Das graue Gold

Mit dem Cashew-Rat ist erstmals eine internationale Organisation für einen Rohstoff mit Sitz in Afrika entstanden. Die Branche verspricht sich Fortschritte bei der Weiterverarbeitung von Cashew-Kernen - und Antworten auf den Klimawandel

Ich bin ein Alternativtext
Getrocknete Cashewkerne noch in der verholzten Nussschale. © GIZ

Von Maria Schmidt

Maria Schmidt studierte Politikwissenschaft und hat in ihrem deutsch-französischen Studium an der Sciences Po Bordeaux und Universtät Stuttgart bereits früh einen Schwerpunkt auf Entwicklungszusammenarbeit und Politikanalyse in Subsahara-Afrika gelegt. Dies führte sie zunächst ins Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, dann zur Friedrich Ebert Stiftung in Benin und zuletzt zur GIZ in Ghana.

 

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Jeder zweite Cashew-Kern kommt aus Afrika, damit ist der Kontinent heute der größte Produzent von Cashews weltweit. Der Großteil dieser Produktion wird durch 1,5 Millionen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen erzeugt. Cashew spielt somit eine zunehmend wichtige wirtschaftliche Rolle in den Erzeugerländern. 2016 mündete diese zunehmende Bedeutung in der Gründung des Internationalen Cashew-Rats, dem CICC (Consultative International Cashew Council), in der Elfenbeinküste. Erstmals gründete sich eine Organisation für Agrarrohstoffe auf Initiative afrikanischer Produktionsländer.

(c) Steffen Kugler/World Vision
Die Weiterverarbeitung von Cashewkernen verlangt sehr viel Handarabeit, aber auch teilmechanisierten Verfahren.

 

Landwirtschaft spielt in Afrika eine besondere Rolle. Zwei Drittel der afrikanischen Bevölkerung ist in diesem Sektor beschäftigt und macht ihn zum größten Arbeitgeber des Kontinents. Die meisten afrikanischen Länder stehen vor der Herausforderung, den Landwirtschaftssektor nachhaltig und zukunftsgewandt zu gestalten. Die ländliche Bevölkerung und vor allem der Jugend, die knapp 60 Prozent ausmacht, brauchen Perspektiven.

 

Der Anbau und die Verarbeitung von Cashew-Kernen schaffen solche Perspektiven. Cashew, auch „graues Gold“ genannt, wird in vielen Ländern als „Wunderwaffe“ gesehen, da Cashew viel verspricht. Der Cashew-Baum eignet sich bestens zur Anpassung an den Klimawandel. Der fortschreitende Klimawandel zwingt viele Bauern und Bäuerinnen vor allem in der Sahelzone dazu, neue Wege zu gehen. Zunehmende Hitzeperioden und Trockenheit in diesen Gegenden erschweren zum Beispiel den traditionellen Mango-Anbau. Der Cashew-Baum bietet diesen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern eine innovative und zukunftsgewandte Alternative. Ein weiteres großes Potenzial liegt in der lokalen Verarbeitung, die zahlreiche Arbeitsplätze schafft. Nicht zuletzt bietet Cashew als Exportprodukt eine Anbindung an den internationalen Markt.

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Unten an den Cashewäpfeln hängen die nierenförmigen Cashewkerne in ihrer Schale.

 

Der Cashew-Sektor zeichnet sich jedoch auch durch zahlreiche Herausforderungen aus. Kleinbauern und Verarbeiter der Cashew-Nüsse sind schwach organisiert, Verbände und Kooperativen sind kaum existent oder es fehlt ihnen an finanziellen und menschlichen Kapazitäten. Hinzu kommt, dass die meisten Länder Cashew nicht oder nur sporadisch mit politischen Initiativen, Regulierungen und Förderprogrammen unterstützen.

 

Dennoch sind sich die Regierungen in den Erzeugerländern des Potenzials des Cashew-Sektors zunehmend bewusst. Dies führte im November 2016 zur Gründung des Internationalen Cashew-Rats, CICC (Consultative International Cashew Council), in der Elfenbeinküste. Durch Austausch und Bereitstellen von Analysen und Informationen soll der Sektor gemeinsam gefördert werden. Die noch junge Organisation muss nun den Beweis erbringen, dass sie die richtige politische Antwort für einen vielversprechenden dynamischen Sektor hat.

 

Alle Energien bündeln, um mit einer Stimme über den Cashew-Sektor zu sprechen

 

Am 17. November 2016 unterschrieben die ersten vier Mitgliedsstaaten, Benin, Elfenbeinküste, Togo und Burkina Faso, die Konvention zur Gründung des Internationalen Cashew-Rats, CICC. Heute zählt der CICC neun Mitgliedsländer (Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Mali, Togo und Senegal), welche gemeinsam 42 Prozent der Cashew-Produktion weltweit repräsentieren.

 

„Die Idee ist, dass die großen Produzenten auf globaler Ebene mit einer Stimme sprechen können“, so Dr. Adama Coulibaly, der Direktor der ivorischen Cashew und Baumwoll Regulierungsbehörde CCA (Conseil Coton et Anacarde), im Interview mit RFI, Radio France Internationale. „Wenn OPEC über Öl gesprochen hat, kann niemand etwas anderes sagen. Dies ist unser Ziel für den Cashew-Sektor, eine Organisation zu haben, die Statistiken erstellt, den Sektor analysiert und alle Energien bündelt.“ Die Initiative zur Gründung des CICC geht auf die ivorische Regierung zurück. Die Elfenbeinküste ist heute Weltmarktführer, mit einer Cashew-Produktion von mehr als 700.000 Tonnen jährlich.

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Ein Jutesack mit Cashewkernen, die noch in der verholzten Nussschale sind, steht zur Auslieferung bereit. © Michael Drexler/GIZ

 

Der CICC ähnelt anderen existierenden Agrarrohstofforganisationen. In Afrika produzierte und für den internationalen Handel wichtige Waren wurden schon früh in sogenannten „commodity organisations“ gefasst, meist aus einer kolonialwirtschaftlichen Perspektive heraus und später als Ergebnisse verschiedener internationaler Warenabkommen. Im Agrarsektor betraf dies unter anderem Exportwaren wie Kakao, Kaffee, Baumwolle oder Kautschuk.

 

Eine der ältesten dieser Organisationen ist ICAC (International Cotton Advisory Comittee), das Internationale Baumwollkommittee, welches bereits 1939 in Washington gegründet wurde. ICAC wurde zu einer internationalen Plattform für alle Erzeugerländer und zum Referenzpunkt, wenn es um Statistiken, Informationen und Analysen über den Baumwollsektor geht.

 

Es handelt sich um zwischenstaatliche Organisationen, deren Mitglieder die jeweiligen Erzeugerländer und zum Teil auch Verbraucherländer sind. Deren Ziel ist die Veröffentlichung von Informationen zu den einzelnen Agrarrohstoffen, um dadurch den Handel zu fördern. Ein Handel, der zum Großteil vom globalen Süden auf die Märkte der Industriestaaten führt. Die jährlich stattfindenden Konferenzen dienen als politische Austauschforen. Auch der CICC will eine solche Referenz und Plattform für den noch jungen Cashew-Sektor werden. Jedoch mit dem Unterschied, dass der CICC eine Initiative von afrikanischen Akteuren ist, mit Sitz in der Elfenbeinküste und dem Ziel, diesen für Afrika zunehmend wirtschaftlich wichtigen Rohstoff auch von Afrika aus zu fördern und zu repräsentieren. Und nicht wie für Baumwolle (ICAC) von Washington oder für Kaffee (ICO) und Kakao (ICCO) von London aus.

 

Der Cashew-Sektor hat die Besonderheit ein noch recht junger Sektor zu sein, welcher erst in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewann. Es gilt den Sektor nun gemeinsam und von einer afrikanischen Perspektive aus, zu gestalten. Im Gegensatz zu anderen Organisationen, die bei ihrer Gründung als reine Informationsplattformen verstanden wurden, hat der CICC den Anspruch mehr als nur ein Forum zu sein, welches den Handel mit Industrieländern vereinfacht, indem Sektordaten und Analysen veröffentlicht werden. Der CICC versteht sich als politische Plattform und verfolgt auch ein entwicklungspolitisches Interesse. In der Präambel der Konvention zur Gründung des CICC erkennen die Mitgliedsstaaten das Potenzial an, welches Cashew für die Armutsbekämpfung und für das Schaffen von Bleibeperspektiven in den Mitgliedsländern besitzt. Des Weiteren begrüßen die Unterzeichnerstaaten „die Pionierarbeit der technischen und finanziellen Entwicklungspartner in der Cashew Wertschöpfungs-kette und verkünden ihren Willen, sich die Errungenschaften zu eigen zu machen, um sie zu verbessern“. Das Ziel des CICC ist es laut Konvention, die Zusammenarbeit und Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten in allen Bereichen der Cashew Wertschöpfungskette zu fördern.

 

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Die Weiterverarbeitung von Cashewkernen verlangt sehr viel Handarabeit, aber auch teilmechanisierten Verfahren.

Cashew, mehr als nur eine Nuss

 

Das Potenzial des Cashew-Baums ist für afrikanische Länder von großer Bedeutung. Der Baum wurde ursprünglich zur Bekämpfung von Desertifikation großflächig gepflanzt. Der Anteil der afrikanischen Cashew-Produktion an der Weltproduktion übersteigt heute schon die Hälfte der Weltproduktion und diese Tendenz ist steigend. In keinem anderen Anbaugebiet, weder in Südostasien noch in Brasilien, steigt die Cashew-Produktion heutzutage. Diese Steigerung entspricht bei weitem noch nicht der Nachfrage von Cashewnüssen auf dem Weltmarkt, welche jährlich um rund sechs bis sieben Prozent steigt. Afrika bietet beste Bedingungen für den Cashew-Anbau und durch den fortschreitenden Klimawandel wird der Cashew-Baum, welcher ein trockenes Klima benötigt, zunehmend zur Alternative für zahlreiche Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, vor allem in der Sahelzone. Denn Cashew schafft Perspektiven, für Bauern die im Anbau tätig sind, aber auch und vor allem in der lokalen Verarbeitung. Der Anteil der in lokal verarbeiteten Cashew-Nüsse ist noch viel zu gering. Von zehn Cashew-Nüssen, die in Afrika wachsen, wird nur eine einzige auch auf dem Kontinent geknackt. Der Großteil der Produktion wird als Rohmaterial nach Asien exportiert. In Ländern wie Indien und Vietnam findet dann die Weiterverarbeitung zu Cashew-Kernen statt. Denn noch ist die Verbeitung in Afrika in den meisten Fällen nicht profitabel genug.

 

Dies liegt unter anderem an mangelnder Infrastruktur, fehlenden Investitionen und schwankenden Preisen. Die Regierungen in den Erzeugerländern versuchen, politische und wirtschaftliche Anreize zu schaffen und so die Verarbeitung vor Ort zu stärken. Denn es handelt sich hierbei um eine Tätigkeit, die vor allem Frauen beschäftigt und für viele Familien dringend benötigte Einkommen darstellt. In der Steigerung der lokalen Verarbeitung liegt ein riesiges Potenzial für die Erzeugerländer. Laut Schätzungen der Competitive Cashew Initiative ComCashew, ein regionales GIZ Projekt, welches die Cashew Wertschöpfungskette seit 2009 in Afrika fördert, könnten jährlich bis zu eine Million Arbeitsplätze geschaffen werden, würden alle afrikanischen Cashew-Nüsse, insgesamt rund 1,5 Millionen Tonnen, auch in Afrika zu Cashew-Kernen verarbeitet werden.

 

(c) Steffen Kugler/World Vision
Das Sortieren und Abfüllen der Kerne ist der letzte Arbeitsschritt in einer langen Kette.

Cashew bietet somit ein wichtiges soziales, wirtschaftliches und ökologisches Potenzial. Die Regierungen in den Erzeugerländern sind sich dessen bewusst und sehen in der Förderung des Cashew-Sektors eine Möglichkeit, einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung ihrer Länder zu leisten. Die Gründung des CICC kann als Ausdruck dessen verstanden werden. Noch befindet sich die Organisation in ihren Anfängen. Seit der Gründung fand ein Minstertreffen statt und die neun anwesenden Minster haben sich auf einen Operationalisierungsplan geeinigt. Nun gilt es, diesen umzusetzen.

 

Im kommenden November findet zum dritten Mal die SIETTA Messe in Abidjan statt („Salon International des Equipements et Technologies de Transformation de l’Anacarde), die einzige Cashew-Industriemesse in Afrika und somit das wichtigste Rendez-vous des Sektors auf dem Kontinent. Dort werden sich, wie auch im Vorjahr, die Landwirtschaft- und Industrieminister der neun CICC-Mitgliedsländer zum nächsten Ministerrat treffen und aller Voraussicht nach den ersten Generalsekretär des CICC ernennen. Nach einer zweijährigen Entstehungs- und Operationalisierungsphase steht der CICC nun also kurz vor dem Durchbruch. Den Regierungsvertretern ist Notwendigkeit und Bedeutung des CICCs deutlich bewusst. Es wird sich nun zeigen, ob diese besondere afrikanische Initiative es schaffen kann, den Rahmen für einen noch jungen, aber dynamischen und vielversprechenden Sektor in Afrika zu bilden. Die 1,5 Millionen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, die diese Dynamik ausmachen, erwarten dies.

 

Über den Autoren

Maria Schmidt

Maria Schmidt studierte Politikwissenschaft und hat in ihrem deutsch-französischen Studium an der Sciences Po Bordeaux und Universtät Stuttgart bereits früh einen Schwerpunkt auf Entwicklungszusammenarbeit und Politikanalyse in Subsahara-Afrika gelegt. Dies führte sie zunächst ins Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, dann zur Friedrich Ebert Stiftung in Benin und zuletzt zur GIZ in Ghana.

 

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