GFFA 2021: Klima und Corona geraten beim Forum in den Fokus

110 Sprecher aus 120 Nationen haben sich auf dem Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) über die Herausforderungen bei der Welternährung ausgetauscht. Sie stellten sich der Frage: Wie können Ernährungssysteme der Gesundheit von Mensch und Planet dienen?

 

Das GFFA fand 2021 aufgrund der COVID-19 Pandemie komplett digital statt. Copyright: BMEL/photothek.de

David Sahay

David Sahay ist Dokumentarfilmer und Journalist für Dokumentationen und Reportagen mit Schwerpunkt China. Nach dem Politikstudium besuchte er die Zeitenspiegel-Reportageschule und arbeitete unter anderem für den Stern, Brandeins und das Greenpeace Magazin, SWR, ZDF und Arte.

In seiner Eröffnungsrede erklärte der Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Uwe Feiler: "Wir müssen Strategien entwickeln, um die Versorgung mit Lebensmitteln überall auf der Welt zu sichern, weitere Pandemien zu unterbinden und die Landwirtschaft widerstandsfähig gegen den Klimawandel zu machen.“ Nur so werde man die jetzige Krise meistern und künftige Krisen verhindern.

 

In den folgenden Diskussionsrunden tauschten sich die Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft online darüber aus, wie diese Strategien aussehen könnten.

 

Dabei wurde schnell klar, dass sich die Hunger-, die Klima- und die Gesundheitskrise kaum getrennt voneinander betrachten lassen. Im ersten Panel wurde etwa die Frage diskutiert, ob und wie der Agrarsektor zur Verhinderung weiterer Pandemien beitragen kann.

 

Martien van Nieuwkoop, Direktor für Globale Landwirtschaft und Ernährung der Weltbank, hatte darauf eine eindeutige Antwort: „Wir glauben, das Ernährungssystem kann der Gesundheit der Menschen und auch der Gesundheit des Planeten dienen.“ Dafür müsse sich das System aber grundlegend weiterentwickeln. Neben wirtschaftlichen Anreizen würden dabei vor allem Innovationen eine maßgebliche Rolle spielen.

 

Innovationen waren auch das prägende Thema bei der Diskussionsrunde der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). So erläuterte Thoko Didiza, Ministerin für Landwirtschaft, Landreform und ländliche Entwicklung der Republik Südafrika, ihren Kollegen, mit welchen innovativen Methoden man in Südafrika die Verbreitung von Viren in Tieren überwacht und kontrolliert. Und Christian Hofer, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft der Schweizerischen Eidgenossenschaft, skizzierte eine Datenbank zur Nachverfolgbarkeit landwirtschaftlicher Tiere in der Schweiz.

 

„Die Wissenschaft bietet die Lösung, die Politik muss sie umsetzen“, FAO-Generalsekretär Qu Dongyu

 

Erik Fyrwald als Vorsitzender der Geschäftsleitung der Syngenta Group, ein Anbieter von landwirtschaftlichen Lösungen, lieferte ein Beispiel für Innovationen im Agrarsektor aus China: Dort habe man in den letzten drei Jahren rund 320 Kartenzentren für Landwirte eingerichtet. In diesen Zentren bekämen die Bauern Informationen über modernes Saatgut, Pestizide und Düngemittel. Das habe schnell zu produktiveren und klimafreundlicheren Anbaumethoden geführt. In den nächsten drei Jahren sollen deshalb rund 1000 weitere Kartenzentren entstehen. „Die Wissenschaft bietet die Lösung, die Politik muss sie umsetzen“, erklärte FAO-Generaldirektor Qu Dongyu. Auch in Europa werde man grüne Technologien brauchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

 

Agrarministerin Julia Glöckner auf der digitalen Agrarministerkonferenz. Copyright: BMEL/photothek.de

Auch bei der Diskussionsrunde der EU-Kommission ging es darum, wie es gelingen kann, den Agrarsektor näher an die Klimaneutralität heranzuführen und klimaresistenter zu machen, ohne das globale Ernährungssystem zu destabilisieren. Die kanadische Ministerin für Landwirtschaft und Agri-Food Marie-Claude Bibeau erklärte, dass die Pandemie in Kanada offenbart habe, dass kein Land es sich leisten könne, die lokale Produktion von Lebensmitteln außer Acht zu lassen und sich nur auf deren Verarbeitung konzentrieren sollte. In Kanada habe man das Jahr der Pandemie zudem als Chance gesehen, die Wirtschaft grüner zu machen. „Auch wir müssen uns anpassen, wir wissen ja, was kommt.“

 

Ihr australischer Kollege Jonathan Duniam, stellvertretender Minister für Fischerei und Forstwirtschaft, erklärte, dass man in Australien bereits erste Ansätze für Lösungen erarbeitet hat. So habe ein neuer Futterzusatz beispielsweise ermöglicht, die Methan-Emissionen in der Tierhaltung um bis zu 90 Prozent zu verringern. 48 Prozent der australischen Landwirte würden mittlerweile algenbasierte Pestizide nutzen.

 

Elizabeth Nsimadala, Präsidentin der Pan Africa Farmers Organization (PAFO), betonte, wie wichtig es sei, solche erfolgreiche Maßnahmen zu dokumentieren und auch in andere Länder zu übertragen. „Aus unserer Perspektive ist es dringend notwendig, dass wir Synergien zustande bringen.“

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Nicht auf einen Retter warten

Von Lidet Tadesse

Während Afrika bislang die am wenigsten von Covid-19 betroffene Region war, steigen jetzt die bestätigten Infektionszahlen und Todesfälle schnell. Ungeachtet der enormen Herausforderungen, mit denen viele afrikanische Länder weiterhin kämpfen, zeugt die afrikanische Antwort auf die Coronavirus-Pandemie von Innovativität und Einfallsreichtum.

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