5 Fragen an Bianca Oebel: Proteine satt

Bianca Oebel arbeitet für das Programm Ernährungssicherung und Resilienzstärkung (ProSAR) in der Kommune Tanguieta im Norden Benins. In sozialen und therapeutischen Zentren unterstützt sie lokale Institutionen dabei, Hunger und Mangelernährung vorzubeugen.
 
 
 

1. Frau Oebel, können Sie uns die Problemlage in ihrem Projektland beschreiben?

Die Bevölkerung leidet an Hunger und Mangelernährung. Besonders dramatisch ist die Lage vor der Ernte, wenn die gesamten Vorräte aufgebraucht sind und die Menschen ihre Familien nicht mehr ernähren können. Oft sind sie schon vorher geschwächt, weil ihnen Vitamine und andere Nährstoffe fehlen, die wichtig für ein intaktes Immunsystem und andere lebensnotwendige Körperfunktionen sind. Der Auftrag von ProSAR ist es daher, die Haushalte zu überzeugen, sich abwechslungsreicher zu ernähren, Mangelernährung vorzubeugen und damit Hunger rechtzeitig zu bekämpfen.

 

2. Ist eine ausgewogene Ernährung eher ein Problem der Verfügbarkeit oder traditioneller Essgewohnheiten?

Leider stellt beides eine Herausforderung dar. Beispielsweise muss Kuhmilch in großen Mengen importiert werden und ist deshalb für die meisten Haushalte unerschwinglich. Da sind also Verfügbarkeit und Armut ein großes Hindernis.  Eier und Fleisch werden wiederum aus kulturellen Gründen für Kinder abgelehnt. Andere Proteinquellen dienen in der Regel dem Verkauf und werden nur selten selbst konsumiert.

 

3. Was kann ProSAR dagegen tun?

Wir haben verschiedenen Projekte: Frauengruppen lernen die Herstellung einer Mehlmischung auf Sojabasis, der sogenannten Farine enrichie. Sie kann als Babynahrung dienen, aber auch als stärkendes Frühstück für ganze Familien. Sojamilch ist eine weitere mögliche Proteinquelle und kann lokal hergestellt werden. Um sie optimal lagern und konservieren zu können, haben wir Fortbildungen veranstaltet.

Weiter wollen wir besonders nahrhafte Produkte bekannt machen. Dabei ist es wichtig, dass die Pflanzen in der Nähe der Häuser angebaut werden können. Mit geringem Aufwand wurden auf diese Weise bereits Baobab, Moringa, Straucherbse und einige Obstbäume gepflanzt. Baobabs wurden bereits mehrfach geerntet und dienen als Grundlage für die wöchentlich durchgeführten Kochdemonstrationen. Dabei geht es zum Beispiel um den idealen Garpunkt für Blattgemüse, damit möglichst viele Vitamine enthalten bleiben.

Jede Frau, die eine Verbesserung ihrer Lebenssituation durch unsere Arbeit sieht, ist ein Erfolg

 

4. Auf welche Herausforderungen stoßen Sie bei Ihrer Arbeit?

Bei all den bisher angelaufenen Aktionen wurde eines besonders deutlich: Ohne eine grundlegende Verbesserung des Bildungsniveaus ist eine langfristige Veränderung nicht zu erreichen. Denn die Probleme lassen sich nicht allein durch Armut oder Mangel an dem Notwendigsten erklären. In vielen Familien haben kleine Kinder einen geringen Stellenwert und das Schulangebot ist insbesondere in ländlichen Gebieten enttäuschend. Es mangelt an gut ausgebildeten und motivierten Lehrern. Das führt zu einer stetigen Abnahme der Schülerzahlen, weil die Eltern die Erfolge anzweifeln.

 

Ein weiterer Punkt ist die Familienplanung. Es gibt kaum Aufklärung oder vernünftige Angebote, es fehlen Gynäkologen und den Hebammen fehlt es an Ausbildung und Material. Dabei ist eine erneute Schwangerschaft der Mutter sehr häufig Auslöser für die Unterernährung des Kindes.

 

5. Was verändern Sie mit Ihrer Arbeit?

Jede Frau, die eine Verbesserung ihrer eigenen Lebenssituation durch eine unserer Fortbildungen sieht, ist ein Erfolg. Wir versuchen auch die Arbeit in den Dörfern weiter voran zu bringen. Es wurden sogenannte Gemeindehelfer in den Grundlagen der gesunden Ernährung ausgebildet. Sie können nun Mangelernährung bei Kindern feststellen. Wenn Mängel früh erkennt werden, können Langzeitschäden verhindert oder zumindest abgeschwächt werden. Künftig betreuen die Gemeindehelfer diese Kinder auch langfristig, da sich die generelle Problematik nur sehr langsam verbessert.

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