Wie die Milchproduktion ein Dorf verändert

Seit der Aufhebung der Milchquote in Europa drängt immer mehr Milchpulver auf den Weltmarkt. Importware bedroht die lokale Milchproduktion in Burkina Faso. Mit einem Projektpartner unterstützt Misereor Viehhalter vor Ort.

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Burkina Faso: Balkissa Diallo ist von Kindesbeinen an den Umgang mit Rindern gewohnt. (c) Florian Kopp/Misereor

Die Tierhaltung wird in Burkina Faso zu großen Teilen von traditionellen Viehhirten, den Peulh, betrieben. Die Peulh machen knapp acht Prozent der Bevölkerung in Burkina Faso aus und sind eine der größten ethnischen Gruppen Westafrikas. Dennoch haben sie kaum eine Lobby. Ein entscheidender Grund dafür ist ihre mobile Lebensweise, bis heute sind viele Peulh Halbnomaden. Aufgrund der rasant steigenden Bevölkerung in Westafrika führt das jedoch immer häufiger zu Konflikten um stets knapper werdende Ressourcen. Den Tierhaltern wird vorgeworfen, dass ihre Tiere die bestellten Äcker der sesshaften Bauern zertrampeln und Ernten vernichten. Die Peulh wiederum beklagen, dass aus einstigen Weideflächen Ackerland wurde. Ehemalige Weidekorridore existieren längst nicht mehr.

 

Ich bin ein Alternativtext
Statt einem Liter geben viele der Kühe nun bis zu vier Liter Milch pro Tag. (c) Kopp/Misereor

Mit Rindern, Schafen und Ziegen erzeugen sie in gemischten Herden Milch. Bedingungen und Erzeugerpreise der Milchproduktion sind in Burkina Faso, einem Land mit 10 Millionen Kühen bei rund 19 Millionen Einwohnern, ein umstrittenes Thema. Die Milchproduktion ist überlebenswichtig für die Peulh. Gleichzeitig drängt seit der Aufhebung der Milchquote in Europa immer mehr Milchpulver auf den Weltmarkt. Burkina Faso importiert jährlich Milchpulver im Wert von umgerechnet etwa 198 Millionen Euro. Dies bedroht bereits jetzt die heimische Milchproduktion. Das Freihandelsabkommen mit der EU sieht zudem eine Aufhebung der Zölle für Milchpulver vor, welche europäischen Produzenten den Marktzugang noch erleichtern könnte. Verlieren werden die Milchbauern und -bäuerinnen in der Region. Ihre langjährige Forderung nach einem höheren Außenschutz konnten sie nicht durchsetzen. Im Gegenteil: Die Zölle gegenüber der EU werden ganz abgeschafft und dies wird dauerhaft festgeschrieben.

 

Die Molkerei im Dorf hat eine zentrale Funktion

Die Regierung in Burkina Faso möchte zwar ihren eigenen Milchsektor mit Millionensummen fördern. Die traditionellen Siedlungsgebiete der Peulh im Norden und Osten des Landes spielen in den Plänen der Regierung jedoch keine Rolle. Dabei ist die Milchproduktion für ihr tägliches Einkommen entscheidend. Der Misereor-Projektpartner PASMEP, Plate-Forme d'Actions à la Securisation des Menages Pastoraux, unterstützt sie daher unter anderem mit einer Mini-Molkerei. Diese ist im Mai 2015 eingeweiht worden und hat seitdem eine zentrale Funktion im Ort.

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Die Frauen in der Molkerei kümmern sich um die Annahme der Rohmilch und die Verarbeitung zu Joghurt. (c) Kopp/Misereor

„Unser Dorf hat sich dadurch verändert“, sagt Mariam Diallo. Sie ist die Präsidentin der Frauen-Union des Vereins, der für den Betrieb verantwortlich ist. Neben Diallo arbeiten fünf weitere Frauen in der Molkerei. Zwei Mitarbeiterinnen kümmern sich um die Annahme der Rohmilch und die tägliche Verarbeitung zu Joghurt, Buchhalter Salam Diallo listet auf, wer wieviel Milch anliefert. "Die Milchmenge hat sich seit Projektbeginn verbessert", sagt Mariam Diallo.

 

Teilweise hätten die Kühe früher lediglich einen halben bis einen Liter gegeben. Besonders gering sei der Ertrag während der Trockenzeit gewesen, wenn das Futter kaum nahrhaft und vor allem knapp wurde. „Heute sind es zwei bis drei. Wenn es sehr gut ist, sogar bis zu vier Liter“, sagt die 59-Jährige. In der Anfangsphase seien sie schließlich im Bereich der Futterproduktion geschult worden und hätten gelernt, wie stark diese mit der Milchleistung zusammenhängt.

PASMEP leistet damit einen Beitrag dazu, dass die Gruppen ihre Milchproduktion steigern und die Weiterverarbeitung sowie Vermarktung der lokal produzierten Milch verbessern können. Zudem unterstützt die Partnerorganisation von MISEREOR die lokalen Verbände der halbnomadischen Viehhalter dabei, sich besser zu organisieren und ihre Arbeit zu professionalisieren, damit sie sich stärker in der kommunalen Selbstverwaltung engagieren können.

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MISEREOR ist das katholische Hilfswerk für Entwicklungszusammenarbeit. Gemeinsam mit  einheimischen Partnerinnen und Partnern unterstützt MISEREOR Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika. 

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