Vom Verlust zum sicheren Produkt - Innovationen aus Sambia

In Sambia begegnet man dem Problem der Nachernteverluste in der Erdnuss-Wertschöpfungskette mit innovativen Ansätzen. Das Rapid Loss Appraisal Tool (RLAT) der GIZ kann dabei helfen, weitere solcher Ansätze zu entwickeln.

Ein Landwirt in Sambia bei der Ernte von Erdnüssen © GIZ

Matthias Berthold

Matthias Berthold ist Berater im GIZ Sektorvorhaben Ländliche Entwicklung mit den Schwerpunkten Nahrungsmittelverluste sowie Wasser und Landwirtschaft. Vor seiner Tätigkeit im Sektorvorhaben arbeitete er in Ägypten im Bereich der Bewässerungslandwirtschaft und der Zusammenarbeit mit dem Privatsektor.

Sebastian Köcke

Sebastian Köcke arbeitet als Junior-Berater für die GIZ in den Grünen Innovationszentren für die Agrar- und Ernährungswirtschaft in Sambia. Zuvor war er Teil des GIZ-Sektorvorhabens Nachhaltige Sanitärsysteme und arbeitete als Projektingenieur in der deutschen Privatwirtschaft.

Claudia Witkowski

Claudia Witkowski ist Beraterin im GIZ Projekt der Grünen Innovationszentren für die Agrar- und Ernährungswirtschaft in Sambia, wo sie zur Entwicklung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten arbeitet.

Dr. Natasha Mwila

Dr. Natasha Mwila ist Senior-Beraterin in den Grünen Innovationszentren für die Agrar- und Ernährungswirtschaft in Sambia. Ihr Schwerpunkt liegt auf Nachhaltigkeit und verbesserter Saatgutqualität für die Wertschöpfungsketten Sojabohne und Erdnuss.

 

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

GIZ

Nachernteverluste in den frühen Stufen von landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten sind ein großes Problem, nicht nur, aber besonders in Afrika südlich der Sahara. Die meisten dieser Verluste werden durch ungeeignete Ernte- und Handhabungstechniken oder unzureichende Lager- und Kühleinrichtungen verursacht. Dies kann sich sowohl auf die Menge als auch auf die Qualität der Produktion auswirken. Schimmelpilzinfektionen beispielsweise werden meist durch einen hohen Feuchtigkeitsgehalt verursacht. Sie stellen insbesondere bei Erdnüssen ein gesundheitliches Risiko dar. Aflatoxin, ein durch Pilzbefall verursachtes Gift, ist eines der am weitest verbreiteten Qualitätsprobleme in Erdnuss-produzierenden Ländern. Der Konsum von Aflatoxinen über einen längeren Zeitraum, selbst in geringen Dosen, führt zu Unterernährung, dem Mangelernährung von Kindern, Leberschäden und der Beeinträchtigung des Immunsystems. Die Politik zielt seit langem darauf ab, Aflatoxinkontamination zu kontrollieren, aber Bodenproben weisen immer noch hohe Kontaminationswerte auf, die den Grenzwert um ein Vielfaches übersteigen. Da Aflatoxine beim Kochen nicht abgetötet werden, ist bereits das Vermeiden der Kontaminationen von größter Bedeutung.

 

Ursachen für Nachernteverluste bei Erdnüssen sind auf allen Stufen der Wertschöpfungskette zu finden: von schlechten Praktiken auf dem Feld über unsachgemäße Trocknung, Lagerung und Transport nach der Ernte bis hin zur Verarbeitung der Rohware zu Produkten. Besonders wichtig ist, dass der Feuchtigkeitsgehalt in Erdnüssen niedrig bleibt, um das Wachstum der Schimmelpilze zu verhindern. Die ordnungsgemäße Trocknung ist daher der erste Schritt bei der Nachernteverarbeitung dieser Kultur. Bei den Landwirten ist es üblich, die Erdnüsse auf offenem Boden und Dächern zu trocknen - ohne Schutz vor Regen oder Feuchtigkeit. Schlechte Lagereinrichtungen und unzureichende Verpackung können das Risiko von Pilzbefall und Schädlingsbefall weiter erhöhen. Schließlich kann auch unsachgemäßes oder zu spätes Schälen die Nüsse beschädigen und ein günstiges Umfeld für das Wachstum von Schimmelpilzen schaffen.  

 

Ich bin ein Alternativtext
Verarbeitung und Sortierung von gerösteten Erdnüssen in Chipata Sambia © GIZ / lab of tomorrow

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat das Ausmaß des Problems in Sambia erkannt und liefert Lösungsansätze: In Zusammenarbeit mit dem Sozialunternehmen Community Markets for Conservation COMACO zielt das Projekt Grüne Innovationszentren für den Agrar- und Ernährungssektor in Sambia im Rahmen der SEWOH Initiative auf die Bekämpfung von Nachernteverlusten entlang der Wertschöpfungskette ab. So werden beispielsweise Schulungsmodule für das Nacherntemanagement entwickelt und in die Lehrpläne von Schulen für Bauern und Bäuerinnen integriert sowie in interaktiven Radiosendungen beworben.

 

Durch die Einführung und Demonstration innovativer Techniken und Methoden in Nachernteprozessen werden die Erzeuger:innen geschult und gleichzeitig dafür sensibilisiert, wie sie Verluste vermeiden können. Seit 2015 wurden mehr als 130.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in der Ostprovinz Sambias zur Vermeidung von Aflatoxinen geschult und mehr als die Hälfte (52 Prozent) wenden diese Praktiken bereits an. Darüber hinaus werden mehr als 1,2 Millionen Personen durch wöchentliche Radiosendungen erreicht. In der lokalen Verarbeitungsanlage von COMACO werden die ungeschälten Erdnüsse in mehreren Schritten auf Farbe und Größe geprüft, um schimmelige Früchte auszusortieren und gleichzeitig die Verluste so gering wie möglich zu halten. So können lokale und internationale Verbraucher:innen ein sicheres, hochwertiges Produkt wie Erdnussbutter kaufen und verzehren. Ein weiterer Erfolg: 2020 exportierte COMACO zum ersten Mal 4 Tonnen zertifizierte Bio-Erdnussbutter in die USA.

 

Grüne Innovationszentren - Verwaltung der Nachernte

 

Die ressourceneffiziente landwirtschaftliche Produktion von sicheren Lebensmitteln ist ein wesentlicher Teil unseres Ernährungssystems. Die Reduzierung von Nahrungsmittelverlusten und Lebensmittelverschwendung spielt dabei eine wichtige Rolle. Nachernteverluste mögen  überall sehr präsent sein, die Ursachen für diese Verluste bleiben jedoch oft verborgen und liegen in ganz unterschiedlichen Stufen der Wertschöpfungskette. Ein guter Anfang um Nachernteverluste zu reduzieren ist daher, Problembereiche in einer Wertschöpfungskette zu identifizieren und die Ursachen dafür gemeinsam mit allen Akteuren der Wertschöpfungskette und anderen Expert*innen zu ermitteln. Um diesen Prozess zu erleichtern, hat die GIZ das Rapid Loss Appraisal Tool (RLAT) entwickelt. Als interaktive und partizipative Methode hilft RLAT dabei, ein gemeinsames Verständnis für Nachernteverluste zu schaffen und gleichzeitig Lösungen zu entwickeln. RLAT wurde gerade aktualisiert und kann hier heruntergeladen werden

 

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© Klaus Wohlmann/GIZ

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Ein Projekt des World Resources Institute

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So passen sich Entwicklungsländer besser an Dürren an

Ein Beitrag von Michael Brüntrup (DIE) und Daniel Tsegai (UNCCD)

Dürren sind die Naturkatastrophen mit den weitreichendsten negativen Folgen. Während auch reiche Länder von Dürre noch empfindlich getroffen werden, sind Hungersnöte dort nicht mehr anzutreffen.

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Landrechte, Gender und Bodenfruchtbarkeit in Benin

Ein Beitrag von Dr. Karin Gaesing und Prof. Dr. Frank Bliss (INEF)

Insbesondere in dicht besiedelten Gebieten führt Landdruck zu einer Übernutzung der verfügbaren Flächen und einem Mangel an Konservierung. Das westafrikanische Benin mit vielerorts stark ausgelaugten Böden bildet hierbei keine Ausnahme.

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Der Waldmacher und sein Regisseur

Doppelinterview mit Tony Rinaudo und Volker Schlöndorff

Tony Rinaudo sorgt mit traditionellen Wiederaufforstungsmethoden für Abermillionen von Bäumen in Afrika – und Volker Schlöndorff dreht eine Kinodokumentation über den Australier. Ein Zwischenergebnis: Ein Lehrfilm im Auftrag des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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Der Umbau des Ernährungssystems beginnt und endet mit Vielfalt

Ein Beitrag von Emile Frison und Nick Jacobs (IPES-Food)

Die industrielle Landwirtschaft hat es bisher nicht geschafft, Probleme wie Hunger oder Mangelernährung zu lösen. Sie scheint vielmehr weitere Probleme zu verursachen. Emile Frison und Nick Jacobs fordern einen Umbau des Ernährungssystems und betonen die Schlüsselrolle der Vielfalt.

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