klimakrise den Hunger befeuert

Eine Fotoreportage der Agentur Zeitenspiegel

Jeder Temperaturanstieg um einen Grad Celsius erhöht das Konfliktrisiko um zwei bis zehn Prozent. Die Klimakrise ist eine humanitäre Krise, wie die Fotos von Christoph Püschner und Frank Schultze zeigen.

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Wie bekämpfen wir den Hunger in Zeiten der Klimakrise?

Ein Interview mit Martin Frick (WFP)

Die Klimakrise wirkt als Brandbeschleuniger des Hungers. Was muss sich ändern im Kampf gegen den Hunger, und welchen Stellenwert hat humanitäre Hilfe für internationalen Entwicklungszusammenarbeit?

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GFFA wirbt für neuen Blick auf Böden

Ein Beitrag von Journalist Jan Rübel

Auf dem Welternährungsforum (GFFA) 2022 in Berlin dreht sich für fünf Tage alles um Strategien für nachhaltigere Bodennutzung.

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Die Schwarzmeer-Kornkammer in der Krise: Zahlen und Fakten

Eine Infografik von EINEWELT ohne Hunger

Steigende Lebensmittel- und Kraftstoffpreise, physische Zerstörung und Lieferketten-Engpässe: Warum die Schwarzmeer-Region eine entscheidende Rolle spielt, und welche Auswirkungen der Krieg in der Ukraine auf die globale Ernährungssicherheit hat.

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Fünf Fragen an Dirk Meyer

Fünf Fragen an Dirk Meyer

Ein Interview mit Dirk Meyer (BMZ)

Entwicklungszusammenarbeit muss Good Governance und eine Transformation hin zu nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystemen in den Mittelpunkt stellen: Abteilungsleiter Dirk Meyer aus dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ) über Ziele, Leitlinien und priorisierte Handlungsfelder der neuen Leitung.

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Deutsche G7-Präsidentschaft – Mit aller Macht gegen den Hunger 

Ein Beitrag der Welthungerhilfe

Im Vorfeld des G7-Gipfels diskutierten Expert:innen aus Politik und Zivilgesellschft nachhaltige und effektivere Handlungsoptionen der G7-Staaten zur Hungerbekämpfung.

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Ernährungssicherheit ist mehr als nur Produktionsmengen und hohe Erträge

Ein Beitrag von Adrian Muller, Catherine Pfeifer und Jürn Sanders (FiBL)

Die Reduzierung von Schwerpunkten der Biodiversität oder die Aufgabe von ertragsärmeren, extensiveren Produktionssystemen ist der falsche Ansatz zur Bewältigung der drohenden globalen Nahrungsmittelkrise, meinen die Autor*innen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL).

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"Der Erhalt und die Rückgewinnung fruchtbarer Böden sind eine globale Aufgabe."

Ein Interview mit Jochen Flasbarth

Gesunde, ertragreiche Böden sind eine Grundvoraussetzung für die weltweite Ernährungssicherung – einer der Schwerpunkte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Staatssekretär Jochen Flasbarth über die Bemühungen Deutschlands zur Unterstützung einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung.

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Fünf Tipps zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung

Ein Listicle gegen Lebensmittelverschwendung

Ob Bananenbrot aus braunen Bananen, bewusste Einkaufspläne oder Foodsharing: Wir geben euch fünf Tipps wie ihr eure alltägliche Lebensmittelverschwendung reduzieren könnt.

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„Ohne Entwicklung gibt es keinen Frieden"

Interview mit Karina Mroß 

Entwicklungszusammenarbeit - welchen Beitrag leistet sie zur Konfliktprävention? Was kann sie nachhaltig für den Frieden tun? Die Politikwissenschaftlerin Karina Mroß im Gespräch mit Raphael Thelen über Post-Konflikt-Gesellschaften und ihre Chancen auf eine friedliche Entwicklung.

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©WFP/Rein Skullerud

Revolution der humanitären Hilfe

Ein Beitrag von Ralf Südhoff

Ralf Südhoff, Direktor in Berlin für das Welternährungsprogramm, erklärt, warum Finanz-Innovationen Katastrophen zu Krisen reduzieren können. Die Existenz der Betroffenen hängt zunehmend von der rechtzeitigen Intervention oder Risiko-Fonds ab.

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Feministische Entwicklungspolitik – ein Neuanfang?

Ein Interview des Journalisten Jan Rübel

Die kamerunische Gender- und Friedensaktivistin Marthe Wandou über die Rolle von Frauen und Mädchen in der Entwicklungspolitik – damals und in Zukunft.

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Drogen und ihre Auswirkungen auf die Umwelt

Ein Artikel von Jorrit Kamminga

Im diesjährigen Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen wird erstmals deutlich darauf hingewiesen, dass illegale Drogen und umweltschädigende Einflüsse eng miteinander verknüpft sind. In Anbetracht des Klimawandels ist es an der Zeit, die Debatte mit Fakten zu untermauern und die Drogenpolitik grüner zu gestalten.

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Wie hängen Transformation und Krisenintervention zusammen, Herr Dr. Frick?

Ein Interview von Jan Rübel

Seit einem Jahr ist Martin Frick Direktor des WFP-Büros in Berlin - und seitdem jagt eine Hungerkrise die andere. Was sind die Antworten des Diplomaten? Ein Gespräch über Chancen in der Landwirtschaft, das Zusammenspiel multipler Krisen, die Bedeutung von Resilienz und knappere Budgets.

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