„Aus Soja lässt sich mehr machen, als nur Mehl“

Tata Bi ist eine Frau, die es geschafft hat. Sie betreibt ihr eigenes Business, sie ist finanziell unabhängig. Sie ist bereit, ihren Erfolg mit anderen zu teilen und weiterzugeben.

Babynahrung auf Sojabasis. (c) Johanna Steinkühler/GIZ

Johanna Steinkühler

Johanna Steinkühler ist Expertin zum Thema Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und arbeitet bei der GIZ in dem Globalvorhaben Grüne Innovationszentren in der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Togo.

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

GIZ

Die 67-Jährige lebt in den Bergen im Landesinneren von Togo. Hihéatro, eine Kleinstadt. Zwei Frauen sitzen vor einer Kochstelle im Hinterhof. Sie kochen in großen Töpfen Sojamilch. Eine von Ihnen ist Yawa Enyonam Akogo (Tata Bi genannt). Ein freundliches Lächeln zur Begrüßung, eine entspannende, ruhige Atmosphäre. Der Hinterhof wirkt wie eine Oase abseits des trubeligen Straßenlärms. Es riecht nach Zitronengras und Minze. Zunächst wird den Gästen ein Glas heiße Sojamilch mit Minze gereicht. Ob ein Heißgetränk bei tropischen Temperaturen von über 30 Grad genau das Richtige ist, um den Körper abzukühlen? Die Minze macht´s.

 

Hinterhofidylle. (c) Johanna Steinkühler/GIZ

Tata Bi hält sich zunächst im Hintergrund. Nach wenigen Minuten weichen Schüchternheit und Zurückhaltung. Während sie in der Sojamilch rührt, erzählt sie ihre Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte: Vor 30 Jahren ist Tata Bi auf Soja aufmerksam geworden. Kein Wunder, wird doch rundherum um ihren Heimatort Soja angebaut. Ein Saisongeschäft. Einmal im Jahr wird geerntet, einmal im Jahr gibt es Geld aus dem Verkauf der Bohnen. Das reichte Tata Bi nicht. Sie möchte etwas bewegen. Sie sei eine Geschäftsfrau, erzählt sie, dynamisch und mit immer neuen Ideen. Gestenreich berichtet sie, wie sie mit Soja ein neues Geschäftsfeld kreierte und gleichzeitig Arbeit für andere Frauen in der Kleinstadt schuf.

 

Und wie? „Aus Soja lässt sich ja mehr machen, als nur Mehl“, so die Selfmade-Unternehmerin. Die Sojabohne ist eine natürliche Ackerfrucht, aus der man ein Menge Lebensmittel herstellen kann. Also startete sie erst alleine, dann mit einigen anderen Frauen einen kleinen Weiterverarbeitungsbetrieb, der den Frauen ganzjährig eine zusätzliche Einnahmequelle neben dem Verkauf der Sojabohnen bietet.

 

Die eiweiß- und ölhaltige Hülsenfrucht Soja bietet vielfältigste Möglichkeiten, um den täglichen Nahrungsplan variantenreich zu erweitern. Tata Bi und ihre Frauen backen Sojabrot aus den Lehmöfen, produzieren köstlichen Sojakäse, der sich mit Paprika und Zwiebeln auf Grillspießen besonders gut kombinieren lässt, Sojarührei, Sojakäse-Sandwiches, oder süße Krapfen. Ein Paradies für Veganer.

 

Tata Bi. (c) Johanna Steinkühler/GIZ

Wie all diese Produkte hergestellt werden, hat sie in mehreren Schulungen des Grünen Innovationszentrums gelernt. Dabei ging es übrigens auch um Babynahrung – denn Sojamehl dient hierfür als hervorragende Grundlage. Dieses packt Tata Bi nun gemischt mit weiteren vitaminreichen Cerealien wie Hirse in Beutel ab und verkauft diese. Die neuen Produkte entwickelt Tata Bi zusammen mit den vier Frauen und zwei Männern, die inzwischen bei und mit ihr arbeiten: Das ist längst nicht alles: Die Unternehmerin führt Schulungen durch, vermittelt ihr Wissen via Lokalradio an andere Frauen. So ist neben dem Lehmofen ein kleines Soja-Weiterbildungszentrum mit den Schwerpunkten Entrepreneurship und Weiterverarbeitung in ihrem Hinterhof entstanden. Einen Teil ihrer Einnahmen investiert Tata Bi in ihr wachsendes Unternehmen – etwa Anfang 2020 in eine Waschstation zur Einhaltung von Hygienestandards.

 

Dennoch ist Soja noch lange kein Konkurrenzprodukt zu Weizen oder Fleisch. Dafür ist Soja als Lebensmittel für den Eigenbedarf noch zu unbekannt und im Vergleich zu diesen Produkten auch zu teuer. Um in der Gesellschaft ein zusätzliches Lebensmittel zu etablieren, unterstützt das Grüne Innovationszentrum 1088 Frauenorganisationen und Unternehmerinnen im ganzen Land bei der Soja-Weiterverarbeitung (und 6957 Soja-Produzentinnen). Mit Seminaren zu Entrepreneurship und Videos über die Herstellung von Lebensmitteln auf Soja-Basis soll den Frauen geholfen werden, Ihre Produkte zu vermarkten, um damit die Nachfrage nach lokalen Sojaprodukten zu steigern und ganzjährlich ein Einkommen zu erzielen.

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