Lassen Sie sich inspirieren!

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Die landwirtschaftliche Beratung konzentriert sich auf die Privatwirtschaft und den Staat. Und auch wenn sich diese eigentlich auf unterschiedliche Dinge konzentrieren, können sie dennoch voneinander lernen - und das sollten sie auch!

Ich bin ein Alternativtext
Vorkeimendes Saatgut für den Reisanbau in Burkina Faso. Der Vorteil: Die Flächenerträge sind höher als bei Trockensaat. © Jörg Böthling/GIZ

Von Desiree Dietvorst

(c) Dennis Williamson

Desiree Dietvorst hat Erfahrung mit tropischer Landwirtschaft und hat sich dabei auf tropische Tierproduktion und Tiergesundheit spezialisiert (Centre for Tropical Veterinary Medicine, Edinburgh). Nach einigen Jahren praktischer Erfahrung bei Landwirten in Nigeria und Sambia, ist sie seit fast zwanzig Jahren als selbständige Beraterin tätig.

 

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Heutzutage ist der größte Teil der Entwicklungsarbeit beratender Art, wobei die praktische Umsetzung nicht nur in den Hintergrund tritt, sondern auch deren Ruf beeinträchtigt wird. Denn uns wird bewusst, dass wir letztendlich nicht für die praktische Umsetzung verantwortlich sind, deshalb sollten wir im Hintergrund bleiben und stattdessen die Verantwortlichen unterstützen.

 

Bei der Verlagerung von technischer (und oft spezialisierten) Unterstützung zu beratenden (oft allgemeinen) Dienstleistung sind praktische Fertigkeiten verloren gegangen. Das soll nicht bedeuten, dass wir jetzt wieder Pflanzen anbauen und mit dem Traktor herumfahren sollten, denn die geringe nachhaltige Wirkung davon ist auch weiterhin nicht von der Hand zu weisen. Aber vielleicht können wir etwas von dieser praktischen und bodenständigen Arbeitsweise zurückgewinnen, indem wir die verschiedenen Perspektiven unserer gegenwärtigen unterstützenden Beratung miteinander verbinden.

 

Projekte, die beratende Dienstleistungen anbieten, nehmen oftmals aus Notwendigkeit oder als Konsequenz die Sichtweise desjenigen an, den sie unterstützen sollen. Jede dieser Perspektiven hat ihren eigenen Wert und durch die erfolgreiche Zusammenarbeit von Partnern und ihren Beratern entsteht oftmals ein wichtiger Impuls. Es ist definitiv sehr schwer, einen Impuls auch wirklich in die Tat umzusetzen, aber das kann auch mit den umfangreichen Aktivitäten verwechselt werden, die mit der Planung, mit Meetings und verpflichtenden Zusagen einhergehen. Noch schwieriger scheint die Umsetzung eines Impulses in Traktion, womit der eher ruhige, schrittweise und dennoch nachhaltige Fortschritt gemeint ist. Damit dies verwirklicht werden kann, könnte sich die gegenseitige Befruchtung der Perspektiven als nützlich erweisen, da dadurch selbst zum bereits besten Beratungsservice noch mehr Flexibilität, Innovation und Networking hinzugefügt werden kann.

 

Unterstützung des öffentlich-privaten Engagements aus verschiedenen Blickwinkeln

 

Jörg Böthling/GIZ
Burkina Faso: Reisbauern lanen gemeinsam Felder für den Nassreisanbau. © Jörg Böthling/GIZ

In einer Studie der GIZ über öffentlich-privates Engagement in der Landwirtschaft wurden mehrere Berater aus diesem Bereich befragt, die bei verschiedenen Projekten arbeiten. Bei all diesen Projekten soll die Entwicklung des Privatsektors unterstützt, private Investitionen befeuert und der öffentlich-private Austausch gestärkt werden, aber jeder geht dies mit einer anderen Strategie an. Der größte Unterschied besteht zwischen Projekten, deren Dienstleistungen sich vor allem an den Privatsektor richten, und solchen, die hauptsächlich die Akteure des öffentlichen Sektors unterstützen.

 

Die auf den Privatsektor ausgerichteten Projekte scheinen zwei gemeinsame Charakteristika zu vereinen: Sie verfügen über ein fundiertes Wissen in ihrem Fachgebiet und verfolgen bei der Entwicklung und Feinabstimmung ihrer Förderinstrumente den Ansatz „Versuch und Irrtum“, trial and error.

 

Das zeigt sich beispielsweise an der Entwicklung der Matching-Funds, wenn diese im Kontext der regionalen Werteketten der Projekte verwendet werden: Der ursprüngliche Entwurf des Matching-Funds entsprach einer privaten Investition und wurde von einer technischen Schulung wie z. B. über Parboiling-Techniken für Reis begleitet. Aber die Realität hat gezeigt, dass der eigentliche Engpass nicht technischer Natur ist, sondern eher durch ein Mangel an unternehmerischen Fähigkeiten bestimmt wird, so dass sich der größte Teil der Kapazitätsentwicklung mittlerweile darauf konzentriert.

 

Darüber hinaus wurde bereits in der Konzeptionsphase beabsichtigt, Matching-Funds nicht auf individueller Basis zu vergeben, sondern an Partnerschaften von den Beteiligten der Wertschöpfungskette. In Bezug auf Reis beinhaltet eine effektive Partnerschaft Hersteller, Müller, Prozessoren, Händler sowie Transporteure. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Vertrag von einem einzigen Vertreter, der für die Partnerschaft verantwortlich ist, unterzeichnet wird.

 

In der Vergangenheit hat es sich bei Vertragsunterzeichnungen jedoch öfters gezeigt, dass die Vertreter die Partner, die sie eigentlich repräsentieren sollten, bisher kaum getroffen hatten. Matching-Funds werden nur dann vergeben, wenn Memorandums of Understanding erstellt werden, die von allen Mitgliedern der Partnerschaft unterzeichnet werden. Diese Veränderungen haben ein gutes Konzept in ein robustes Instrument für die Entwicklung der Wertschöpfungskette entwickelt.

 

Diejenigen, die beratende Tätigkeiten im öffentlichen Sektor anbieten, müssen dies aufgrund der längeren Kausalkette oftmals ohne den Ansatz „Versuch-und-Irrtum“ schaffen, obwohl das Endziel ihrer Beratung ähnlich sein mag: Die Beratung im öffentlichen Sektor konzentriert sich tendenziell auf die Rahmenbedingungen wie die Verbesserung der Vorgehensweisen, die Stärkung der Institutionen und den Aufbau von Kapazitäten. Aber diese Kanäle leiden unter langen Reaktionszeiten und oft wird viel Aufwand in ein Konzept investiert, bevor es sich jedoch schlussendlich als nicht realisierbar erweist. Als ein Beispiel dafür dient die Neue Allianz für Ernährungssicherung, die 2012 beim G8-Gipfel als Panafrikanische Alternative mit dem Ziel gegründet wurde, die politischen Reformmaßnahmen der nationalen Regierungen so zu unterstützen, dass dadurch die privaten Investitionen in die Landwirtschaft gefördert werden können.

 

Bei der Afrikanischen Union wurde ein Sekretariat gegründet, Stakeholder-Plattformen eingerichtet, Länderkoordinatoren der Neuen Allianz wurden teilweise sogar mit Büros und Mitarbeitern eingestellt. Nach fünf Jahren und einiger Unsicherheit bezüglich dieses Projekts, bot eine Evaluierung einen ernüchternden Blick auf den Einfluss dieses groß angelegten Instruments. Die Spender zogen ihre Gelder zurück, das Sekretariat in Addis Ababa wurde geschlossen und die Zukunft der Mitarbeiter und Strukturen des Landes ist auch weiterhin unsicher. Natürlich wurden daraus Lehren gezogen, aber es besteht dennoch die große Gefahr, dass diese Lehren einfach nur dazu führen, dass ein neues Instrument auf den Markt kommt, dessen Mängel erst nach einem halben Jahrzehnt ans Tageslicht treten.

 

Durch die Verankerung der Neuen Allianz auf kontinentaler Ebene wurde sie noch „ferngesteuerter“ als die Unterstützung der nationalen Rahmenbedingungen bereits ist. Es gibt jedoch auch positive Beispiele für Landwirtschaftsprojekte, welche die Bedingungen für die Entwicklung des Privatsektors verbessert haben. Der National Potato Council of Kenya (NPCK) wurde beispielsweise mit Unterstützung der deutschen Entwicklungshilfe ins Leben gerufen. Und dieser Erfolg hat andere Länder inspiriert: Die Kartoffelproduzenten in Ruanda haben den NPCK besucht und stellen nun ihren eigenen Rat auf die Beine.

 

Was hat die Beratung zur Unterstützung des öffentlich-privaten Engagements bewirkt?

 

Christoph Püschner/Zeitenspiegel
Im Grünen Innovationszentrum der GIZ in Kenia verarbeiten Mitarbeiter Süßkartoffeln, trocknen und raspeln sie. © Jörg Böthling/GIZ

Bei der Studie über das öffentlich-private Engagement in der Landwirtschaft wurden Berater befragt, welche Komponente in ihrem Ansatz oder in dem Ansatz ihres Projektes die größte Wirkung hatte. Es folgt eine kurze Zusammenfassung ihrer Ansichten:

 

Konzentrieren Sie sich auf die Handelsware, damit sich die Beratung auf konkrete Themen fokussiert. Selbst wenn es bei der Beratung um die allgemeine Entwicklung des Privatsektors geht, hilft eine Fokussierung auf reale Rohstoffe, damit Fakten, Zahlen und Gesichter nicht zu allgemein gehalten werden und sich die Diskussionen nicht schlussendlich als nichtssagend erweisen.

 

Unterstützen Sie die Verbände der Wertschöpfungskette, da diese den Wandel oft vorantreiben. Denn sie beziehen neben den größeren Produzenten auch die kleineren Akteure der Wertkette mit ein. „Les Interprofessions“ sind institutionalisierte, landesweite Wertschöpfungskettenverbände, die zwar im frankophonen Afrika üblich sind, aber auch anderswo nützlich sein können.

 

Experimentieren Sie mit integrativen Geschäftsmodellen, die den Zugang zu Inputs und Dienstleistungen für kleine und große Produzenten verbessern. Die Wertschöpfungskettenprojekte der GIZ haben in vier Jahren Erfahrung mit verschiedenen Modelltypen sowie mit verschiedenen Anpassungen je nach Wertschöpfungsketten und Ländern gesammelt.

 

Auch wenn es darum geht, agrarpolitische Beratung zu leisten, sollten Sie sich nicht zu sehr auf die Politik versteifen. Eine Forderung nach politischer Veränderung und eine Vorstellung davon, welche Art von Veränderung notwendig ist, wird am deutlichsten und überzeugendsten, wenn es sich um einen Nebeneffekt einer größeren Problemlösungsaktivität handelt.

 

Bauen Sie sich ein fundiertes Hintergrundwissen über die Märkte auf, da diese komplizierter sind, als es der erste Blick vermuten lässt. Kakao wird zu einer Vielzahl von Produkten mit vielen Stationen und Akteuren verarbeitet. Bevor ein Baumwollshirt gekauft wird, umreist es zweimal die Erde; die rohe Baumwolle, die Fasern, der gewebte Stoff, das gefärbte Textil, das Shirt im Laden bis zu dem Shirt, das sich in der Einkaufstüte befindet.

 

Bevor der Handel eine faire Entwicklung durchlaufen kann, müssen die Oligopole zerstört werden. Bewährt Wege dafür sind Marktforschung, Aufklärung der Regierungen, geschickter Einsatz der Presse, Win-Win-Lösungen und die Vermittlung zwischen den Familien, die eine Wertschöpfungskette dominieren, und anderen Akteuren.

 

Verhindern Sie, dass ignorante Regierungen von skrupellosen Unternehmen missbraucht werden, indem sie ihnen neutrale Marktinformationen vorlegen. Großunternehmen verbreiten unter dem Deckmantel von „Marktstudien“ oft falsche Informationen, welche die Produktionskosten überschätzen, das Wertschöpfungspotenzial unterschätzen, falsche Angebots- und Nachfragezahlen angeben und den Gewinn zu niedrig einschätzen. In Ermangelung anderer Informationen haben die Regierungen auf kommerzielle Möglichkeiten verzichtet, von denen sie gar nicht wussten, dass es sie überhaupt gibt.

 

Auch wenn Sie diejenigen an Bord bringen sollten, die eine Schlüsselrolle spielen, ist es dennoch wichtig, dass auch die Kleinbauern eine Stimme haben. Am wichtigste ist jedoch, dass Sie eine kritische Masse des Marktvolumens auf Ihre Seite bringen. Die großen Akteure müssen Teil des Dialogs sein, damit Veränderungen stattfinden können.

 

Stellen Sie Recherchen über IT-basierte Möglichkeiten an und investieren Sie in IT-basierte Lösungen wie beispielsweise in die Subvention der Düngemittel durch E-Wallet (Nigeria), eVouchers (Sambia) oder E-Speicher, die als virtuelle Lager fungieren (Ostafrika). Noch innovativer sind die Rubbel-Etiketten auf Saatgutpaketen zum Schutz vor gefälschtem Saatgut (Kenia).

 

Die Beratung im öffentlichen Sektor wieder stärken und somit den Erfolg der Privatwirtschaft steigern

Christoph Püschner/Zeitenspiegel
Benin, Abomey-Calavi: die Saatgutbibliothek im landwirtschaftlichen Forschungszentrum INRAB. © Klaus Wohlmann/GIZ

 

Der potentielle Aktionsradius für die obigen Beispiele ist oft viel größer als ihr aktueller Wirkungsbereich. Viele innovative Lösungen sind in ihrem Handlungsspielraum begrenzt, entweder weil sie irgendwann an eine Obergrenze in Form von politischen, rechtlichen oder regulatorischen Beschränkungen stoßen oder weil ihnen ein Multiplikator in Form einer Agrarstrategie auf nationaler, regionaler oder sogar kontinentaler Ebene fehlt.

 

Hier ist die gegenseitige Befruchtung der beratenden Unterstützung des öffentlichen Sektors und der privaten Akteure äußerst nützlich: Eine wirksame Unterstützung des öffentlichen Sektors kann eine Hebelwirkung auf die Vervielfachung des Erfolgs des Privatsektors ausüben.

 

Die Lehren, die aus der Unterstützung des Privatsektors gezogen werden, könnten in die Beratung des öffentlichen Sektors einfließen und dazu führen, dass realistischere und flexiblere Förderinstrumente entwickelt werden.

 

Auf diese Weise kann die politische Beratung für den Staat pragmatischer werden, indem sie sich auf die bewährte Unterstützung des Privatsektors stützt, und somit Wege für die Ausweitung bewährter Innovationen des Privatsektors ebnen kann.

 

Über den Autoren

Desiree Dietvorst

(c) Dennis Williamson

Desiree Dietvorst hat Erfahrung mit tropischer Landwirtschaft und hat sich dabei auf tropische Tierproduktion und Tiergesundheit spezialisiert (Centre for Tropical Veterinary Medicine, Edinburgh). Nach einigen Jahren praktischer Erfahrung bei Landwirten in Nigeria und Sambia, ist sie seit fast zwanzig Jahren als selbständige Beraterin tätig.

 

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