5 Fragen an Haleka Gidey Hagos: Das Wurmgeschäft

Wurmkompost ist die Steigerung von Kompost - eine Art Superdünger. Davon ist der äthiopische Kleinbauer Haleka Gidey Hagos überzeugt, seitdem er im Juli 2015 einen Workshop des äthiopischen Landwirtschaftsministeriums in der Stadt Axum besucht hat.
(c) Dorothea Hohengarten / GIZ
Würmer verwandeln organische Abfälle in hochwertige Komposterde. (c) Dorothea Hohengarten/GIZ

1. Herr Hagos, was haben Sie bei dem Workshop über Wurmkompost gelernt?

Erstmal was die Würmer so machen: Sie verwandeln organische Abfälle in hochwertige, schwarze Komposterde. Dann lernten wir, welche Art von Würmern für Wurmkompost in Frage kommt und wie man eine Wurmkiste bauen und bestücken muss. Zum Beispiel müssen wir immer darauf achten, dass die Würmer genug zu fressen haben und dass es schattig ist und feucht bleibt in der Wurmkiste.

 

2. Was ist besser an Wurmkompost im Vergleich zu anderen Düngern?

Wenn wir nur Mineraldünger verwenden, entstehen viele Probleme. Die Erde wird schlechter, sie laugt quasi aus. Wir Bauern und Bäuerinnen hier im Dorf wissen, wie man Kompost macht und erzielen damit gute Ergebnisse auf unseren Feldern. Wurmkompost ist aber noch besser, weil er die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig verbessert. Die Wirkung hält nicht nur für ein Jahr, sondern für drei, vier, fünf Jahre. Außerdem ist er konzentrierter und somit einfacher zu transportieren.

 

3. Klingt gut, aber lässt sich das auch überprüfen?

Ich mache Feldversuche. Dabei wende ich auf dem einen Acker Wurmkomposterde an und auf einem anderen lasse ich meinen Weizen oder mein Teff (äthiopische Getreideart) genauso wachsen wie bisher. Da dünge ich zum Beispiel nur mit Tierdung und Stickstoff-Phosphor-Kalium-Dünger. Dieser Vergleich wird auch von Agrarforschern ausgewertet. Und so machen wir das hier mit allen neuen Methoden: Es gibt Versuchsfelder für besseres Saatgut, für den Anbau in Reihensaat, für neue Düngermischungen und so weiter.

 

Die Wirkung hält nicht nur für ein Jahr, sondern für drei, vier, fünf Jahre

 

4. Was bekommen die Würmer zu fressen?

Dreierlei Futter: Tee- und Kaffeesatz, die Reste von Gemüseblättern, zum Beispiel die äußeren Salatblätter, und Blätter vom Turibaum. Das ist ein Baum, der um die Felder herum als Schutz vor Wind und Sonne, als Viehfutter und zur Bodenverbesserung gepflanzt wird. Am Anfang habe ich noch Viehdung dazu gemischt, jetzt aber nicht mehr – der Viehdung kommt direkt aufs Feld.

 

5. Sind Sie der Einzige in der Gegend, der Würmer züchtet?

Wir haben vereinbart, dass ich an dem Workshop teilnehme und die anderen danach unterrichte. Wir sind eine Gemeinschaft von fünfzig Bäuerinnen und Bauern aus der Gemeinde die sich zusammengeschlossen haben, um Neues auszuprobieren. Die Würmer, die ich vermehre, verteile ich an bis zu zehn Bauern. Sieben habe ich bereits versorgt - sie verteilen wiederum ihre nachgezogenen Würmer an den Rest. Am Ende soll jeder Bauer und jede Bäuerin einen eigenen Wurmkompost haben.

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