Grünes aus dem Wachstumscontainer

Wenn es an fruchtbaren Böden und Regen mangelt, bricht schnell Hunger aus. Mit Hydrokulturen können Bauern und Viehhirten gemeinsam dem Klimawandel begegnen.

Die Ziegen der Sahrauis-Flüchtlinge sind dank besserer Futterpflanzen gesünder und geben mehr Milch – eine wichtige Nährstoffquelle für die Familien. © Nina Schroeder/World Food Programme

Maria Smentek

(c) Privat

Maria Smentek Smentek ist Communications Officer im Berliner Büro des World Food Programme (WFP) der Vereinten Nationen. Im Zentrum der Kommunikationsarbeit von WFP Berlin stehen humanitäre Krisen, Entwicklungsprogramme und Innovationen im Kampf gegen Hunger.

 

UN World Food Programme (WFP)

World Food Programme

Klimakatastrophen – vor allem Dürren – waren 2017 allein in 23 Staaten Auslöser von Ernährungskrisen. 39 Millionen Menschen leiden dort akut Hunger. Zwei Drittel der betroffenen Länder liegen in Afrika. Familien verlieren durch extreme Trockenheit oder sintflutartige Regenfälle ihre Lebensgrundlagen und die Perspektive, in ihrer Heimat zu bleiben. Zugleich wird die Konkurrenz um knappe Ressourcen immer größer – und gefährlicher. Hydrokulturen sind ein innovativer Ansatz, mit dem Bauern und Viehhirten gemeinsam dem Klimawandel begegnen können.

 

Inmitten der Wüste konnten die Menschen ihre Tiere bisher nur sehr schlecht ernähren. Darum startete Taleb Brahim sein Pilotprojekt. Das Ergebnis: frisches Gerstengras aus der Hydrokultur.

In der algerischen Wüste übersteigen die Temperaturen in manchen Monaten 50 Grad. An traditionelle Landwirtschaft ist unter diesen Bedingungen nicht zu denken. Entsprechend schlecht ist die Ernährungssituation von zehntausenden Flüchtlingen aus Westsahara. Mangelernährung ist unter den Sahrauis weit verbreitet. Zwar können Grundnahrungsmittel wie Hülsenfrüchte und Reis in den Depots des World Food Programme gelagert werden, Gemüse, Obst oder andere frische Produkte würden sich dort allerdings nicht halten. Und um diese Produkte zu kaufen, fehlt den Familien das Geld.

 

Viele Familien füttern Müll oder Pappe, weswegen die Hälfte der Tiere kurz nach der Geburt stirbt

 

Die traditionelle Nährstoffquelle der Sahrauis sind ihre Ziegen – ihre Milch, ihr Fleisch. Doch wo die Menschen kaum Nahrung finden, können auch Tiere nicht artgerecht versorgt werden: Viele Familien füttern Müll oder Pappe, weswegen die Hälfte der Tiere kurz nach der Geburt stirbt, die übrigen produzieren kaum Milch und ihr Fleisch steht im Verdacht, Krankheiten zu verursachen. Ein Teufelskreis, den Taleb Brahim durchbrechen wollte.

 

Mit Hilfe des WFP Innovation Accelerator-Pogramms hat er ein Hydrokultur-System entwickelt, mit dem die Sahrauis Gerstengras für ihre Ziegen anbauen können. In geschlossenen Containern wächst Grünfutter in einer Nährlösung, ohne dass Erde benötigt wird und mit nur minimalem Wasserverbrauch. Die notwendige Energie kommt von Solarzellen. Die High-Tech Lösung wurde an die verfügbaren Materialien und Ressourcen der Sahrauis angepasst.

 

Den Tieren bekommt das Futter und die Familien profitieren enorm: Ihre Tiere sind gesünder und geben mehr Milch. WFP hat so einen gangbaren Weg gefunden, die Ernährung der Sahrauis nachhaltig zu verbessern und Mangelernährung zu bekämpfen.

 

Hydrokulturen als Antwort auf den Klimawandel

 

In diesem solarbetriebenen Container startete das Pilotprojekt – mitten in der algerischen Wüste.

 

Auch in anderen Kontexten können Hydrokulturen eine Lösung sein: In den Wüsten-Slums von Lima, der peruanischen Hauptstadt, können Frauen so auf engstem Raum Gemüse anbauen und was sie nicht selbst brauchen gewinnbringend verkaufen. Auch in Jordanien, einem der trockensten Länder der Erde und Aufnahmeland für über 650.000 syrische Flüchtlinge, sollen Hydrokulturen die Ernährung der Menschen verbessern.

 

Es ist das erste Mal, dass Hilfsorganisationen in Nordafrika und im Mittleren Osten diese Technik einsetzen und wie es aussieht kann sie eine der Antworten auf den Klimawandel sein.

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