“Corona entlarvt die Schwächen unserer Ernährungssysteme”

Die Vereinten Nationen planen einen Gipfel zu Ernährungssystemen - und nun bestimmt das Corona-Virus die Agenda. Der Chefökonom des UN-Welternährungprogramms zieht eine aktuelle Bilanz. Ein Gespräch mit Jan Rübel über Pandemien, die Chromosomen der Entwicklung – und über die Konflikte, die sie hemmen.

Vor einem Krankenhaus in Liberia kontrolliert ein Mitarbeiter mit einem Infrarot-Thermometern die Temperatur der ambulanten Patienten. Photo: Christoph Püschner/Diakonie Katastrophenhilfe
Vor einem Krankenhaus in Liberia kontrolliert ein Mitarbeiter mit einem Infrarot-Thermometern die Temperatur der ambulanten Patienten. Photo: Christoph Püschner/Diakonie Katastrophenhilfe

Dr. Arif Husain

(c) World Food Programe

Dr. Arif Husain ist Chefvolkswirt und Direktor des Dienstes für Analysen und Trends zur Ernährungssicherheit beim Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) in Rom. Er kam 2003 zum WFP und war seither in vielen leitenden Positionen sowohl vor Ort als auch im Hauptquartier tätig. Er hat auch für die Weltbank gearbeitet und am Hubert H. Humphrey Institute of Public Affairs gelehrt. Husain konzentriert sich bei seiner Arbeit auf die Analyse der Ernährungssicherheit und der Wohlfahrtsbedingungen in Entwicklungsländern. Zu seinen Forschungsinteressen gehören die Anwendung von Informationstechnologien zur Verbesserung der humanitären Hilfe und das Verständnis der Zusammenhänge zwischen Armut, Hunger, Konflikten und Migration. Er hat an der Universität von Minnesota in Landwirtschaft und angewandter Wirtschaft mit Nebenfach Forstwirtschaft promoviert.

 

Herr Husain, 2021 findet der Food Systems Summit statt – ein Gipfel über Ernährungssysteme. Welche Auswirkungen wird Corona auf das Treffen haben?

Der Corona-Virus ist ein Weckruf für die Welt! Er hat die Schwächen unserer gegenwärtigen Ernährungssysteme entlarvt: Wenn sie effizient funktionieren würden, könnten sie allen Menschen angemessenen Zugang zu erschwinglichen Nahrungsmitteln gewährleisten. Aber das ist nicht der Fall, und tatsächlich ist der Hunger in den letzten vier Jahren weiter gestiegen. Dieser Gipfel bietet die Gelegenheit anzuerkennen, dass die Ernährungssysteme die X- und Y-Chromosomen der Entwicklung für die meisten landwirtschaftlichen Gesellschaften sind. Ohne diese werden sie auch in Zukunft anfällig für die schwerwiegenden Auswirkungen von Krankheiten bleiben, dazu gehört auch der Coronavirus.

 

In Afrika trifft der Virus auf schwache Gesundheitssysteme und schnell wachsende Volkswirtschaften. Was befürchten Sie für den Sommer?

Ich mache mir Sorgen um arme Länder auf der Südhalbkugel, wo der Winter und die Grippesaison langsam näher rücken. Denken Sie an das südliche Afrika, wo es mehrere arme Länder mit einer armen und chronisch hungrigen Bevölkerung gibt! Die Leute haben in den letzten Jahren besonders viele Naturkatastrophen und Krankheiten überlebt. Die Gesundheitssysteme sind nicht in der Lage, einer Gesundheitskrise von derart großem Ausmaß angemessen zu begegnen. Der Coronavirus droht zu einer Katastrophe zu werden, es sei denn, die internationale Gemeinschaft kommt mit den regionalen Regierungen zusammen und hilft bei der Entwicklung und Umsetzung einer umfassenden Strategie, mit der die Krankheit und ihre wirtschaftlichen Folgen – die noch schlimmer sein könnten als die Krankheit selbst – bewältigt werden können.

 

Ich glaube, dass die meisten Menschen überhaupt nicht verstehen, was mit Ernährungssystemen gemeint ist.

 

Können Sie bereits abschätzen, wie das Virus die Entwicklungszusammenarbeit verändern wird?

Das bleibt abzuwarten. Wir sind in einer völlig neuen Situation. Der Coronavirus verursacht sowohl eine Krise auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite, und zwar so gleichzeitig und in einem so globalen Ausmaß, dass es wirklich beispiellos ist. Diese Krise verdeutlicht, wie notwendig stärkere Entwicklungszusammenarbeit ist, weil unsere Welt so vernetzt ist wie nie. Wir brauchen eine gemeinsame Lösung für ein globales Problem, die damit beginnen muss, eine erschwingliche Behandlung für alle Menschen – unabhängig davon, wo sie leben – verfügbar zu machen. Doch bis dahin geht es darum, Leben zu retten und auch Lebensgrundlagen zu schützen.

 

Sehen Sie die Gefahr, dass die Menschen das Interesse am Thema "Ernährungssysteme" verlieren?

Ich glaube nicht, dass die meisten Menschen überhaupt verstehen, was mit Ernährungssystemen gemeint ist. Aber sie kennen die Bedeutung von qualitativ hochwertigen und erschwinglichen Nahrungsmitteln auf dem Markt. Wir laufen nur Gefahr, dass die Menschen das Interesse an Ernährungssystemen verlieren, wenn wir nicht in der Lage sind, klar zu erklären, was wir unter Ernährungssystemen verstehen.

 

Und wo positioniert sich WFP innerhalb des Prozesses?

Zusammen mit den anderen in Rom ansässigen Ernährungsorganisationen – der Food and Agricultural Organization (FAO) und dem International Fund for Agricultural Development (IFAD) – stehen wir voll und ganz hinter dem Gipfel. Er ist ein Schritt in die richtige Richtung. Unser Ziel ist es, die Menschen nicht nur zu ernähren, sondern tatsächlich den Hunger zu beenden. Und das langfristig. Dabei geht auch darum, Armut zu beseitigen: 80 Prozent der Menschen, über die wir sprechen, leben in ländlichen Gebieten, und viele sind von Ernährungssystemen abhängig, die nicht funktionieren. Wenn wir also nicht dazu beitragen, diese Ernährungssysteme von allen Seiten einschließlich Produktion, Konsum, Ernährung, Angebot und Nachfrage zu verbessern, damit genügend erschwingliche Nahrungsmittel zur Verfügung stehen, werden wir bis 2030 keine Welt ohne Hunger erreichen können. Also: Ja, das ist uns sehr wichtig.

 

Momentaufnahme aus dem Niger: Es gibt nicht genug zu Essen für alle. Photo: Christoph Püschner/Brot für die Welt
Momentaufnahme aus dem Niger: Es gibt nicht genug zu Essen für alle. Photo: Christoph Püschner/Brot für die Welt

 

Was muss passieren, damit dieser Gipfel nicht einfach ein weiteres Event ist?

Mein Gefühl ist ein wenig anders als das anderer. In einer globalisierten und vernetzten Welt sind Aktionen und Reaktionen nicht mehr am selben Ort. Es geht darum, sich von der Idee von „es ist das Problem von jemand anderem“ oder „das ist das Problem von Afrika“ zu lösen. Wir haben kollektive Probleme. Wenn wir das verstehen, können wir auch über kollektive Lösungen sprechen. Daher muss man mit den nationalen Regierungen und nationalen Institutionen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass das, was getan wird, auch wirklich nachhaltig ist.

 

Welche Rolle übernimmt WFP, um zu einer Welt ohne Hunger beizutragen?

WFP befindet sich in dieser Hinsicht in einer einzigartigen Position. Wir arbeiten sowohl auf der Nachfrageseite als auch auf der Angebotsseite. Wir leisten einerseits jährlich Ernährungshilfe für 80 bis 90 Millionen Menschen. Andererseits haben wir 2018 Nahrungsmittel im Wert von 1,6 Milliarden US-Dollar gekauft – davon etwa 600 Millionen in Afrika. Wir sind also auch auf der Angebotsseite aktiv, was bedeutet, dass wir in ländlichen Gemeinschaften nicht nur Menschen helfen, sondern auch mit Millionen Bauern zusammenarbeiten, um ihre Lieferketten zu verbessern und sie beispielsweise in Märkte und den produktiven Wirtschaftskreislauf einzubinden. Das ist ein großer Wettbewerbsvorteil des WFP im Vergleich zu unseren Partnern.

 

Also, sollten die anderen mehr auf Sie hören?

Wir sollten alle auf einander hören und zusammenkommen. Deshalb sind Partnerschaften so wichtig. Und deshalb sollten wir den Privatsektor, die Regierungen, die lokalen Gemeinschaften und das UN-System einbeziehen. Was immer dann konzipiert wird, wird ganzheitlich sein: Es gibt viele Beispiele von Ländern, die seit Jahrzehnten Hunger und Armut überwunden haben. Sie können sich Japan, Südkorea, China, Ecuador, Ghana oder Ruanda anschauen. Wir können von ihnen lernen. Die Maßnahmen, die sie getroffen haben, sind mein Rezept.

 

Heute gehen 821 Millionen Menschen hungrig zu Bett,
unabhängig von irgendwelchen Schocks, das ist einfach ihr Leben.

 

Was steht in dem Rezept?

Es besteht aus fünf Zutaten. Nummer eins ist die Investition in die Stärkung der Frauen: Sie stellen 50 Prozent der Arbeitskräfte im Agrarsektor – wenn man nicht in sie investiert, arbeitet man mit einem halben Körper. Zweitens muss in die bessere Ernährung von Kindern investiert werden, insbesondere in den ersten tausend Tagen. Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die in diesem Zeitraum nicht ausreichend ernährt wurden, es äußerst schwierig haben, ihr volles Potenzial als Erwachsene zu erreichen, auch in der Produktivität. Die dritte Sache ist die Investition in Bildung und Ausbildungen. Wir leben jetzt im Zeitalter der Automatisierung, des 3D-Drucks und der künstlichen Intelligenz. Wenn also die Arbeitskräfte in Afrika oder Asien nicht bereit dafür sind oder die Arbeiten, für die sie ausgebildet waren, jetzt von Maschinen erledigt werden, was passiert dann mit ihnen? Deshalb sind Bildung und Ausbildungen im 21. Jahrhundert von entscheidender Bedeutung. Der vierte Faktor ist meiner Meinung nach die Investition in ländliche Infrastruktur, also der Bau von Straßen, Verbreitung von Elektrizität und Internet – also dem ländlichen Raum das geben, was Städte schon haben. Und die letzte Zutat ist, Geld in Gemeinden, in Grassroots zu investieren. Genau wie in reichen Ländern, wenn es eine Rezession gibt und arme Menschen mit Steuermitteln unterstützt werden, weil man weiß, dass sie dieses Geld ausgeben, was dann Wachstum und Beschäftigung wieder ankurbelt – das gleiche gilt für arme Länder und Regionen.

 

Und glauben Sie, dass all dies in zehn Jahren realisiert werden kann? 2030 kommt immer näher ...

Wahrscheinlich kann das nicht in zehn Jahren überall auf der Welt umgesetzt werden. Aber können wir dadurch in eine bessere Situation geraten, als wir jetzt gerade sind? Auf jeden Fall. Schauen Sie sich China an, wie es über eine Milliarde Menschen aus der Armut befreit hat. Oder denken Sie an Burundi und Ruanda, die vor 25 Jahren noch im gleichen Zustand waren: Heute ist Burundi immer noch etwa dort, wo es vor 25 Jahren war, während Ruanda weit voraus ist – wie ist es dazu gekommen? Natürlich funktioniert es nur mit politischer Stabilität, politischem Willen und guter Regierungsführung!

 

Aber in den letzten Jahren hat der weltweite Hunger tatsächlich zugenommen ...

Hier liegt das Problem. Und das ist der traurige Teil. Heute gehen 821 Millionen Menschen hungrig zu Bett, unabhängig von irgendwelchen Schocks, das ist einfach ihr Leben. Wir nennen das chronischen Hunger. Es gibt weitere 113 Millionen Menschen, die unter irgendeiner Art von Schock leiden, etwa Konflikte, Kriege, Dürren, Erdbeben. Beide Zahlen nehmen zu! Die große Mehrheit von ihnen lebt in Ländern, die von Konflikten betroffen sind. Es gibt weltweit 149 Millionen Kinder, die ernährungsbedingt zu klein für ihr Alter sind. Rund 75 Prozent von ihnen leben in Konfliktländern. Wir geben 80 Prozent unserer Ressourcen in Konfliktländern aus. Ohne Konflikte zu lösen, lösen wir auch den Hunger nicht.

 

Was können reiche Länder tun, um Konflikte in armen Ländern zu entschärfen?

Nun, sie können mehr tun. Im Jahr 2018 unterzeichneten sie die UN-Resolution 2417. Das war das erste Mal seit 70 Jahren, dass der Sicherheitsrat zusammenkam und vereinfacht sagte: Ja, Konflikte verursachen Hunger, und ja, hungernde Menschen sind ein Kriegsverbrechen. Es wird nun klar anerkannt, dass wir globale Konflikte lösen müssen, weil die Folgen dieser Konflikte auch die reichen Länder betreffen. Aktion und Reaktion sind nicht mehr am selben Ort ...

 

Dürrekatastrophe in Somalia: Flüchtlinge warten auf die Verteilung von Reisrationen. Photo: Christoph Püschner/Spiegel
Dürrekatastrophe in Somalia: Flüchtlinge warten auf die Verteilung von Reisrationen. Photo: Christoph Püschner/Spiegel

 

Was könnte man also tun?

Zunächst brauchen wir politisches Engagement, um Konflikte zu beenden. Und wenn Konflikte gelöst sind, müssen wir den Menschen in ihren eigenen Ländern oder Regionen weiterhin helfen. Wir haben in diesem Bereich so viel Arbeit geleistet: Weltweit gesehen verlassen die Menschen nicht gerne ihre Heimat. Wenn sie gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen, dann sind sie lieber in der Nähe ihrer Heimat. Daher sollten sie unterstützt werden, wenn sie in der Nähe ihrer Heimat sind, zum Beispiel in den Nachbarländern – denken Sie an Flüchtlinge, die den Südsudan verlassen und nach Uganda kommen, oder an Syrer, die in den Libanon und nach Jordanien einreisen. Helfen Sie ihnen dort! Es ist billiger, und es ist das, was sie wollen.

 

Konflikte werden von Männern ausgetragen. Sollen die nächsten zehn Jahre die Jahre der Frauen werden?

Ja, Konflikte sind Männer mit Waffen! Frauen gehen zuhause und am Arbeitsplatz anders mit Konflikten um. Wir als Weltgemeinschaft können es uns nicht leisten, ständig den Preis für Kriege zu zahlen, die heute oft generationenübergreifend sind. Ja, ich bin also durchaus bereit, Frauen eine Chance zu geben.

 

Nicht nur der weltweite Hunger hat zugenommen – auch die Ernährungsunsicherheit hat zugenommen. Welchen Impuls sollte der Gipfel für Ernährungssysteme also geben?

Mein Gefühl ist, dass wir aufhören müssen, über den Klimawandel zu debattieren und anfangen müssen, über die tatsächlichen Auswirkungen des Klimawandels vor Ort zu sprechen. Heute gibt es jedes Jahr etwa 213 Klimaschocks, verglichen mit 100 Klimaschocks vor etwa 20 Jahren. 51 Länder verzeichnen entweder einen verfrühten oder verspäteten Beginn der Anbauzeit oder die Länge dieser Saison schrumpft insgesamt. Das ist wichtig, denn wenn Sie etwa ein Kleinbauer sind, der im April gesät hat, jetzt aber erst im Mai oder Juni Regen fällt – was passiert dann mit Ihrem Saatgut? Nehmen wir an, Sie hätten Saatgut verwendet, das in vier Monaten zur Ernte reift, die Saison jetzt aber nur noch drei Monate dauert – was passiert dann mit Ihrer Ernte? Können Sie ein zweites Mal pflanzen oder neue Saatgutsorten verwenden? Für einen kleinbäuerlichen Subsistenzlandwirt ist das sehr schwierig. Das sind die echten Auswirkungen, die man da draußen jetzt schon spürt. Das müssen wir lösen. Das ist das Wichtigste, um die Ernährung zu sichern. Die Ernährungssysteme müssen sich verändern.

 

 

Gibt es ein gemeinsames Verständnis darüber, was mit einer Transformation der Ernährungssysteme gemeint ist?

Nicht überall, aber die Menschen sagen vielleicht nicht „Transformation der Ernährungssysteme“, sondern nennen es „Anpassung an den Klimawandel“. Unterm Strich müssen wir die Dinge anders angehen, weil sich das Wetter verändert. Es gibt etwas, das wir tun können: In den siebziger Jahren waren die Menschen besorgt, dass uns die Nahrung ausgehen würde, und das war nicht der Fall. In den neunziger Jahren hatten wir Angst, dass uns das Öl ausgehen würde, aber das ist nicht eingetreten. Der Punkt ist, dass wir, wenn wir jetzt handeln, nicht nur heute Leben retten, sondern uns auch auf das vorbereiten können, was in 20 Jahren kommen könnte. Der zweite Punkt ist, dass wir meiner Meinung nach der Verschwendung von Nahrungsmitteln nicht genug Aufmerksamkeit schenken. Weltweit produzieren wir jedes Jahr vier Milliarden Tonnen Lebensmittel. Davon wird ein Drittel verschwendet. Diese Verschwendung kostet jedes Jahr 750 Milliarden US-Dollar, und da sind die Umweltkosten der Nahrungsmittelabfälle noch nicht eingerechnet. Forschungsergebnisse zeigen, dass durch die Verschwendung von Nahrungsmitteln Treibhausgase etwa im Äquivalent von 3,3 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt werden, damit wäre Nahrungsmittelverschwendung auf Platz drei nach den USA und China. Sie verbraucht etwa 250 Kubikkilometer Wasser, was dem dreifachen Volumen des Genfer Sees entspricht. Und wir nutzen 28 Prozent unserer gesamten landwirtschaftlichen Fläche für die Produktion von Nahrungsmitteln, die wir wegwerfen. Nahrungsmittelverschwendung ist unpolitisch. Warum sprechen wir also nicht über Nahrungsmittelverschwendung auf die gleiche Weise wie über den Klimawandel? Warum haben wir keine großen Kampagnen zu diesem Thema?

 

Die Ernennung von Agnes Kalibata als Sondergesandte für den Gipfel wurde von mehreren NGOs kritisiert. Zu Recht?

Nun, ich weiß es nicht. Ich halte sie für eine besonnene und engagierte Person, ich habe sie mehrmals getroffen. Sie hat sicher die Expertise. Ich bin kein Politiker, aber ich sage: Geben wir ihr eine faire Chance. Ehrlich gesagt, das ist für niemanden eine einfache Sache. Es ist übrigens nicht die Person, die Erfolg hat – es ist das Team hinter der Person, das Erfolg hat. Vorhin haben wir gesagt, dass Frauen Dinge besser machen können. Jetzt ist also Agnes an der Reihe.

 

Sind Sie immer noch optimistisch im Kampf gegen den Hunger?

Das bin ich, aber wir müssen viel Aufmerksamkeit für die Tatsache erregen, dass Hunger in einer vernetzten und globalisierten Welt fundamental falsch ist. Es gibt keinen Grund, warum er existieren sollte. Was mich auch beunruhigt: Es gibt viel mehr Konflikte als 2003. Ich erinnere mich daran, als der damalige WFP-Exekutivdirektor einen Test durchführen wollte, um zu sehen, ob wir in drei Notfällen der Stufe 3 gleichzeitig helfen könnten. Alle fragten: „Was stimmt mit ihm nicht? Das wird nie passieren“. Letztes Jahr hatten wir über sieben L3-Krisen.

Folgen der Dürrekatastrophe in Somalia: Dieses Flüchtlingskind leidet an Diarrhöe. Photo: Christoph Püschner/Der Spiegel
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